Holz­lie­fer­ver­trä­ge – und das euro­päi­sche Bei­hil­fe­recht

Die Holz­lie­fer­ver­trä­ge, die das Land Nord­rhein-West­fa­len nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007 abge­schlos­sen hat­te, sind ins­ge­samt unwirk­sam, weil sie gegen das euro­päi­sche Bei­hil­fe­recht ver­sto­ßen.

Holz­lie­fer­ver­trä­ge – und das euro­päi­sche Bei­hil­fe­recht

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Beru­fung einer Säge­werks­be­trei­be­rin auf Scha­dens­er­satz zurück­ge­wie­sen und damit gleich­zei­tig das vor­her­ge­hen­de Urteil des Land­ge­richts Müns­ter 1 bestä­tigt. Geklagt hat­te die frü­he­re Betrei­be­rin eines Säge­werks im nie­der­säch­si­schen Ade­leb­sen, die zu einem der größ­ten Säge­in­dus­trie­un­ter­neh­men in Euro­pa gehört. Nach dem Orkan Kyrill im Jahr 2007 hat­te das beklag­te Land unter ande­rem mit der kla­gen­den Betrei­be­rin Holz­lie­fer­ver­trä­ge abge­schlos­sen. Nun ver­langt die­se vom beklag­ten Land in der Haupt­sa­che Scha­dens­er­satz von 54 Mil­lio­nen Euro, die Nach­lie­fe­rung von jetzt 2,5 Mil­lio­nen Fest­me­tern Fich­ten­stamm­holz sowie Aus­kunft zu finan­zi­el­len Kon­di­tio­nen aus Ver­trags­ver­hält­nis­sen zu Drit­ten. Nach Mei­nung des beklag­ten Lan­des ste­he das Uni­ons­recht einer Durch­füh­rung der strei­ti­gen Ver­trä­ge ent­ge­gen, da die­se "staat­li­che Bei­hil­fen" i. S. v.Art. 107 Abs.1 AEUV dar­stell­ten, die unter Ver­stoß gegen Art. 108 Abs. 3 AEUV durch­ge­führt wor­den sei­en. Sie sei­en daher nich­tig.

In dem kla­ge­ab­wei­sen­den Urteil des Land­ge­richts Müns­ter ist aus­ge­führt wor­den, dass die Holz­lie­fer­ver­trä­ge ins­ge­samt unwirk­sam sei­en, weil sie gegen das euro­päi­sche Bei­hil­fe­recht ver­sto­ßen wür­den. Ein pri­va­ter Inves­tor wäre die getrof­fe­nen ver­trag­li­chen Bin­dun­gen nicht ein­ge­gan­gen. Die Holz­lie­fer­ver­trä­ge wür­den näm­lich zahl­rei­che Ver­pflich­tun­gen für das beklag­te Land begrün­den, ohne dass es ins­be­son­de­re die Abnah­me einer bestimm­ten Men­ge Holz for­dern kön­ne. Damit wer­de der frü­he­ren Betrei­be­rin des Säge­werks ein Vor­teil gewährt, durch den eine Ver­fäl­schung des Wett­be­werbs zumin­dest dro­he, was zur Unwirk­sam­keit der Ver­trä­ge füh­re. Die Klä­ge­rin hat mit der Beru­fung ihr Ziel vor dem Ober­lan­des­ge­richt wei­ter ver­folgt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm deut­lich zum Aus­druck gebracht, dass es, eben­so wie bereits das Land­ge­richt, die streit­ge­gen­ständ­li­chen Holz­lie­fer­ver­trä­ge als ins­ge­samt unwirk­sam ansieht, weil sie gegen das euro­päi­sche Bei­hil­fe­recht ver­sto­ßen. Daher ist die Beru­fung zurück­ge­wie­sen und das kla­ge­ab­wei­sen­de Urteil des Land­ge­richts Müns­ter bestä­tigt wor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 27.02.2020 2 U 131/​18

  1. LG Müns­ter, Urteil vom 21.06.2018 – 011 O 334/​12[]