Rabatt­mo­dell für den Arz­nei­mit­tel­be­zug aus dem Aus­land

Das von einer Frei­las­sin­ger Apo­the­ke­rin ange­bo­te­ne Rabatt­mo­dell für den Arz­nei­mit­tel­be­zug aus dem Aus­land ver­stößt nicht gegen das Ver­brin­gungs­ver­bot des § 73 AMG. Das betrie­be­ne Rabatt­mo­dell für Arz­nei­mit­tel ist in die­sem Punkt für unbe­denk­lich ange­se­hen wor­den und die Kla­ge­ab­wei­sung der gegen die­se Apo­the­ke­rin gerich­te­ten Kla­ge ist bestä­tigt wor­den.

Rabatt­mo­dell für den Arz­nei­mit­tel­be­zug aus dem Aus­land

So hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall ent­schie­den. Die Beklag­te betreibt eine Apo­the­ke in Frei­las­sing. Sie bie­tet ihren Kun­den an, Medi­ka­men­te bei einer Apo­the­ke in Buda­pest zu bestel­len und zusam­men mit einer Rech­nung die­ser Apo­the­ke bei ihr in Frei­las­sing abzu­ho­len. Den Kun­den ver­spricht sie dabei einen Rabatt in Höhe von 22% bei nicht­ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen und von 10% bei ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Medi­ka­men­ten. Im Fal­le einer Bestel­lung lässt die Beklag­te die Medi­ka­men­te zunächst durch einen Groß­händ­ler aus Deutsch­land an die Apo­the­ke in Buda­pest lie­fern, von wo aus sie wie­der zurück­ge­lie­fert wer­den. Auf Wunsch wer­den die Kun­den, die Medi­ka­men­te auf die­sem Wege bezie­hen, in der Apo­the­ke der Beklag­ten phar­ma­zeu­tisch bera­ten. Die Klä­ge­rin­nen, die eben­falls in Frei­las­sing Apo­the­ken betrei­ben, sehen in dem Ver­hal­ten der Beklag­ten – soweit ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel abge­ge­ben wer­den – einen Ver­stoß gegen die arz­nei­mit­tel­recht­li­chen Preis­vor­schrif­ten. Soweit die Beklag­te sons­ti­ge Arz­nei­mit­tel auf die­se Wei­se abgibt, bean­stan­den die Klä­ge­rin­nen in ers­ter Linie den Ver­stoß gegen ande­re arz­nei­mit­tel­recht­li­che Bestim­mun­gen. Mit ihrer beim Land­ge­richt Traun­stein erho­be­nen Kla­ge haben sie die Beklag­te auf Unter­las­sung und Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­men.

Das Land­ge­richt Traun­stein hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben [1]. Das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen hat die­ses Urteil nur inso­weit bestä­tigt, als die Beklag­te Rabat­te auf preis­ge­bun­de­ne ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel ange­bo­ten hat. Im Übri­gen hat das Ober­lan­des­ge­richt die Kla­ge abge­wie­sen [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Ent­schei­dung nun­mehr bestä­tigt. Ins­be­son­de­re hat er in Über­ein­stim­mung mit dem Ober­lan­des­ge­richt einen Ver­stoß der Beklag­ten gegen das arz­nei­mit­tel­recht­li­che Ver­brin­gungs­ver­bot des § 73 AMG ver­neint. Danach dür­fen zulas­sungs­pflich­ti­ge Arz­nei­mit­tel nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen nach Deutsch­land ein­ge­führt wer­den. Ins­be­son­de­re ist der Ver­sand von Arz­nei­mit­teln auch aus dem EU-Aus­land an deut­sche End­ver­brau­cher nur unter engen Vor­aus­set­zun­gen gestat­tet, die die hier ein­ge­schal­te­te Buda­pes­ter Apo­the­ke nicht erfüllt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat jedoch einen Ver­sand unmit­tel­bar an End­ver­brau­cher im Streit­fall ver­neint. Auch wenn das von der Beklag­ten prak­ti­zier­te Modell so aus­ge­stal­tet ist, dass sie den Ver­kauf der bestell­ten Arz­nei­mit­tel durch die Buda­pes­ter Apo­the­ke ledig­lich ver­mit­telt und der Kauf­ver­trag des­we­gen zwi­schen dem deut­schen Kun­den und der Buda­pes­ter Apo­the­ke zustan­de kommt, ist die Beklag­te arz­nei­mit­tel­recht­lich als Emp­fän­ge­rin anzu­se­hen, die ihrer­seits die Medi­ka­men­te sodann an die Kun­den abgibt. Für die arz­nei­mit­tel­recht­li­che Beur­tei­lung ist dabei maß­ge­bend, dass in die Abga­be an den End­ver­brau­cher eine inlän­di­sche Apo­the­ke ein­ge­schal­tet ist, die ver­pflich­tet ist, die Qua­li­tät, Eig­nung und Unbe­denk­lich­keit der auf die­se Wei­se abzu­ge­ben­den Arz­nei­mit­tel zu prü­fen und die Ver­brau­cher bei Bedarf zu bera­ten. Des­we­gen ist arz­nei­mit­tel­recht­lich die inlän­di­sche Apo­the­ke der Beklag­ten Emp­fän­ge­rin der von der Buda­pes­ter Apo­the­ke ver­sand­ten Arz­nei­mit­tel. Daher hat der Bun­des­ge­richts­hof einen Ver­stoß gegen das Ver­brin­gungs­ver­bot des § 73 AMG ver­neint.

Im Übri­gen ist der Beklag­ten die Gewäh­rung eines Rabatts im Fal­le ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Arz­nei­mit­tel von den Vor­in­stan­zen gera­de des­we­gen ver­bo­ten wor­den, weil sie die Arz­nei­mit­tel als inlän­di­sche Apo­the­ke­rin abgibt. Denn die inso­weit anwend­ba­ren arz­nei­mit­tel­recht­li­chen Preis­vor­schrif­ten, die einen sol­chen Rabatt unter­sa­gen, gel­ten nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nur im Fal­le der Abga­be durch inlän­di­sche Apo­the­ken.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Janu­ar 2012 – I ZR 211/​10, Euro­pa-Apo­the­ke Buda­pest

  1. LG Traun­stein, Urteil vom 11.03.2009 – 2 HKO 2534/​08[]
  2. OLG Mün­chen, Urteil vom 28.10.2010 – 6 U 2657/​09[]