Hono­rar­min­de­rung des bei beleg­ärzt­li­cher Behand­lung hin­zu­ge­zo­ge­nen nie­der­ge­las­se­nen Arztes

Auch der bei beleg­ärzt­li­cher sta­tio­nä­rer Behand­lung vom Beleg­arzt hin­zu­ge­zo­ge­ne exter­ne Arzt (hier: Anäs­the­sist), der in die sta­tio­nä­re Behand­lung ein­ge­bet­te­te ärzt­li­che Leis­tun­gen erbringt, unter­liegt der Hono­rar­min­de­rung in Höhe von 15% nach § 6a GoÄ.

Hono­rar­min­de­rung des bei beleg­ärzt­li­cher Behand­lung hin­zu­ge­zo­ge­nen nie­der­ge­las­se­nen Arztes

Nach § 6a Abs. 1 Satz 1 GoÄ sind die nach die­ser Ver­ord­nung berech­ne­ten Gebüh­ren ein­schließ­lich der dar­auf ent­fal­len­den Zuschlä­ge bei voll­sta­tio­nä­ren, teil­sta­tio­nä­ren sowie vor- und nach­sta­tio­nä­ren pri­vat­ärzt­li­chen Leis­tun­gen um 25 von Hun­dert zu min­dern. Abwei­chend davon beträgt die Min­de­rung für Leis­tun­gen und Zuschlä­ge nach Satz 1 von Beleg­ärz­ten oder nie­der­ge­las­se­nen ande­ren Ärz­ten 15 vom Hun­dert (§ 6a Abs. 1 Satz 1 GoÄ).

Dass die Beklag­ten als nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te sta­tio­nä­re Leis­tun­gen im Sin­ne der Norm erbracht haben, steht zwi­schen den Par­tei­en nicht im Streit. Ande­res ist auch nicht ersicht­lich, nach­dem die Tätig­keit der Beklag­ten die Anäs­the­sie im Rah­men einer Ope­ra­ti­on im Kran­ken­haus betraf, die in einen sta­tio­nä­ren Auf­ent­halt der Pati­en­tin ein­ge­bet­tet war.

Unter die­sen Umstän­den ist der Wort­laut der Norm, die die Gebüh­ren­min­de­rung von 15 Pro­zent anord­net, zwei­fels­frei erfüllt. Die von den Beklag­ten gewünsch­te Nicht­an­wen­dung lässt sich mit­hin nur ver­tre­ten, wenn die Vor­aus­set­zun­gen einer teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on, also einer Nicht­an­wen­dung der Norm ent­ge­gen ihrem Wort­laut, gege­ben sind. Dies setzt zum einen eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke des Norm­ge­bers vor­aus sowie wei­ter, dass der vor­lie­gen­de Sach­ver­halt vom Zweck der Norm nicht erfasst wird [1]. Dies ist aber nicht der Fall.

Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof im Urteil vom 13.06.2002 geäu­ßert, dass die pau­scha­lie­ren­de Wir­kungs­wei­se der Hono­rar­min­de­rung nach § 6a GoÄ es nicht aus­schließt, ärzt­li­che Leis­tun­gen von der Anwen­dung die­ser Bestim­mung aus­zu­neh­men, wenn eine Dop­pel­be­las­tung typi­scher­wei­se des­halb aus­schei­det, weil weder Sach- noch Per­so­nal­kos­ten des Kran­ken­hau­ses durch den hin­zu­ge­zo­ge­nen Arzt in Anspruch genom­men wer­den noch ent­spre­chen­de Kos­ten des extern täti­gen Arz­tes bei Wahl­leis­tungs­pa­ti­en­ten ein­kal­ku­liert sind [2]. Im dort gege­be­nen Fall, in dem es um Gebüh­ren für die patho­lo­gi­sche Unter­su­chung von Gewe­be­pro­ben im Auf­trag eines Kran­ken­haus­arz­tes durch einen exter­nen Arzt ging, an wel­chen die Gewe­be­pro­ben ver­sandt wur­den, hat er frei­lich eine sol­che Aus­nah­me verneint.

Auch vor­lie­gend liegt eine sol­che Aus­nah­me nicht nahe. Gegen sie spricht nicht nur, wie bereits das Amts­ge­richt zu Recht ange­merkt hat, dass die Leis­tun­gen der beklag­ten Nar­ko­se­ärz­te eine typi­sche Kran­ken­haus­leis­tung dar­stel­len, son­dern auch, dass die Beklag­ten zwar, anders als die Beleg­ärz­te selbst, weder auf Pfle­ge­per­so­nal noch auf Assis­ten­ten sei­tens des Kran­ken­hau­ses zugrei­fen kön­nen, wohl aber die haupt­säch­li­chen ärzt­li­chen Leis­tun­gen in den dor­ti­gen Ope­ra­ti­ons­sä­len und damit denk­ge­setz­lich zwin­gend unter Inan­spruch­nah­me der spe­zi­fi­schen Sach­mit­tel des Kran­ken­hau­ses erbrin­gen. Dass die Beklag­ten dem­ge­gen­über für das Sprech­zim­mer, in dem sie ihre Anäs­the­sie­auf­klä­rung vor der Ope­ra­ti­on durch­füh­ren, eine geson­der­te Mie­te zah­len müs­sen, wie sie in der Beru­fung gel­tend machen, ändert die­se Betrach­tungs­wei­se nicht entscheidend.

Auch das wei­te­re Vor­brin­gen der Beklag­ten gibt zu einer abwei­chen­den Sicht­wei­se kei­nen Anlass. Ihr Argu­ment, eine Dop­pel­be­las­tung des Pati­en­ten sei vor­lie­gend inso­weit aus­ge­schlos­sen, als in einem rei­nen Beleg­kran­ken­haus die Pfle­ge­satz-Fall­pau­scha­len ent­spre­chend nied­ri­ger bewer­tet sei­en als bei der Ver­sor­gung durch die Haupt­ab­tei­lung eines Kran­ken­hau­ses, ver­fängt nicht. Denn trotz die­ser Her­ab­stu­fung des Pfle­ge­sat­zes im Beleg­kran­ken­haus und obwohl, wie die Beklag­ten erst­in­stanz­lich gel­tend gemacht haben, beleg­ärzt­li­che Leis­tun­gen kei­ne Kran­ken­haus­leis­tun­gen im Sin­ne des Pfle­ge­satz­rech­tes sind, hat der Ver­ord­nungs­ge­ber gleich­wohl aus­drück­lich auch bei den Beleg­ärz­ten selbst eine Gebüh­ren­min­de­rung ange­ord­net. War­um eine sol­che Min­de­rung bei extern hin­zu­ge­zo­ge­nen Ärz­ten im Beleg­kran­ken­haus per se nicht Platz grei­fen soll, erschließt sich vor die­sem Hin­ter­grund eben­falls nicht.

Für ent­schei­dend [3] hält das Land­ge­richt Hei­del­berg letzt­lich die bereits im Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 17. Sep­tem­ber 1998 [4] zum Aus­druck kom­men­den Grund­sät­ze. Schon dort wird die pau­scha­lie­ren­de Betrach­tungs­wei­se des § 6a GoÄ betont, die nicht danach fra­ge, ob, bei wem und in wel­cher Höhe Sach- und Per­so­nal­kos­ten für die medi­zi­ni­schen Leis­tun­gen im Ein­zel­fall ent­ste­hen . Auf Grund die­ser Betrach­tungs­wei­se hat der Bun­des­ge­richts­hof in sei­ner Ent­schei­dung sogar das Hono­rar eines extern hin­zu­ge­zo­ge­nen Arz­tes der Gebüh­ren­min­de­rung nach § 6a Abs. 1 Satz 2 Alt. 2 GoÄ unter­wor­fen, der sei­ne ärzt­li­che Leis­tung inner­halb einer von ihm geson­dert ange­mie­te­ten Pra­xis im räum­li­chen Zusam­men­hang eines – rei­nen – Beleg­kran­ken­hau­ses erbracht hat­te, die per­so­nell und wirt­schaft­lich völ­lig unab­hän­gig vom Betrieb des Kran­ken­hau­ses geführt wur­de [5].

Umso weni­ger sieht das Land­ge­richt Hei­del­berg daher im vor­lie­gen­den Fall, in dem die ärzt­li­che Leis­tung des Anäs­the­sis­ten ersicht­lich enger mit der spe­zi­fi­schen Kran­ken­haus­in­fra­struk­tur ver­wo­ben war und nicht etwa inner­halb der von den Anäs­the­sis­ten selbst vor­ge­hal­te­nen Pra­xis, son­dern inner­halb des Ope­ra­ti­ons­saa­les des Beleg­kran­ken­hau­ses statt­fand, Raum für eine Nicht­an­wen­dung des § 6a Abs. 1 Satz 2 GoÄ, denn der Zweck die­ser Norm erscheint ihr auch vor­lie­gend erfüllt.

Land­ge­richt Hei­del­berg, Urteil vom 24. Juni 2013 – 5 S 2/​13

  1. Palandt/​Sprau, 72. Aufl. 2013, Einl. Rz. 49[]
  2. BGHZ 151, 102 ff.[]
  3. vgl. Bach/​Moser/​Göbel, Pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung, 4. Aufl. 2009, Nach § 1 MB/​KK Rz. 178 m.w.N.[]
  4. BGH, Urteil vom 17.09.1998 – III ZR 222/​97, NJW 1999, 868 ff.[]
  5. vgl. BGH, a.a.O.[]