Höchst­al­ters­gren­ze für Nota­re

Die Rege­lung in § 48a BNo­tO, in der die Alters­gren­ze für Notar auf deren sieb­zigs­ten Geburts­tag fest­ge­legt wird, steht im Ein­klang mit euro­pa­recht­li­chen Vor­ga­ben. Sie ver­stößt nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs ins­be­son­de­re nicht gegen das – einen all­ge­mei­nen Grund­satz des Uni­ons­rechts dar­stel­len­de und durch die Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf kon­kre­ti­sier­te – Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des Alters 1.

Höchst­al­ters­gren­ze für Nota­re

Die durch § 48 a BNo­tO bewirk­te unglei­che Behand­lung wegen des Alters ist nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs gemäß Art. 6 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie zuläs­sig, denn sie ver­folgt das legi­ti­me sozi­al­po­li­ti­sche Ziel, die Berufs­chan­cen zwi­schen den Genera­tio­nen gerecht zu ver­tei­len 2. Sie ist zur Errei­chung die­ses Ziels erfor­der­lich und ange­mes­sen, denn ohne die gesetz­li­che Alters­gren­ze wäre für die Beset­zung der nur in begrenz­ter Zahl zur Ver­fü­gung ste­hen­den Stel­len (§ 4 Satz 1 BNo­tO) nicht mit der erfor­der­li­chen Vor­her­seh­bar­keit und Plan­bar­keit gewähr­leis­tet, dass lebens­äl­te­re Nota­re die ihnen zuge­wie­se­nen Stel­len für lebens­jün­ge­re Bewer­ber frei­ma­chen 3.

Im Übri­gen ist eine ver­gleich­ba­re Situa­ti­on auch in ande­ren Beru­fen, für deren Aus­übung eine Stel­le zuge­wie­sen wer­den muss, gege­ben.

Bei­spiels­wei­se wird einem Hoch­schul­leh­rer zuge­mu­tet, bei Errei­chen der Alters­gren­ze mit 65 Jah­ren bei einer Ver­län­ge­rungs­mög­lich­keit bis zum 68. Lebens­jahr den Lehr­stuhl für einen jün­ge­ren Bewer­ber zur Ver­fü­gung zu stel­len.

Dass dies für die Anwalt­schaft nicht gilt, ist dar­in begrün­det, dass ein Rechts­an­walt frei­be­ruf­lich tätig ist und inso­weit dem Kon­kur­renz­druck jün­ge­rer neu zuge­las­se­ner Anwäl­te in ande­rer Wei­se aus­ge­setzt ist als ein Notar.

Mit der Ein­füh­rung der Höchst­al­ters­gren­ze hat der Gesetz­ge­ber nicht Beden­ken gegen die Leis­tungs­fä­hig­keit von über 70 Jah­re alten Nota­ren Rech­nung getra­gen, son­dern eine geord­ne­te Alters­struk­tur inner­halb des Notar­be­rufs errei­chen wol­len. Die­ses Ziel wird auch in § 4 Satz 2 BNo­tO zum Aus­druck gebracht 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Novem­ber 2013 – NotZ (Brfg) 8/​13

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 22.03.2010 – NotZ 16/​09, BGHZ 185, 30 Rn. 22 ff.; und vom 23.07.2012 – NotZ(Brfg) 15/​11, DNotZ 2013, 76 Rn. 8; BVerfG, NJW 2011, 1131[]
  2. vgl. EuGH, Urteil vom 06.12.2012- C‑152/​11 [Odar], NJW 2013, 587 Rn. 47 zu dem wei­ten Spiel­raum des natio­na­len Gesetz­ge­bers bei der Fest­le­gung geeig­ne­ter Maß­nah­men nach Art. 1 Abs. 1 Satz 1 der Richt­li­nie 2000/​78/​EG[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 22.03.2010 – NotZ 16/​09, aaO Rn. 28 f.; und vom 23.07.2012 – NotZ(Brfg) 15/​11, aaO Rn. 8; BVerfG DNotZ 1993, 260; BVerfG NJW 2011, 1131 Rn. 12 f.[]
  4. BT-Drucks. 11/​8307 S. 17, 18; vgl. auch BVerfG, DNotZ 1993, 260 unter 2.; BGH,, Beschluss vom 31.07.2000 – NotZ 12/​00, ZNotP 2000, 398 Rn. 13[]