Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge

Die Gewähr­leis­tung der Bau­si­cher­heit dient im Sin­ne von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG dem Erfor­der­nis der öffent­li­chen Sicher­heit. Sie ist ein legi­ti­mes Ziel, das für Prüf­sach­ver­stän­di­ge für tech­ni­sche Anla­gen und Ein­rich­tun­gen in Gebäu­den eine Ungleich­be­hand­lung wegen des Alters durch Fest­set­zung einer gene­rel­len Höchst­al­ters­gren­ze von 70 Jah­ren recht­fer­ti­gen kann.

Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge

Die Hes­si­sche Ver­ord­nung über Prüf­be­rech­tig­te und Prüf­sach­ver­stän­di­ge nach der Hes­si­schen Bau­ord­nung (HPPVO) sah in ihrer ursprüng­li­chen Fas­sung vom 18.12 2006 in § 7 Abs. 1 Nr. 2 vor, dass die Aner­ken­nung als Prüf­sach­ver­stän­di­ger erlischt, wenn die prüf­sach­ver­stän­di­ge Per­son das 68. Lebens­jahr voll­endet hat. Durch Art. 3 Nr. 6 Buchst. a Dop­pel­buchst. aa der Ver­ord­nung zur Ände­rung bau­ord­nungs­recht­li­cher Rechts­vor­schrif­ten vom 24.11.2010 wur­de die­se Alters­gren­ze auf 70 Jah­re her­auf­ge­setzt. Die Gel­tungs­dau­er der Ver­ord­nung war ursprüng­lich bis zum 31.12 2012 befris­tet (§ 45 Satz 2 HPPVO); sie wur­de durch Art. 6 Nr. 9 der am 27.11.2012 bekannt gemach­ten Ver­ord­nung zur Ent­fris­tung, Ver­län­ge­rung der Gel­tungs­dau­er und Ände­rung befris­te­ter Rechts­vor­schrif­ten im Geschäfts­be­reich des Minis­te­ri­ums für Wirt­schaft, Ver­kehr und Lan­des­ent­wick­lung vom 13.11.2012 bis zum 31.12 2015 ver­län­gert.

Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat die­se Vor­schrift in einem Nor­men­kon­troll­an­trag nicht bean­stan­det 1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te dies nun und ver­nein­te eben­falls eine Ver­let­zung von Bun­des­recht oder Euro­päi­schen Uni­ons­recht. Die in § 7 Abs. 1 Nr. 2 HPPVO fest­ge­leg­te Alters­gren­ze stellt zwar eine unmit­tel­ba­re Benach­tei­li­gung wegen des Alters im Sin­ne des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) 2 dar. Sie ist jedoch durch den Sicher­heits­vor­be­halt des Art. 2 Abs. 5 der Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Euro­päi­schen Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf 3 gerecht­fer­tigt.

Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz ist auf Prüf­sach­ver­stän­di­ge für tech­ni­sche Anla­gen und Ein­rich­tun­gen in Gebäu­den nach der Hes­si­schen Bau­ord­nung anwend­bar. Die in § 7 Abs. 1 Nr. 2 HPPVO fest­ge­leg­te Alters­gren­ze stellt im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 1 AGG eine Bedin­gung für den Zugang zu einer selbst­stän­di­gen Erwerbs­tä­tig­keit dar. Das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz, das der Umset­zung der RL 2000/​78/​EG dient, ist im Lich­te die­ser uni­ons­recht­li­chen Rege­lung aus­zu­le­gen. Danach wird der Zugang zu einer selbst­stän­di­gen Erwerbs­tä­tig­keit bereits dann beschränkt, wenn die Alters­gren­ze geeig­net ist, die Nach­fra­ge nach der vom Antrag­stel­ler ange­bo­te­nen Dienst­leis­tung tat­säch­lich zu beschrän­ken 4. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier vor.

Die Tätig­keit des Prüf­sach­ver­stän­di­gen für tech­ni­sche Anla­gen und Ein­rich­tun­gen in Gebäu­den stellt eine selbst­stän­di­ge Erwerbs­tä­tig­keit dar. Prüf­sach­ver­stän­di­ge sind im Rah­men der ihnen oblie­gen­den Pflich­ten unab­hän­gig und an Wei­sun­gen der Auf­trag­ge­be­rin oder des Auf­trag­ge­bers nicht gebun­den (§ 2 Abs. 2 Satz 2 HPPVO); sie sind eigen­ver­ant­wort­lich und unab­hän­gig tätig (§ 4 Satz 1 Nr. 3 HPPVO). Ihre Auf­ga­be ist es, nach selbst durch­ge­führ­ter Prü­fung die Über­ein­stim­mung der zu prü­fen­den tech­ni­schen Anla­gen und Ein­rich­tun­gen mit den bau­ord­nungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen zu beschei­ni­gen (§ 22 Abs. 1 Satz 1 HPPVO). Die Alters­gren­ze stellt eine Bedin­gung für den Zugang zu die­ser Tätig­keit dar. Das Erlö­schen der Aner­ken­nung als Prüf­sach­ver­stän­di­ger mit Voll­endung des 70. Lebens­jah­res been­det die Mög­lich­keit des Antrag­stel­lers, die in der Hes­si­schen Bau­ord­nung für Prüf­sach­ver­stän­di­ge für tech­ni­sche Anla­gen und Ein­rich­tun­gen in Gebäu­den vor­ge­se­he­nen Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men.

In der Alters­gren­ze des § 7 Abs. 1 Nr. 2 HPPVO liegt eine unmit­tel­ba­re Benach­tei­li­gung wegen des Alters im Sin­ne des § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG. Die­se Benach­tei­li­gung ist nach § 6 Abs. 3, § 7 Abs. 1 Halbs. 1 AGG grund­sätz­lich unzu­läs­sig. Sie wird nicht durch § 8 Abs. 1 AGG legi­ti­miert, weil an die Tätig­keit des Prüf­sach­ver­stän­di­gen kei­ne Anfor­de­run­gen gestellt sind, die für die­se Tätig­keit nach ihrer Art wesent­lich und ent­schei­dend sind und die im Zusam­men­hang mit dem Lebens­al­ter ste­hen 5. Eben­so wenig ver­mag § 10 Satz 1 AGG die Benach­tei­li­gung wegen des Alters zu recht­fer­ti­gen. Denn die ange­grif­fe­ne Rege­lung dient kei­nem sozi­al­po­li­ti­schen Ziel, das die Ungleich­be­hand­lung legi­ti­mie­ren könn­te 6.

Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist aber zu Recht zu dem Schluss gelangt, dass die in Rede ste­hen­de gene­rel­le Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge für tech­ni­sche Anla­gen und Ein­rich­tun­gen in Gebäu­den in den vom Antrag­stel­ler aus­ge­üb­ten Fach­rich­tun­gen durch den Sicher­heits­vor­be­halt des Art. 2 Abs. 5 RL 2000/​78/​EG gerecht­fer­tigt ist. Hier­nach berührt die­se Richt­li­nie nicht die im ein­zel­staat­li­chen Recht vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men, die in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft für die Gewähr­leis­tung der öffent­li­chen Sicher­heit, die Ver­tei­di­gung der Ord­nung und die Ver­hü­tung von Straf­ta­ten, zum Schutz der Gesund­heit und zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten ande­rer not­wen­dig sind. Mit die­sem Sicher­heits­vor­be­halt woll­te der Uni­ons­ge­setz­ge­ber auf dem Gebiet von Beschäf­ti­gung und Beruf dem Ent­ste­hen eines Span­nungs­fel­des zwi­schen dem Grund­satz der Gleich­be­hand­lung zum einen und der not­wen­di­gen Gewähr­leis­tung der öffent­li­chen Ord­nung, Sicher­heit und Gesund­heit, der Ver­hü­tung von Rechts­ver­stö­ßen sowie dem Schutz der indi­vi­du­el­len Rech­te und Frei­hei­ten, die für das Funk­tio­nie­ren einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft uner­läss­lich sind, zum ande­ren vor­beu­gen und ver­mit­telnd ein­grei­fen 7. Der Sicher­heits­vor­be­halt ist eng aus­zu­le­gen, weil er eine Abwei­chung vom Grund­satz des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots begrün­det 8. Der Bun­des­ge­setz­ge­ber hat den Sicher­heits­vor­be­halt zwar nicht aus­drück­lich in das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz auf­ge­nom­men, auf ihn aber auch nicht bewusst ver­zich­tet, so dass das Schwei­gen des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes ander­wei­ti­gen Rege­lun­gen des inner­staat­li­chen Rechts außer­halb die­ses Geset­zes nicht ent­ge­gen­steht 9.

Die zur Kon­trol­le gestell­te Höchst­al­ters­gren­ze dient Sicher­heits­be­lan­gen im Sin­ne von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG. Zwar lässt sich weder dem Text der ange­grif­fe­nen Rege­lung noch ihrer Begrün­dung das mit der Höchst­al­ters­gren­ze ver­folg­te Ziel hin­rei­chend deut­lich ent­neh­men. Der all­ge­mei­ne Kon­text der Rege­lung sowie das Vor­brin­gen des Antrags­geg­ners im gericht­li­chen Ver­fah­ren ermög­li­chen jedoch die Fest­stel­lung des mit der Maß­nah­me ver­folg­ten Zie­les; dar­auf kann bei der Anwen­dung der Richt­li­nie zurück­ge­grif­fen wer­den 10. Nach dem Vor­brin­gen des Antrags­geg­ners sowie dem bau­ord­nungs­recht­li­chen Kon­text der Rege­lung dient die gene­rel­le Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge für tech­ni­sche Anla­gen und Ein­rich­tun­gen in Gebäu­den der Gebäu­de­si­cher­heit dem Schutz von Leben und Gesund­heit der Gebäu­de­nut­zer und der All­ge­mein­heit (Bau­si­cher­heit). Mit der Ein­füh­rung von Prüf­sach­ver­stän­di­gen in das hes­si­sche Bau­ord­nungs­recht tritt deren pri­vat­recht­li­che Tätig­keit in den ihnen zuge­wie­se­nen Berei­chen an die Stel­le der her­kömm­li­chen Auf­ga­ben­er­fül­lung durch die Bau­auf­sichts­be­hör­de. Die Bau­si­cher­heit als Bestand­teil der öffent­li­chen Sicher­heit ist ein legi­ti­mes Ziel im Sin­ne des Sicher­heits­vor­be­halts des Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG.

Die Alters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge ist zur Gewähr­leis­tung der öffent­li­chen Sicher­heit im Sin­ne des Art. 2 Abs. 5 RL 2000/​78/​EG not­wen­dig. Der vom Antrag­stel­ler ange­reg­ten Ein­ho­lung einer Vor­ab­ent­schei­dung durch den Euro­päi­schen Gerichts­hof zu der Fra­ge, ob eine star­re Alters­gren­ze als not­wen­di­ge Maß­nah­me im Rah­men von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG gel­ten kön­ne, bedurf­te es nicht. Die Vor­la­ge­pflicht eines letzt­in­stanz­lich ent­schei­den­den natio­na­len Gerichts nach Art. 267 Abs. 3 AEUV greift nicht ein, wenn eine Aus­le­gungs­fra­ge des Uni­ons­rechts nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich ist, bereits Gegen­stand einer Aus­le­gung durch den Gerichts­hof war oder wenn die rich­ti­ge Anwen­dung des Gemein­schafts­rechts der­art offen­kun­dig ist, dass für einen ver­nünf­ti­gen Zwei­fel kein Raum bleibt 11. Danach ist eine Vor­la­ge gemäß Art. 267 Abs. 3 AEUV hier nicht gebo­ten. In der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs ist aner­kannt, dass ein Mit­glied­staat unter Berück­sich­ti­gung des ihm zuste­hen­den Wer­tungs­spiel­raums im Rah­men von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG die Fest­le­gung einer Alters­gren­ze für erfor­der­lich hal­ten darf 12. Abge­se­hen davon betrifft die hier zu beur­tei­len­de Fra­ge, ob die in § 7 Abs. 1 Nr. 2 HPPVO für Prüf­sach­ver­stän­di­ge fest­ge­leg­te Alters­gren­ze eine not­wen­di­ge Maß­nah­me im Sin­ne von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG dar­stellt, nicht die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts, son­dern sei­ne Anwen­dung im kon­kre­ten Ein­zel­fall.

Eine Maß­nah­me ist im Sin­ne von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG not­wen­dig, wenn sie zur Ver­fol­gung eines legi­ti­men Zie­les geeig­net, erfor­der­lich und ange­mes­sen ist und mit dem Kohä­renz­ge­bot in Ein­klang steht. Das ist hier der Fall. Die Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge ist geeig­net, zur Bau­si­cher­heit bei­zu­tra­gen. Wie der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zu Recht aus­ge­führt hat, wer­den durch eine Alters­gren­ze wirk­sam Risi­ken aus­ge­schlos­sen, die dar­auf beru­hen, dass einem bestimm­ten Per­so­nen­kreis alters­be­dingt nicht mehr voll leis­tungs­fä­hi­ger Prüf­sach­ver­stän­di­ger Feh­ler bei der Aus­übung der Prüf­tä­tig­keit unter­lau­fen. Die Höchst­al­ters­gren­ze ist zur För­de­rung der Bau­si­cher­heit auch erfor­der­lich. Die vom Antrag­stel­ler ange­führ­te indi­vi­du­el­le Über­prü­fung der Leis­tungs­fä­hig­keit des jewei­li­gen Prüf­sach­ver­stän­di­gen wäre zwar ein mil­de­res Mit­tel, das dem indi­vi­du­el­len Leis­tungs­ver­mö­gen des Betrof­fe­nen Rech­nung tra­gen könn­te. Der Antrag­stel­ler weist auch zu Recht dar­auf hin, dass der mit einer Ein­zel­fall­prü­fung ver­bun­de­ne erhöh­te Ver­wal­tungs­auf­wand die unter­schied­li­che Behand­lung wegen des Alters nicht recht­fer­ti­gen könn­te 13. Die indi­vi­du­el­le Über­prü­fung der Leis­tungs­fä­hig­keit wäre aller­dings nicht glei­cher­ma­ßen wie eine Höchst­al­ters­gren­ze geeig­net, zur Bau­si­cher­heit bei­zu­tra­gen, weil sie zu spät käme. Eine alters­be­dingt nicht mehr aus­rei­chen­de Leis­tungs­fä­hig­keit wür­de erst fest­ge­stellt wer­den, wenn sie bereits ein­ge­schränkt ist. Die Aner­ken­nung als Prüf­sach­ver­stän­di­ger bestün­de fort, bis bei der nächs­ten Über­prü­fung etwai­ge Män­gel offen­bar wür­den 14. Die Höchst­al­ters­gren­ze von 70 Jah­ren ist zur Ver­fol­gung des Zie­les der Bau­si­cher­heit schließ­lich auch nicht unan­ge­mes­sen. Die Bau­si­cher­heit dient dem Schutz wich­ti­ger Rechts­gü­ter wie Leben und Gesund­heit. Es ist nicht zu bean­stan­den, wenn der Norm­ge­ber die­sem Schutz­ziel Vor­rang vor dem Inter­es­se an einer wei­te­ren Tätig­keit von Prüf­sach­ver­stän­di­gen jen­seits der Alters­gren­ze ein­ge­räumt hat. Die Alters­gren­ze von 70 Jah­ren ist ohne­hin höher als die meis­ten für ande­re beruf­li­che Tätig­kei­ten sonst gel­ten­den Alters­gren­zen. Sie liegt sogar höher als die Alters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge in ande­ren Län­dern sowie für Per­so­nen, die ver­gleich­ba­re Auf­ga­ben etwa in staat­li­chen Prüf­be­hör­den wahr­neh­men.

§ 7 Abs. 1 Nr. 2 HPPVO ver­stößt nicht gegen das Kohä­renz­ge­bot. Nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs ist eine Rege­lung nur dann geeig­net, die Ver­wirk­li­chung des gel­tend gemach­ten Ziels zu gewähr­leis­ten, wenn sie tat­säch­lich dem Anlie­gen gerecht wird, es in kohä­ren­ter und sys­te­ma­ti­scher Wei­se zu ver­wirk­li­chen 15. Die ange­grif­fe­ne Rege­lung genügt die­sen Anfor­de­run­gen. Das mit der Höchst­al­ters­gren­ze ver­folg­te Ziel der Bau­si­cher­heit wird durch die in § 9 Abs. 2 und 3 HPPVO getrof­fe­ne Rege­lung nicht beein­träch­tigt. Danach kön­nen Per­so­nen aus ande­ren Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on bei Gleich­wer­tig­keit ihrer Berech­ti­gung unter näher bezeich­ne­ten Vor­aus­set­zun­gen auch in Hes­sen als Prüf­sach­ver­stän­di­ge tätig sein, ohne dass die Hes­si­sche Prüf­be­rech­tig­ten- und Prüf­sach­ver­stän­di­gen­ver­ord­nung eine aus­drück­li­che Alters­gren­ze für die­sen Per­so­nen­kreis vor­sieht. Es ist jedoch in der Recht­spre­chung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs geklärt, dass § 7 Abs. 1 Nr. 2 HPPVO auch die­sem Per­so­nen­kreis eine Tätig­keit als Prüf­sach­ver­stän­di­ger nach Voll­endung des 70. Lebens­jah­res ver­wehrt 16. Eben­so wenig läuft § 9 Abs. 1 Satz 2 HPPVO dem mit der Höchst­al­ters­gren­ze ver­folg­ten Ziel der Bau­si­cher­heit zuwi­der. Danach gel­ten Aner­ken­nun­gen von natür­li­chen Per­so­nen in ande­ren Län­dern auch in Hes­sen. Der Antrags­geg­ner hat zutref­fend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass in kei­nem der ande­ren Län­der, die bau­auf­sicht­li­che Auf­ga­ben auf Prüf­sach­ver­stän­di­ge über­tra­gen haben, eine höhe­re Alters­gren­ze als das 70. Lebens­jahr vor­ge­se­hen ist; viel­mehr erlischt die Aner­ken­nung als Prüf­sach­ver­stän­di­ger in allen ande­ren Län­dern bereits mit der Voll­endung des 68. Lebens­jah­res. Das gilt seit dem 1.12 2014 auch im Land Sach­sen-Anhalt, das die frü­her dort gel­ten­de Höchst­al­ters­gren­ze von 70 Jah­ren eben­falls auf 68 Jah­re her­ab­ge­setzt hat (§ 7 Abs. 1 Nr. 2 der Ver­ord­nung über Prüf­in­ge­nieu­re und Prüf­sach­ver­stän­di­ge vom 25.11.2014, GVBl. LSA S. 476).

Die Höchst­al­ters­gren­ze stellt kei­ne unzu­läs­si­ge Beein­träch­ti­gung der Berufs­frei­heit gemäß Art. 12 Abs. 1 GG dar. Sie fin­det ihre gesetz­li­che Grund­la­ge in § 80 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 und Satz 2 i.V.m. Abs. 4 Satz 3 Nr. 8 der Hes­si­schen Bau­ord­nung i.d.F. vom 18.06.2002 17, geän­dert durch Gesetz vom 28.09.2005 18. Der in der Alters­gren­ze lie­gen­de Ein­griff in die Berufs­frei­heit ist aus den­sel­ben Erwä­gun­gen gerecht­fer­tigt, die die Ungleich­be­hand­lung wegen des Alters im Rah­men von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG legi­ti­mie­ren.

Die Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge ver­stößt auch nicht gegen den all­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 GG. Die Ungleich­be­hand­lung wegen des Alters ist aus den dar­ge­leg­ten Grün­den sach­lich gerecht­fer­tigt. Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist ohne Ver­stoß gegen Bun­des­recht davon aus­ge­gan­gen, dass der Norm­ge­ber in zuläs­si­ger Wei­se das Aus­maß des jewei­li­gen Gefah­ren­po­ten­zi­als von älte­ren Prüf­sach­ver­stän­di­gen gegen­über Prüf­sach­ver­stän­di­gen, die die Alters­gren­ze noch nicht erreicht haben, gene­ra­li­sie­rend unter­schied­lich bewer­ten durf­te.

Das in Art. 21 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on (GRC) ver­an­ker­te Ver­bot der Alters­dis­kri­mi­nie­rung ist eben­falls nicht ver­letzt. Es wird durch die RL 2000/​78/​EG kon­kre­ti­siert 19. Die Legi­ti­mie­rung der Ungleich­be­hand­lung wegen des Alters gemäß Art. 21 Abs. 1 GRC stellt des­halb kei­ne ande­ren Anfor­de­run­gen als die­je­ni­gen, die auch im Rah­men von Art. 2 Abs. 5 der RL 2000/​78/​EG zu berück­sich­ti­gen sind.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Janu­ar 2015 – 10 CN 1.2014 -

  1. Hess. VGH, Urteil vom 07.08.2013 – 7 C 897/​13.N[]
  2. vom 14.08.2006, BGBl. I S. 1897, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 03.04.2013, BGBl. I S. 610[]
  3. ABl. L 303 S. 16[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 01.02.2012 – 8 C 24.11, BVerw­GE 141, 385 Rn. 12; EuGH, Urteil vom 12.01.2010 – C‑341/​08, Dome­ni­ca Peter­sen, Slg. 2010, I‑47 Rn. 33[]
  5. vgl. BVerwG, Urteil vom 01.02.2012 – 8 C 24.11, BVerw­GE 141, 385 Rn.19[]
  6. vgl. BVerwG, Urteil vom 01.02.2012 – 8 C 24.11, BVerw­GE 141, 385 Rn. 16[]
  7. EuGH, Urteil vom 13.09.2011 – C‑447/​09, Prig­ge, Slg. 2011, I‑8003 Rn. 55; BVerwG, Urteil vom 01.02.2012 – 8 C 24.11, BVerw­GE 141, 385 Rn. 23[]
  8. EuGH, Urtei­le vom 12.01.2010 – C‑341/​08, Dome­ni­ca Peter­sen, Slg. 2010, I‑47 Rn. 60; und vom 13.09.2011 – C‑447/​09, Prig­ge, Slg. 2011, I‑8003 Rn. 56; BVerwG, Urteil vom 01.02.2012 – 8 C 24.11, BVerw­GE 141, 385 Rn. 23[]
  9. vgl. BVerwG, Urteil vom 01.02.2012 – 8 C 24.11, BVerw­GE 141, 385 Rn. 24 f.[]
  10. vgl. EuGH, Urtei­le vom 12.01.2010 – C‑341/​08, Dome­ni­ca Peter­sen, Slg. 2010, I‑47 Rn. 40; vom 21.07.2011 – C‑159/​10 und – C‑160/​10, Fuchs und Köh­ler, Slg. 2011; I‑6919 Rn. 39[]
  11. EuGH, Urteil vom 06.10.1982 – C-283/​81, C.I.L.F.I.T., Slg. 1982, I‑3415 Rn. 21[]
  12. vgl. EuGH, Urteil vom 12.01.2010 – C‑341/​08, Dome­ni­ca Peter­sen, Slg. 2010, I‑47 Rn. 52[]
  13. BVerwG, Urteil vom 01.02.2012 – 8 C 24.11, BVerw­GE 141, 385 Rn. 22[]
  14. vgl. BVerwG, Urteil vom 26.01.2011 – 8 C 46.09, BVerw­GE 139, 1 Rn. 37[]
  15. vgl. EuGH, Urtei­le vom 12.01.2010 – C‑341/​08, Dome­ni­ca Peter­sen, Slg. 2010, I‑47 Rn. 53; vom 21.07.2011 – C‑159/​10 und – C‑160/​10, Fuchs und Köh­ler, Slg. 2011, I‑6919 Rn. 85; BVerwG, Urteil vom 26.01.2011 – 8 C 46.09, BVerw­GE 139, 1 Rn. 35[]
  16. Hess. VGH, Beschluss vom 26.02.2013 – 7 A 1644/​12.Z – GewArch 2013, 251 Rn. 42[]
  17. GVBl. I S. 274[]
  18. GVBl. I S. 662[]
  19. EuGH, Urteil vom 26.09.2013 – C‑476/​11, EuZW 2013, 951 Rn. 31[]