IHK-Bei­trag für Kran­ken­häu­ser

Die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer darf der Berech­nung des Kam­mer­bei­trags einer kam­mer­zu­ge­hö­ri­gen Kli­nik die Kenn­zah­len ihres gesam­ten Unter­neh­mens zugrun­de legen, auch wenn sie für den Kran­ken­haus­be­trieb als den über­wie­gen­den Teil ihrer wirt­schaft­li­chen Betä­ti­gung von der Gewer­be­steu­er befreit ist.

IHK-Bei­trag für Kran­ken­häu­ser

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall wand­te sich eine Trä­ge­rin meh­re­rer Kran­ken­häu­ser gegen die vor­läu­fi­ge Fest­set­zung der Bei­trä­ge zur beklag­ten Indus­trie- und Han­dels­kam­mer für die Jah­re 2011 und 2012. Ihre wirt­schaft­li­che Tätig­keit umfasst neben dem Kran­ken­haus­be­trieb, der von der Gewer­be­steu­er befreit ist, auch gewer­be­steu­er­pflich­ti­ge Neben­be­trie­be (Betrieb einer Cafe­te­ria, Ver­mie­tungs­leis­tun­gen, Leis­tun­gen des ambu­lan­ten Pfle­ge­diens­tes). Auf die Neben­be­trie­be ent­fie­len in den Jah­ren 2011 und 2012 jeweils weni­ger als 5% ihres Gesamt­um­sat­zes. Die IHK setz­te auf der Grund­la­ge der Beschäf­tig­ten­zahl, des Umsat­zes und der Bilanz­sum­me des gesam­ten Unter­neh­mens der Kran­ken­haus­trä­ge­rin für bei­de Jah­re den Kam­mer­bei­trag jeweils vor­läu­fig auf 10 000 EUR fest. Mit ihrer Kla­ge mach­te die Kran­ken­haus­trä­ge­rin gel­tend, bei der Bei­trags­be­rech­nung sei nur der­je­ni­ge Teil ihres wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­bes zu berück­sich­ti­gen, der nicht von der Gewer­be­steu­er befreit sei.

Die Kla­ge hat­te in bei­den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig 1 und dem Nie­der­säch­si­chen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt 2 Erfolg. Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hielt die Bei­trags­be­schei­de für rechts­wid­rig, weil sie das Äqui­va­lenz­prin­zip und den Gleich­heits­satz ver­letz­ten. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun der Revi­si­on der IHK statt­ge­ge­ben und die Kla­ge abge­wie­sen:

Die Ver­an­la­gung der Kran­ken­haus­trä­ge­rin zum Kam­mer­bei­trag auf der Grund­la­ge der Kenn­zah­len ihres gesam­ten Unter­neh­mens ein­schließ­lich des von der Gewer­be­steu­er befrei­ten Betriebs­teils ver­stößt nicht gegen das Äqui­va­lenz­prin­zip, befand nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt. Die­ses Äqui­va­lenz­prin­zip ver­langt, dass die Höhe des Bei­trags nicht in einem Miss­ver­hält­nis zu dem Vor­teil ste­hen darf, den er abgel­ten soll, und ein­zel­ne Kam­mer­mit­glie­der im Ver­hält­nis zu ande­ren nicht über­mä­ßig belas­tet wer­den dür­fen. Der Vor­teil, den das Kam­mer­mit­glied aus der Tätig­keit der Indus­trie- und Han­dels­kam­mer zieht, besteht ins­be­son­de­re dar­in, dass die Kam­mer die ihr gesetz­lich über­tra­ge­nen Auf­ga­ben erfüllt und das Gesamt­in­ter­es­se der gewerb­li­chen Wirt­schaft wahr­nimmt.

Der Kran­ken­haus­be­trieb ist zwar nach § 3 Nr. 20 Buchst. b des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes von der Gewer­be­steu­er befreit. Sinn und Zweck die­ser Befrei­ung ist es, die bestehen­den Ver­sor­gungs­struk­tu­ren bei der Behand­lung kran­ker und pfle­ge­be­dürf­ti­ger Per­so­nen zu ver­bes­sern und die Sozi­al­ver­si­che­rungs­trä­ger von Auf­wen­dun­gen zu ent­las­ten. Die Befrei­ung des Kran­ken­haus­be­trie­bes von der Gewer­be­steu­er ändert aber nichts dar­an, dass die Kran­ken­haus­trä­ge­rin mit ihrem gesam­ten Unter­neh­men gewerb­lich tätig ist. Der Vor­teil der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung durch die Indus­trie- und Han­dels­kam­mer kommt des­halb auch dem gewer­be­steu­er­frei­en Kran­ken­haus­be­trieb der Kran­ken­haus­trä­ge­rin zugu­te. Schließ­lich ver­let­zen die Bei­trags­be­schei­de auch nicht den Gleich­be­hand­lungs­grund­satz des Art. 3 Abs. 1 GG.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 7. Dezem­ber 2016 – 10 C 112015 -

  1. VG Braun­schweig, Urteil vom 29.11.2012 – 1 A 110711[]
  2. Nds. OVG, Urteil vom 18.06.20156 – 8 LB 191/​13[]