"Rock am Ring" und die Titel­rech­te

Zwar ist die Wort­mar­ke "Rock am Ring" seit dem Jahr 1993 für die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co KG beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt (DPMA) ein­ge­tra­gen und damit mar­ken­recht­lich geschützt. Aber bei der Bezeich­nung "Rock am Ring" han­delt es sich außer­dem um einen schutz­fä­hi­gen Werk­ti­tel, d. h. um eine gleich einer Mar­ke schutz­fä­hi­ge Bezeich­nung für ein geis­ti­ges Pro­dukt, das schon län­ger als die ein­ge­tra­ge­ne Mar­ke recht­li­chen Schutz genießt und sich damit gegen­über der Mar­ke durch­setzt. Inha­ber des geschütz­ten Werk­ti­tels ist eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, an der sowohl die Nür­burg­ring GmbH i. E. als auch die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co KG betei­ligt sind. Für die Inha­ber­schaft am Werk­ti­tel kommt es recht­lich nicht dar­auf an, dass allein Herr Lie­ber­berg mit sei­ner Kon­zert­agen­tur für die musi­ka­lisch-künst­le­ri­sche Aus­rich­tung des Fes­ti­vals ver­ant­wort­lich gewe­sen ist und sich fak­tisch dar­um geküm­mert hat.

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So hat das Land­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren ent­schie­den und das Recht, Musik­fes­ti­vals unter der Bezeich­nung "Rock am Ring" durch­zu­füh­ren, nicht allei­ne der Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co KG und ihrem Geschäfts­füh­rer Marek Lie­ber­berg, son­dern gemein­sam mit der insol­ven­ten und unter Eigen­ver­wal­tung ste­hen­den Nür­burg­ring GmbH zuer­kannt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Land­ge­richt Koblenz aus­ge­führt, dass zwar die Wort­mar­ke „Rock am Ring“ seit dem Jahr 1993 für die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co KG beim Deut­schen Patent- und Mar­ken­amt (DPMA) ein­ge­tra­gen und damit mar­ken­recht­lich geschützt. Die zustän­di­ge Kam­mer ist indes zu der Über­zeu­gung gelangt, bei der Bezeich­nung „Rock am Ring“ han­de­le es sich außer­dem um einen schutz­fä­hi­gen Werk­ti­tel, d. h. um eine gleich einer Mar­ke schutz­fä­hi­ge Bezeich­nung für ein geis­ti­ges Pro­dukt, hier: für das Kon­zept einer Serie von Musik­fes­ti­vals. Der Werk­ti­tel „Rock am Ring“ genie­ße recht­li­chen Schutz schon län­ger als die ein­ge­tra­ge­ne Mar­ke, näm­lich seit 1986, spä­tes­tens aber seit 1991, und set­ze sich damit gegen­über der Mar­ke durch. Inha­ber des geschütz­ten Werk­ti­tels sei eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, an der sowohl die Nür­burg­ring GmbH i. E. als auch die Marek Lie­ber­berg Kon­zert­agen­tur GmbH & Co KG betei­ligt sei­en. Die Nür­burg­ring GmbH sei von Anfang an Mit­ver­an­stal­te­rin des Fes­ti­vals gewe­sen. Im all­sei­ti­gen Ein­ver­neh­men sei­en die Koope­ra­ti­ons­part­ner stets gemein­sam als Ver­an­stal­ter des Fes­ti­vals auf­ge­tre­ten und in der Öffent­lich­keit auch so wahr­ge­nom­men wor­den. Unter die­sen Umstän­den kom­me es für die Inha­ber­schaft am Werk­ti­tel recht­lich nicht dar­auf an, dass allein Herr Lie­ber­berg mit sei­ner Kon­zert­agen­tur für die musi­ka­lisch-künst­le­ri­sche Aus­rich­tung des Fes­ti­vals ver­ant­wort­lich gewe­sen sei und sich fak­tisch dar­um geküm­mert habe.

Die Par­tei­en des Rechts­streits hat­ten in zwei 2003 und 2007 geschlos­se­ne Koope­ra­ti­ons­ver­trä­ge, die der Durch­füh­rung der Fes­ti­vals zuletzt zugrun­de lagen, Klau­seln auf­ge­nom­men, die sich auf die Fra­ge bezo­gen, unter wel­chen Moda­li­tä­ten künf­tig „Rock am Ring“ an ande­ren Ver­an­stal­tungs­or­ten als am Nür­burg­ring durch­ge­führt wer­den kann. Die­sen Klau­seln, deren Aus­le­gung zwi­schen den Par­tei­en strei­tig ist, hat die Kam­mer kei­ne ent­schei­den­de Bedeu­tung für ihre Ent­schei­dung zuge­mes­sen; eine Ver­kür­zung der Rech­te der Nür­burg­ring GmbH sei ihnen jeden­falls nicht zu ent­neh­men.

Wie die Kam­mer in ihrem Urteil näher aus­führt, besteht die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, der das Werk­ti­tel­recht an „Rock am Ring“ zusteht, unge­ach­tet der Insol­venz der Nür­burg­ring GmbH bis heu­te fort; sie sei ins­be­son­de­re noch nicht ein­ver­nehm­lich aus­ein­an­der­ge­setzt wor­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz unter­sag­te des­halb Marek Lie­ber­berg und sei­ner Kon­zert­agen­tur einst­wei­len, ein Kon­zert­fes­ti­val unter dem Titel "Rock am Ring" ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung der Nür­burg­ring GmbH i. E. anzu­kün­di­gen, zu bewer­ben oder zu ver­an­stal­ten.

Kei­nen Erfolg hat­te der Eil­an­trag der Nür­burg­ring GmbH i. E. ledig­lich inso­weit, als damit auch das Ver­bot ange­strebt wor­den war, zu behaup­ten, Rock am Ring sei eine Visi­on, die Herr Lie­ber­berg vor 30 Jah­ren gehabt habe. Im Ver­fah­ren sei stets unstrei­tig gewe­sen, dass sowohl die Idee zur Durch­füh­rung des Fes­ti­vals als auch der Name "Rock am Ring" allein von Herrn Lie­ber­berg stamm­ten. Allein dadurch, dass er dies wahr­heits­ge­mäß öffent­lich mit­tei­le, ver­let­ze er die Klä­ge­rin nicht an ihren Rech­ten am Werk­ti­tel "Rock am Ring".

Land­ge­richt Koblenz, Beschluss vom 30. Juni 2014 – 2 HK O 32/​14