Heil­prak­ti­ker-Pra­xis für Psy­cho­the­ra­pie und Trau­ma­the­ra­pie

Eine Wer­bung mit „Pra­xis für Psy­cho­the­ra­pie und Trau­ma­the­ra­pie“ ohne wis­sen­schaft­li­che Aus­bil­dung mit Hoch­schul­ab­schluss ist unzu­läs­sig, wie das Land­ge­richt Olden­burg auf eine Wett­be­werbs­kla­ge eines Inter­es­sen­ver­ban­des gegen eine Heil­prak­ti­ke­rin ent­schied. Die beklag­te Heil­prak­ti­ke­rin ging gegen das Urteil in die Beru­fung. Auf Hin­weis des 1. Zivil­se­na­tes des Ober­lan­des­ge­richts Olden­burg nahm die Heil­prak­ti­ke­rin ihre Beru­fung jedoch zurück.

Heil­prak­ti­ker-Pra­xis für Psy­cho­the­ra­pie und Trau­ma­the­ra­pie

Die beklag­te Heil­prak­ti­ke­rin hat­te sowohl in ihren Brief­bö­gen als auch auf ihrer Inter­net­sei­te mit der Über­schrift „Pra­xis für Psy­cho­the­ra­pie und Trau­ma­the­ra­pie“ gewor­ben. Es folg­te ihr Name und eine Auf­lis­tung ihrer Tätig­keits­schwer­punk­te mit dem Hin­weis „Heil­prak­ti­ke­rin für Psychotherapie/​ALH“. Die Klä­ge­rin hielt den­noch die Wer­bung mit der­ar­ti­ger Über­schrift für unzu­läs­sig und klag­te auf Unter­las­sung, da nicht hin­rei­chend deut­lich wür­de, dass die Beklag­te kei­ne appro­bier­te Psy­cho­the­ra­peu­tin im Sin­ne des Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­set­zes sei.

Das Land­ge­richt Olden­burg hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Durch die Ver­wen­dung des Begriffs „Pra­xis für Psy­cho­the­ra­pie und Trau­ma­the­ra­pie“ ohne Hin­weis auf die Tätig­keit als Heil­prak­ti­kern in der fett­ge­druck­ten Über­schrift wer­de bei dem ange­spro­che­nen Per­so­nen­kreis der Ein­druck erweckt, es han­de­le sich um eine The­ra­peu­tin mit abge­schlos­se­nem Hoch­schul­stu­di­um.

Gegen das Urteil des Land­ge­richts wen­de­te sich die Heil­prak­ti­ke­rin mit ihrer Beru­fung. Das OLG Olden­burg wies die Beklag­te jedoch dar­auf hin, dass er die­se Wer­bung eben­falls für irre­füh­rend bzw. unzu­läs­sig hal­te. Der Laie gehe bei ent­spre­chen­der Wer­bung davon aus, in der Pra­xis sei eine Psy­cho­the­ra­peu­tin mit Hoch­schul­ab­schluss tätig. Der Hin­weis im „Klein­ge­druck­ten“ auf die Heil­prak­ti­ker­tä­tig­keit genü­ge nicht, weil damit auch eine Zusatz­qua­li­fi­ka­ti­on gemeint sein könn­te. Die Trau­ma­the­ra­pie unter­lie­ge zwar nicht dem Richt­li­ni­en­ver­fah­ren des Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­set­zes. Da die Trau­ma­the­ra­pie aber im Zusam­men­hang mit der Psy­cho­the­ra­pie­pra­xis auf­ge­führt sei, ent­ste­he der irre­füh­ren­de Ein­druck, die­se wer­de von einer aus­ge­bil­de­ten Psy­cho­the­ra­peu­tin mit Uni­ver­si­täts­ab­schluss aus­ge­führt. Für den Ver­brau­cher müs­se inso­weit aber die Aus­bil­dungs­grund­la­ge erkenn­bar sein.

Land­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 23. Okto­ber 2008 – 15 O 1295/​08
Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg, Hin­weis­be­schluss – 1 U 120/​08