Hei­ment­gel­te und Son­den­er­näh­rung

Wie ist die Rege­lung in einem Heim­ver­trag aus­zu­le­gen, in der hin­sicht­lich der von dem Heim­trä­ger zu berech­nen­den Leis­tungs­ent­gel­te auf Rege­lun­gen ver­wie­sen wird, die zwi­schen den Heim­trä­ger­ver­bän­den und den öffent­li­chen Leis­tungs- und Kos­ten­trä­gern in der Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on ver­ein­bart sind? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu beschäf­ti­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof betrach­te­te eine heim­ver­trag­li­che Rege­lung, in der die Redu­zie­rung des Hei­ment­gelts bei Heim­be­woh­nern mit Son­den­er­näh­rung auf rund ein Drit­tel des Ver­pfle­gungs­an­teils des Hei­ment­gelts fest­ge­legt wird, als ange­mes­sen im Sin­ne von § 87 Satz 2 SGB XI, § 5 Abs. 7 HeimG a.F. und § 5 Abs. 2 WTG NRW 1.

Hei­ment­gel­te und Son­den­er­näh­rung

Im vor­lie­gen­den Fall bestimm­te der Heim­ver­trag, dass sich die Ent­gel­te grund­sätz­lich nach den Rege­lun­gen rich­te­ten, die zwi­schen den Heim­trä­ger­ver­bän­den und den öffent­li­chen Leis­tungs- und Kos­ten­trä­gern in der Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on jeweils ver­ein­bart sind. Die­se For­mu­lie­rung ist vor­lie­gend als Bezug­nah­me auf den Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses für sta­tio­nä­re Pfle­ge in Nord­rhein-West­fa­len (Grund­satz­aus­schuss) vom 23.08.2004 betref­fend Ent­gel­te für Unter­kunft und Ver­pfle­gung für Heim­be­woh­ner mit Son­den­er­näh­rung aus­zu­le­gen, der nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts die Erstat­tung von rund einem Drit­tel der Ver­pfle­gungs­kos­ten für Heim­be­woh­ner mit Magen­son­de fest­ge­legt hat.

Das Elf­te Buch Sozi­al­ge­setz­buch sieht ver­schie­de­ne Ver­trä­ge vor, in denen Rege­lun­gen betref­fend die Kos­ten für Unter­kunft und Ver­pfle­gung eines in einem Heim ver­sorg­ten Pfle­ge­be­dürf­ti­gen getrof­fen wer­den kön­nen. Es sind dies ins­be­son­de­re Rah­men­ver­trä­ge nach § 75 SGB XI, Ver­ein­ba­run­gen der als Pfle­ge­satz­par­tei­en betrof­fe­nen Leis­tungs­trä­ger (§ 85 Abs. 2 SGB XI) mit dem Trä­ger des Pfle­ge­heims nach § 87 SGB XI, Ver­ein­ba­run­gen der Pfle­ge­satz­kom­mis­sio­nen gemäß § 86 Abs. 1 Satz 1 SGB XI in Ver­bin­dung mit § 87 Satz 3 SGB XI und Rah­men­ver­ein­ba­run­gen der Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on oder der Ver­trags­par­tei­en nach § 85 Abs. 2 SGB XI nach § 86 Abs. 3 SGB XI in Ver­bin­dung mit § 87 Satz 3 SGB XI.

Die Bestim­mung des Heim­ver­trags bezieht sich ihrem Wort­laut nach auf Ver­ein­ba­run­gen nach § 86 Abs. 1, 3 SGB XI in Ver­bin­dung mit § 87 Satz 3 SGB XI zwi­schen den dort genann­ten Ver­trags­par­tei­en "in der Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on". Sie bezieht sich dage­gen ihrem Wort­laut nach nicht auf die Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen den als Pfle­ge­satz­par­tei­en betrof­fe­nen Leis­tungs­trä­gern (§ 85 Abs. 2 SGB XI) mit der Beklag­ten als Trä­ge­rin des Pfle­ge­heims nach § 87 SGB XI. Denn weder sind Ver­trags­part­ner die­ser Ver­ein­ba­run­gen die in § 4 Abs. 1 Satz 2 des Heim­ver­trags genann­ten Heim­trä­ger­ver­bän­de noch han­delt es sich um Ver­ein­ba­run­gen "in der Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on".

Rege­lun­gen einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on in Nord­rhein-West­fa­len nach § 86 Abs. 1, 3 SGB XI in Ver­bin­dung mit § 87 Satz 3 SGB XI sind für den streit­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum von den Par­tei­en weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich 2. Die For­mu­lie­rung in § 4 Abs. 1 Satz 2 des Heim­ver­trags ist jedoch als Ver­weis auf den vom Beru­fungs­ge­richt in Bezug genom­me­nen Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 aus­zu­le­gen.

Der Grund­satz­aus­schuss ist auf­grund § 22 des am 1.10.1999 in Kraft getre­te­nen Rah­men­ver­trags gemäß § 75 Abs. 1 SGB XI zur Kurz­zeit­pfle­ge und voll­sta­tio­nä­ren Pfle­ge vom 10.06.1999 (Rah­men­ver­trag) gebil­det wor­den. Nach § 22 Abs. 1 des Rah­men­ver­trags han­delt es sich dabei um einen von den Par­tei­en des Rah­men­ver­trags (Arbeits­ge­mein­schaft der Spit­zen­ver­bän­de der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge, Bun­des­ver­band Pri­va­ter Alten- und Pfle­ge­hei­me und sozia­le Diens­te e.V., Ver­band Deut­scher Alten- und Behin­der­ten­hil­fe Lan­des­grup­pe NRW e.V., Ver­band der Kom­mu­na­len Senio­ren- und Behin­der­ten­ein­rich­tun­gen in NRW e.V., Land­schafts­ver­bän­de Rhein­land und West­fa­len­Lip­pe, Städ­te­tag Nord­rhein-West­fa­len, Land­kreis­tag Nord­rhein-West­fa­len, Lan­des­ver­bän­de der Pfle­ge­kas­sen in Nord­rhein-West­fa­len, Ver­band der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung e.V.) gebil­de­ten "Grund­satz­aus­schuss im Sin­ne von § 86 Abs. 3 SGB XI", der unter ande­rem Ver­fah­ren der Ermitt­lung der Leis­tungs­ent­gel­te regeln soll. Zwar ist in § 86 Abs. 3 SGB XI nicht von einem Grund­satz­aus­schuss, son­dern von einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on die Rede. Jedoch besteht sowohl eine Iden­ti­tät der Par­tei­en des Rah­men­ver­trags und damit des Grund­satz­aus­schus­ses mit den in § 86 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3 Satz 1 SGB XI genann­ten Par­tei­en der Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on (Lan­des­ver­bän­de der Pfle­ge­kas­sen, Ver­band der pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rer e.V., über­ört­li­che oder ein nach Lan­des­recht bestimm­ter Trä­ger der Sozi­al­hil­fe, Ver­ei­ni­gun­gen der Pfle­ge­heim­trä­ger) als auch eine Iden­ti­tät des Auf­ga­ben­be­reichs des Grund­satz­aus­schus­ses mit dem Auf­ga­ben­be­reich der Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on gemäß § 86 Abs. 3 Satz 1 SGB XI in Ver­bin­dung mit § 87 Satz 1, 3 SGB XI in Bezug auf die Rege­lung des Ver­fah­rens der Ermitt­lung der Leis­tungs­ent­gel­te.

Die Bestim­mung in § 4 Abs. 1 Satz 2 des Heim­ver­trags nimmt Bezug auf die Rege­lun­gen von Leis­tungs­ent­gel­ten "zwi­schen den Heim­trä­ger­ver­bän­den und den öffent­li­chen Leis­tungs- und Kos­ten­trä­gern". Damit besteht sowohl hin­sicht­lich der Par­tei­en der im Heim­ver­trag in Bezug genom­men Rege­lun­gen als auch hin­sicht­lich des in Bezug genom­me­nen Rege­lungs­ge­gen­stands eine Deckungs­gleich­heit mit den Par­tei­en und dem Rege­lungs­auf­trag des Grund­satz­aus­schus­ses "im Sin­ne von § 86 Abs. 3 SGB XI" (vgl. § 22 Abs. 1 des Rah­men­ver­trags). Vor die­sem Hin­ter­grund und ange­sichts des Feh­lens von Rege­lun­gen einer im Heim­ver­trag erwähn­ten Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on ist die For­mu­lie­rung in § 4 Abs. 1 Satz 2 des Heim­ver­trags auf die vom Grund­satz­aus­schuss getrof­fe­nen Rege­lun­gen zum Ver­fah­ren der Leis­tungs­ent­gel­ter­mitt­lung zu bezie­hen und damit auch auf den vor­ge­nann­ten Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 betref­fend Ent­gel­te für Unter­kunft und Ver­pfle­gung für Heim­be­woh­ner mit Son­den­er­näh­rung.

Der Ein­be­zie­hung des Beschlus­ses des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 in den Heim­ver­trag durch § 4 Abs. 1 Satz 2 des Heim­ver­trags steht nicht ent­ge­gen, dass nach § 4 Abs. 2 des Heim­ver­trags das Leis­tungs­ent­gelt in den ein­zel­nen Pfle­ge­stu­fen (ins­be­son­de­re für pfle­ge­be­ding­ten Auf­wand, Unter­kunft und Ver­pfle­gung) in Anla­ge 1 des Ver­trags defi­niert ist und dort kei­ne Anga­ben dazu ent­hal­ten sind, ob und in wel­chem Umfang bei son­den­er­nähr­ten Heim­be­woh­nern die Kos­ten für Unter­kunft und Ver­pfle­gung zu redu­zie­ren sind. Viel­mehr wird aus der For­mu­lie­rung in § 4 Abs. 1 Satz 2 des Heim­ver­trags, wonach sich die Ent­gel­te "grund­sätz­lich" nach den in Bezug genom­me­nen Rege­lun­gen rich­ten, deut­lich, dass letz­te­re (nur) inso­weit gel­ten sol­len, als der Heim­ver­trag selbst kei­ne abwei­chen­den Bestim­mun­gen hin­sicht­lich des Leis­tungs­ent­gelts ent­hält. Eine sol­che (spe­zi­el­le) ergän­zen­de Rege­lung ist bezüg­lich der Anrech­nung von erspar­ten Auf­wen­dun­gen bei son­den­er­nähr­ten Heim­be­woh­nern und der ent­spre­chen­den Redu­zie­rung des Ent­gelts für Unter­kunft und Ver­pfle­gung durch die Bezug­nah­me auf den Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 in § 4 Abs. 1 Satz 2 des Heim­ver­trags getrof­fen wor­den.

Die in § 4 Abs. 1 Satz 2 des Heim­ver­trags in Ver­bin­dung mit dem Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 gere­gel­te nur teil­wei­se Erstat­tung des von der frü­he­ren Klä­ge­rin gezahl­ten Ver­pfle­gungs­ent­gelts steht nicht im Wider­spruch zur bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs 3. Aus der Anwen­dung der dort nie­der­ge­leg­ten Grund­sät­ze ergibt sich im vor­lie­gen­den Fall, wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend erkannt hat, nicht zwin­gend ein voll­stän­di­ger Weg­fall des Ver­pfle­gungs­ent­gelts. Den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs lagen jeweils Fall­kon­stel­la­tio­nen zugrun­de, in denen – anders als hier – weder im Heim­ver­trag noch in den nach den Bestim­mun­gen des Elf­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch geschlos­se­nen Ver­ein­ba­run­gen Rege­lun­gen zur Redu­zie­rung des Hei­ment­gelts bei son­den­er­nähr­ten Heim­be­woh­nern getrof­fen wor­den waren 4. Dem­entspre­chend rich­te­te sich die Anrech­nung erspar­ter Auf­wen­dun­gen aus­schließ­lich nach § 615 Satz 2 BGB. In Anwen­dung die­ser Vor­schrift hat der Bun­des­ge­richts­hof jeweils einen Anspruch des Heim­trä­gers in vol­ler Höhe des Ver­pfle­gungs­ent­gelts ver­neint 5. Dar­aus folgt indes nicht, dass dem Heim­trä­ger in jedem Fall einer Son­den­er­näh­rung und unab­hän­gig sowohl von den heim­ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen als auch von dem Par­tei­vor­trag zu den erspar­ten Auf­wen­dun­gen im Sin­ne von § 615 Satz 2 BGB kein Anspruch auch nur auf einen Teil des Ver­pfle­gungs­ent­gelts zusteht. Dies gilt auch, soweit der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung vom 04.11.2004 den dor­ti­gen Fest­stel­lungs­an­trag für begrün­det erach­tet hat, dass der beklag­te Heim­trä­ger nicht berech­tigt sei, der Klä­ge­rin für die Zeit, in der sie mit Son­den­nah­rung ernährt wer­de, ein Leis­tungs­ent­gelt für die Ver­pfle­gung in Rech­nung zu stel­len.

Die im Heim­ver­trag im Wege der Bezug­nah­me auf den Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 für aus­schließ­lich son­den­er­nähr­te Heim­be­woh­ner vor­ge­se­he­ne Redu­zie­rung der zu zah­len­den Heim­kos­ten um rund ein Drit­tel der Ver­pfle­gungs­kos­ten ist, wie das Beru­fungs­ge­richt eben­falls zu Recht ange­nom­men hat, nicht zu bean­stan­den. Sie ver­stößt weder gegen § 615 Satz 2 BGB noch ist sie unan­ge­mes­sen im Sin­ne von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, § 87 Satz 2 SGB XI, § 5 Abs. 7 HeimG in der bis zum 30.09.2009 gel­ten­den Fas­sung und § 5 Abs. 2 des Wohn- und Teil­ha­be­ge­set­zes Nord­rhein-West­fa­len (WTG NRW).

Die Redu­zie­rung des Ver­pfle­gungs­an­teils bei son­den­er­nähr­ten Heim­be­woh­nern ent­spricht im Grund­satz der in § 615 Satz 2 BGB vor­ge­se­he­nen Anrech­nung erspar­ter Auf­wen­dun­gen. Soweit die heim­ver­trag­li­che Rege­lung nicht indi­vi­du­ell auf die Erspar­nis des jewei­li­gen Heim­be­woh­ners abstellt, son­dern eine pau­scha­lier­te Redu­zie­rung ent­hält, begeg­net dies kei­nen Beden­ken.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann zwar jeder Bewoh­ner erwar­ten, dass er die für sei­ne Per­son not­wen­di­ge Pfle­ge erhält. Hier­mit ist jedoch nicht ver­bun­den, dass das Heim sei­ne Leis­tun­gen ins­ge­samt indi­vi­du­ell abrech­nen müss­te und der ein­zel­ne Bewoh­ner Anpas­sun­gen des ver­ab­re­de­ten Ent­gelts je nach indi­vi­du­el­ler Aus­nut­zung ver­lan­gen könn­te 6. Viel­mehr kann sei­tens des Heims eine in bestimm­tem Maße pau­scha­lier­te Abrech­nung der Leis­tun­gen erfol­gen. Dem­entspre­chend kann grund­sätz­lich auch die Redu­zie­rung eines Ent­gelts wegen feh­len­der Inan­spruch­nah­me einer Leis­tung des Heims durch den Bewoh­ner in pau­scha­lier­ter Wei­se erfol­gen.

Ande­rer­seits darf eine sol­che Pau­scha­lie­rung nicht dazu füh­ren, dass Bewoh­ner, die mit Son­den­nah­rung ver­pflegt wer­den müs­sen, zu einem Soli­dar­aus­gleich für die Ver­gü­tung eines Leis­tungs­be­stand­teils her­an­ge­zo­gen wer­den, den sie auf Grund ihrer per­sön­li­chen Situa­ti­on nicht in Anspruch neh­men kön­nen 7. Das gilt ins­be­son­de­re dann, wenn kal­ku­la­to­ri­sche Grün­de nicht zu einer sol­chen Lösung zwin­gen. Eine so weit­ge­hen­de Pau­scha­lie­rung wird von den Rege­lun­gen des Elf­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch, die gleich­falls den Schutz des Heim­be­woh­ners im Auge haben, nicht gefor­dert 8. In die­sem Zusam­men­hang hat der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Situa­ti­on der Son­den­er­näh­rung von Heim­be­woh­nern dadurch Rech­nung getra­gen wer­den kann, dass für jeden Bewoh­ner durch­schnitt­li­che Lebens­mit­tel­kos­ten kal­ku­liert wer­den. Ein Heim sei ohne wei­te­res in der Lage, die nicht anfal­len­den Sach­kos­ten als erspar­te Auf­wen­dun­gen an den Bewoh­ner wei­ter­zu­ge­ben 9.

Die­sen Grund­sät­zen trägt der in den Heim­ver­trag ein­be­zo­ge­ne Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 hin­rei­chend Rech­nung.

Die dar­in vor­ge­se­he­ne Redu­zie­rung des Hei­ment­gelts um rund ein Drit­tel des Ver­pfle­gungs­an­teils ent­spricht nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts und der dem Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 zugrun­de lie­gen­den Emp­feh­lung sei­nes Arbeits­krei­ses den rei­nen Lebens­mit­tel­kos­ten bezie­hungs­wei­se dem rei­nen Sach­kos­ten­auf­wand bei Bewoh­nern mit nor­ma­ler Ernäh­rung. Die in Bezug auf die Höhe die­ser Lebens­mit­tel­kos­ten sei­tens des Beru­fungs­ge­richts gemäß § 287 ZPO erfolg­te Schät­zung unter­liegt einem wei­ten tatrich­ter­li­chen Ent­schei­dungs­spiel­raum und ist revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Die Beschrän­kung der Redu­zie­rung auf die rei­nen Sach­kos­ten führt nicht zu einem nach den vor­ste­hen­den Grund­sät­zen unzu­läs­si­gen, den son­den­er­nähr­ten Heim­be­woh­nern auf­ge­zwun­ge­nen Soli­dar­aus­gleich für die Ver­gü­tung von Leis­tungs­be­stand­tei­len, die sie auf Grund ihrer per­sön­li­chen Situa­ti­on nicht in Anspruch neh­men kön­nen und die für jeden Bewoh­ner getrennt kal­ku­liert wer­den kön­nen. Das Beru­fungs­ge­richt hat inso­fern zutref­fend auf den umfang­rei­chen, von der Revi­si­on in Tei­len wie­der­ge­ge­be­nen Vor­trag der Beklag­ten ver­wie­sen. Dar­in wird unter Bezug­nah­me auf Anla­ge 1 zu § 7 des Rah­men­ver­trags detail­liert und nach­voll­zieh­bar erläu­tert, dass sich die Erspar­nis des Pfle­ge­heims im Wesent­li­chen auf die rei­nen Lebens­mit­tel­kos­ten beschränkt, weil ins­be­son­de­re für die Vor­hal­tung und Ent­sor­gung der von den Kran­ken­kas­sen finan­zier­ten Son­den­nah­rung nahe­zu die­sel­ben Per­so­nal, Ener­gie- und Raum­kos­ten anfal­len wie für die Ver­pfle­gung von Bewoh­nern, die ihre Nah­rung oral zu sich neh­men. Mit die­sem Vor­trag hat die Heim­be­woh­ne­rin der sie hin­sicht­lich der von ihr erspar­ten Auf­wen­dun­gen tref­fen­den sekun­dä­ren Dar­le­gungs­last genügt 10. Dem ist der – hin­sicht­lich der von der Heim­be­woh­ne­rin erspar­ten Auf­wen­dun­gen dar­le­gungs- und beweis­pflich­ti­ge – Heim­be­trei­ber vor­lie­gend nicht kon­kret ent­ge­gen­ge­tre­ten.

Ist somit grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass die Heim­be­trei­be­rin jen­seits der rei­nen Sach­kos­ten bei der Son­den­er­näh­rung von Heim­be­woh­nern kei­ne wesent­li­chen, kal­ku­la­to­risch trenn­ba­ren Auf­wen­dun­gen erspart, so gilt vor­lie­gend nicht des­halb etwas ande­res, weil der Heim­be­woh­ner die Son­den­nah­rung bestellt, gela­gert und die ver­brauch­ten Ver­pa­ckun­gen und Über­leit­sys­te­me ent­sorgt hat. Inso­weit ist auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu ver­wei­sen, nach der das Heim sei­ne Leis­tun­gen nicht ins­ge­samt indi­vi­du­ell abrech­nen muss und der ein­zel­ne Bewoh­ner Anpas­sun­gen des ver­ab­re­de­ten Ent­gelts je nach indi­vi­du­el­ler Aus­nut­zung nicht ver­lan­gen kann 6.

Aus den vor­ste­hend genann­ten Grün­den ist die im Heim­ver­trag vor­ge­se­he­ne Redu­zie­rung des Hei­ment­gelts um rund ein Drit­tel des Ver­pfle­gungs­ent­gelts auch ange­mes­sen im Sin­ne von § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB, § 87 Satz 2 SGB XI, § 5 Abs. 7 HeimG a.F. und § 5 Abs. 2 WTG NRW.

Zudem ist bei einer an dem Maß­stab der Ange­mes­sen­heit des Leis­tungs­ent­gelts aus­ge­rich­te­ten Über­prü­fung des von der Beklag­ten berech­ne­ten Ver­pfle­gungs­an­teils zu berück­sich­ti­gen, dass der Gesetz­ge­ber durch die Aus­ge­stal­tung des Rechts der Leis­tungs­er­brin­gung und Ver­gü­tung in den Bestim­mun­gen des Elf­ten Buchs Sozi­al­ge­setz­buch selbst Vor­keh­run­gen zum Schutz der Heim­be­woh­ner getrof­fen hat 11. Er hat ein auf Ver­ein­ba­run­gen grün­den­des Sys­tem geschaf­fen, in dem die Pfle­ge­kas­sen und übri­gen Kos­ten­trä­ger als Sach­wal­ter im Inter­es­se der Heim­be­woh­ner ange­mes­se­ne Ent­gel­te für Unter­kunft und Ver­pfle­gung aus­han­deln 12. Bei der Beur­tei­lung einer die Ange­mes­sen­heit des Leis­tungs­ent­gelts betref­fen­den Fra­ge ist mit­hin zu beach­ten, ob sie in den vom Elf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch vor­ge­se­he­nen Rah­men­ver­trä­gen oder Ver­gü­tungs­ver­trä­gen eine posi­ti­ve Rege­lung erfah­ren hat 13.

Vor­lie­gend han­delt es sich bei dem im Heim­ver­trag in Bezug genom­me­nen Beschluss des Grund­satz­aus­schus­ses vom 23.08.2004 um die Ent­schei­dung eines auf­grund eines Rah­men­ver­trags nach § 75 Abs. 1 SGB XI ein­ge­rich­te­ten Gre­mi­ums, in dem die Pfle­ge­kas­sen und übri­gen Kos­ten­trä­ger eben­so ver­tre­ten waren wie in einer Pfle­ge­satz­kom­mis­si­on gemäß § 86 Abs. 1, 3 SGB XI. Bei der Beschluss­fas­sung nah­men sie eine ver­gleich­ba­re Sach­wal­ter­stel­lung wahr wie bei einer Ver­ein­ba­rung gemäß § 87 Satz 3 in Ver­bin­dung mit § 86 Abs. 3 Satz 1 SGB XI. Dar­über hin­aus stimmt der Inhalt des Beschlus­ses vom 23.08.2004 zur Redu­zie­rung des Hei­ment­gelts bei son­den­er­nähr­ten Bewoh­nern über­ein mit den ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen in § 2 Abs. 2 Satz 2 der von der Beklag­ten mit den Pfle­ge­kas­sen und Sozi­al­hil­fe­trä­gern – als Sach­wal­ter der Heim­be­woh­ner – geschlos­se­nen Ver­ein­ba­run­gen gemäß §§ 85, 87 SGB XI vom 31.01.2007 und 30.05.2008. Eine Unan­ge­mes­sen­heit von Rege­lun­gen die­ser Art, bei deren Zustan­de­kom­men zum Schutz der Heim­be­woh­ner die Pfle­ge­kas­sen und Sozi­al­hil­fe­trä­ger mit­ge­wirkt haben, wird allen­falls dann in Betracht kom­men, wenn hier­für deut­li­che Anhalts­punk­te bestehen. Dies ist indes – wie aus­ge­führt – vor­lie­gend nicht der Fall.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Febru­ar 2014 – III ZR 187/​13

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urtei­le vom 22.01.2004 – III ZR 68/​03, BGHZ 157, 309; vom 04.11.2004 – III ZR 371/​03, NJW 2005, 824; und vom 13.12 2007 – III ZR 172/​07, NJW 2008, 653[]
  2. vgl. dem­ge­gen­über für Bay­ern den in dem Urteil des OLG Bam­berg vom 17.02.2006 – 6 U 22/​05, juris Rn.19 zitier­ten Beschluss der Lan­des­pfle­ge­satz­kom­mis­si­on Bay­ern vom 09.03.2004, nach dem im Fall der Son­den­er­näh­rung ein Min­de­rungs­an­spruch in Höhe des ein­rich­tungs­in­di­vi­du­el­len Roh­ver­pfle­gungs­sat­zes gerecht­fer­tigt ist[]
  3. BGH, Urtei­le vom 22.01.2004 – III ZR 68/​03, BGHZ 157, 309; vom 04.11.2004 – III ZR 371/​03, NJW 2005, 824; und vom 13.12 2007 – III ZR 172/​07, NJW 2008, 653[]
  4. BGH, Urtei­le vom 22.01.2004 aaO S. 317 ff; vom 04.11.2004 aaO S. 825; und vom 13.12 2007 Rn. 5[]
  5. BGH, Urtei­le vom 22.01.2004 aaO S. 320 ff; vom 04.11.2004 aaO S. 826; und vom 13.12 2007 Rn. 6[]
  6. BGH, Urteil vom 04.11.2004 aaO S. 826[][]
  7. BGH, Urtei­le vom 04.11.2004 aaO; sowie vom 13.12 2007 aaO Rn. 6[]
  8. BGH, Urtei­le vom 04.11.2004; und vom 13.12 2007, jeweils aaO[]
  9. BGH, Urteil vom 04.11.2004 aaO[]
  10. vgl. zur Dar­le­gungs­last im Rah­men von § 324 Abs. 1 Satz 2 BGB a.F.: BGH, Urteil vom 17.02.2004 – X ZR 108/​02, NJW-RR 2004, 989, 990[]
  11. BGH, Urteil vom 22.01.2004 aaO S. 321[]
  12. BGH, Urtei­le vom 08.11.2001 aaO S. 157; vom 22.01.2004 aaO S. 319 f; und vom 03.02.2005 – III ZR 411/​04, NJW-RR 2005, 777, 779 unter Hin­weis auf den Ent­wurf eines Pfle­ge-Ver­si­che­rungs­ge­set­zes, BT-Drs. 12/​5262 S. 147, 168[]
  13. vgl. BGH, Urteil vom 22.01.2004 aaO[]