Hono­rar­ver­ein­ba­rung für die Bau­über­wa­chung bei Inge­nieur­bau­ten

Die erfor­der­li­che Schrift­form für die Ver­ein­ba­rung eines Hono­rars für die ört­li­che Bau­über­wa­chung bei Inge­nieur­bau­wer­ken und Ver­kehrs­an­la­gen ist nach­ei­nem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs gewahrt, wenn dem Ver­trag ein Ange­bot über ein Hono­rar vor­aus­geht, das mit einem Pro­zent­satz von 2,65 der anre­chen­ba­ren Kos­ten errech­net wird, und der Ver­trag sodann, ohne dass der Pro­zent­satz von 2,65 noch­mals erwähnt wird, die­ses Hono­rar als Berech­nungs­ho­no­rar vor­sieht.

Hono­rar­ver­ein­ba­rung für die Bau­über­wa­chung bei Inge­nieur­bau­ten

Gemäß § 57 Abs. 2 Satz 3 HOAI gilt ein Hono­rar von 2,1 vom Hun­dert der anre­chen­ba­ren Kos­ten nach § 52 Abs. 2, 3, 6 und 7 HOAI als ver­ein­bart, wenn ein Hono­rar nach Satz 1 oder Satz 2 nicht bei Auf­trags­er­tei­lung schrift­lich ver­ein­bart wor­den ist. Das Hono­rar für die ört­li­che Bau­über­wa­chung kann nach § 57 Abs. 2 Satz 1 HOAI mit 2,1 bis 3,2 vom Hun­dert der anre­chen­ba­ren Kos­ten nach § 52 Abs. 2, 3, 6 und 7 HOAI ver­ein­bart wer­den. Eine der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung kann sich aus dem von bei­den Sei­ten unter­schrie­be­nen Ver­trag über die Bau­über­wa­chung erge­ben, auch ohne dass der zu ver­ein­ba­ren­de Pro­zent­satz in der Ver­trags­ur­kun­de fixiert sein müss­te.

Die nach § 57 Abs. 2 HOAI erfor­der­li­che Schrift­form ist gewahrt, wenn eine Ver­ein­ba­rung über den Pro­zent­satz in einer Urkun­de ent­hal­ten ist, die bei-de Par­tei­en unter­schrie­ben haben, § 126 Abs. 2 Satz 1 BGB. Ob eine Ver­ein­ba­rung über den Pro­zent­satz getrof­fen wor­den ist, ist durch Aus­le­gung der unter­schrie­be­nen Erklä­rung zu ermit­teln. Die­se Aus­le­gung ist nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen vor­zu­neh­men. Es kön­nen auch außer­halb des Ver­trags lie­gen­de, zur Erfor­schung des Ver­trags­in­halts geeig­ne­te Umstän­de her­an­ge­zo­gen wer­den 1, wenn der ein­schlä­gi­ge rechts­ge­schäft­li­che Wil­le der Par­tei­en in der Urkun­de einen, wenn auch nur unvoll­kom­me­nen, Aus­druck gefun­den hat. Die Gren­ze bei der Berück­sich­ti­gung die­ser Umstän­de ist erst dort über­schrit­ten, wo der beur­kun­de­te Text die Rich­tung des rechts­ge­schäft­li­chen Wil­lens nicht ein­mal dem Grun­de nach erken­nen lässt 2.

Nach die­sen Grund­sät­zen kann von einer Ver­ein­ba­rung eines Pro­zent­sat­zes der anre­chen­ba­ren Kos­ten gemäß § 57 Abs. 2 HOAI auch dann aus­ge­gan­gen wer­den, wenn der Pro­zent­satz in der Ver­trags­ur­kun­de nicht fixiert ist, jedoch ein ent­spre­chen­der Wil­le in der Ver­trags­ur­kun­de zum Aus­druck gekom­men ist und die bei der Aus­le­gung zu berück­sich­ti­gen­den Umstän­de die­sen Wil­len bestä­ti­gen. Es besteht kein Grund, von die­sen aner­kann­ten Aus­le­gungs­grund­sät­zen bei der Anwen­dung der Schrift­form­re­geln der Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re abzu­wei­chen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2010 – VII ZR 218/​08

  1. BGH, Urteil vom 25.03.1983 – V ZR 268/​81, BGHZ 87, 150, 154; Urteil vom 20.12.1974 – V ZR 132/​73, BGHZ 63, 359, 362[]
  2. BGH, Urteil vom 20.12.1974 – V ZR 132/​73, aaO, 364[]