IHK-Bei­trags­pflicht

In der Fest­set­zung des Gewer­be­steu­er­mess­be­tra­ges auf Null liegt kei­ne posi­ti­ve Fest­stel­lung der Gewer­be­steu­er­pflicht, die nach § 2 Abs. 1 IHKG Tat­be­stands­wir­kung für die Fest­set­zung von Bei­trä­gen zur Indus­trie- und Han­dels­kam­mer hät­te. Dazu wäre die Fest­set­zung eines posi­ti­ven Mess­be­tra­ges erfor­der­lich 1.

IHK-Bei­trags­pflicht

Bei­trä­ge dür­fen nach § 3 Abs. 3 Satz 1 IHKG nur von Kam­mer­zu­ge­hö­ri­gen erho­ben wer­den. Bei Han­dels­ge­sell­schaf­ten wie der als Kom­man­dit­ge­sell­schaft geführ­ten Klä­ge­rin (§ 161 HGB) setzt die Zuge­hö­rig­keit zur Kam­mer nach § 2 Abs. 1 IHKG unter ande­rem die Ver­an­la­gung zur Gewer­be­steu­er vor­aus. Zutref­fend ist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass dafür nicht die tat­säch­li­che Her­an­zie­hung zur Gewer­be­steu­er, son­dern allein die Gewer­be­steu­er­pflicht dem Grun­de nach maß­geb­lich ist 2. Soweit durch Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid nach § 14 GewStG i.V.m. § 184 Abs. 1 Satz 2 AO über die per­sön­li­che und sach­li­che Gewer­be­steu­er­pflicht ent­schie­den wird, hat dies nach § 2 Abs. 1 IHKG Tat­be­stands­wir­kung für die Fest­set­zung von Kam­mer­bei­trä­gen 3. Liegt kei­ne sol­che Ent­schei­dung vor, hat die Kam­mer die Gewer­be­steu­er­pflicht dem Grun­de nach selbst zu prü­fen.

Ent­ge­gen der Annah­me des Beru­fungs­ge­richts ist dem auf Null lau­ten­den Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid vom 13.10.2009 kei­ne die Beklag­te bin­den­de posi­ti­ve Fest­stel­lung der Gewer­be­steu­er­pflicht der Klä­ge­rin zu ent­neh­men. In der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist geklärt, dass in der Fest­set­zung eines Null­Be­tra­ges kei­ne posi­ti­ve Fest­stel­lung einer Gewer­be­steu­er­pflicht liegt, die zur Ver­mei­dung einer Bin­dungs­wir­kung ange­foch­ten wer­den müss­te. Dazu wäre viel­mehr die Fest­set­zung eines posi­ti­ven Mess­be­tra­ges erfor­der­lich 4. Die Annah­me, schon der Erlass eines Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­des impli­zie­re eine bin­den­de posi­ti­ve Fest­stel­lung der Gewer­be­steu­er­pflicht 5, zeigt kei­ne neu­en Gesichts­punk­te auf, die die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung grund­sätz­lich in Fra­ge stel­len könn­ten. Viel­mehr wen­det sie § 184 Abs. 1 Satz 2 AO unzu­tref­fend an.

Nach die­ser Vor­schrift wird mit der Fest­set­zung der Mess­be­trä­ge über die sach­li­che und per­sön­li­che Steu­er­pflicht im jewei­li­gen Erhe­bungs­zeit­raum ent­schie­den. Dies trägt dem Umstand Rech­nung, dass die Fest­set­zung posi­ti­ver Mess­be­trä­ge zwangs­läu­fig auf der Annah­me einer Steu­er­pflicht beruht, und erstreckt die Rege­lungs- und Bin­dungs­wir­kung des Mess­be­schei­des auch auf die­se Fest­stel­lung. Lau­tet ein Mess­be­trags­be­scheid dage­gen auf Null (soge­nann­ter Frei­stel­lungs­be­scheid), regelt er nur, dass ein Steu­er­mess­be­trag nicht fest­zu­set­zen ist 6. Die Null­fest­set­zung kann sich dar­aus erge­ben, dass eine Steu­er­pflicht dem Grun­de nach bejaht und der Mess­be­trag nur in – zutref­fen­der oder feh­ler­haf­ter – Anwen­dung der Frei­be­trags­re­ge­lung des § 11 GewStG mit Null bezif­fert wur­de 7. Sie kann aber eben­so dar­auf beru­hen, dass die Finanz­be­hör­de annahm, schon die mate­ri­ell­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Steu­er­pflicht lägen dem Grun­de nach nicht vor 8. Daher ent­hält die Null­fest­set­zung auch kei­ne kon­klu­den­te Fest­stel­lung einer Steu­er­pflicht, der Bin­dungs­wir­kung zukom­men könn­te. Aus den auf Sei­te 7 f. des Beru­fungs­ur­teils zitier­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs ergibt sich nichts ande­res. Sie klä­ren ledig­lich, dass Steu­er­fest­set­zun­gen auf Null ange­foch­ten wer­den kön­nen, soweit sie den Adres­sa­ten belas­ten­de Fest­stel­lun­gen ent­hal­ten. Sie ent­schei­den jedoch nicht die Fra­ge, wann ein Steu­er­mess­be­scheid eine bin­den­de Fest­stel­lung der Steu­er­pflicht nach § 184 Abs. 1 AO ent­hält.

Ob aus dem Zusam­men­hang einer Null­fest­set­zung mit wei­te­ren Fest­stel­lun­gen des Gewer­be­steu­er­mess­be­schei­des oder mit des­sen Begrün­dung nach den all­ge­mei­nen Aus­le­gungs­grund­sät­zen ent­spre­chend §§ 133, 157 BGB eine bin­den­de Fest­stel­lung der Steu­er­pflicht unab­hän­gig von § 184 Abs. 1 Satz 2 AO her­zu­lei­ten sein könn­te, hät­te im Revi­si­ons­ver­fah­ren auch ohne das erle­di­gen­de Ereig­nis nicht geklärt wer­den müs­sen. Selbst bei Zuläs­sig­keit einer sol­chen Aus­le­gung gäbe es dafür, dass eine Steu­er­pflicht dem Grun­de nach bejaht und der Mess­be­trag nur wegen zu gerin­ger Erträ­ge auf Null fest­ge­setzt wor­den wäre, kei­ner­lei Anhalts­punk­te. Die im Steu­er­mess­be­scheid fest­ge­stell­ten Erträ­ge lagen weit über der Frei­be­trags­gren­ze des § 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG. Umge­kehrt lie­ße die Fest­stel­lung sol­cher Erträ­ge ange­sichts der Null­fest­set­zung des Mess­be­tra­ges noch nicht auf das Beja­hen einer Steu­er­pflicht schlie­ßen.

Man­gels bin­den­der finanz­be­hörd­li­cher Fest­stel­lun­gen hät­te das Beru­fungs­ge­richt die Gewer­be­steu­er­pflicht der Klä­ge­rin dem Grun­de nach für 2008 und 2009 nach § 2 GewStG selbst prü­fen und ver­nei­nen müs­sen. Als Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft war die Klä­ge­rin nicht schon wegen ihrer Rechts­form nach § 2 Abs. 2 GewStG gewer­be­steu­er­pflich­tig. Einen ste­hen­den Gewer­be­be­trieb im Inland (§ 2 Abs. 1 GewStG) unter­hielt sie im frag­li­chen Bei­trags­zeit­raum eben­falls nicht mehr. Unstrei­tig hat­te sie ihren Gewer­be­be­trieb bereits im Janu­ar 2007 im Gan­zen an einen Drit­ten ver­pach­tet. Geht ein Gewer­be­be­trieb im Gan­zen auf einen ande­ren Unter­neh­mer über, so gilt er als durch den bis­he­ri­gen Unter­neh­mer ein­ge­stellt (§ 2 Abs. 5 Satz 1 GewStG). Des­halb endet die Gewer­be­steu­er­pflicht mit der Ver­pach­tung des gesam­ten Betrie­bes an einen Drit­ten, sofern die Ver­pach­tung nicht selbst gewerb­li­chen Cha­rak­ter hat 9. Anhalts­punk­te für einen sol­chen Aus­nah­me­fall waren weder vor­ge­tra­gen noch erkenn­bar. Die Klä­ge­rin erfüll­te sei­ner­zeit auch nicht die Vor­aus­set­zun­gen einer als Gewer­be­be­trieb zu behan­deln­den Per­so­nen­ge­sell­schaft gemäß § 15 Abs. 3 Nr. 1 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 oder Nr. 2 EStG. Sie war weder gewerb­lich tätig noch bezog sie Gewinn­an­tei­le als Gesell­schaf­te­rin einer – ande­ren – Gesell­schaft im Sin­ne des § 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG. Sie stell­te auch kei­ne gewerb­lich gepräg­te Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft im Sin­ne des § 15 Abs. 3 Nr. 2 EStG dar, die unge­ach­tet ihrer nicht­ge­werb­li­chen Tätig­keit als Gewer­be­be­trieb im Sin­ne des § 2 Abs. 1 GewStG zu behan­deln gewe­sen wäre. Ihre Kom­ple­men­tä­rin war kei­ne Kapi­tal­ge­sell­schaft, son­dern eine natür­li­che Per­son.

Mit der Gewer­be­steu­er­pflicht ent­fie­len nach § 2 Abs. 1 IHKG für 2008 und 2009 auch die Zuge­hö­rig­keit zur IHK und die Pflicht, Bei­trä­ge an die­se zu zah­len.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Juli 2011 – 8 C 23.10

  1. wie BVerwG, Urteil vom 08.10.1976 – 7 C 46.74, BVerw­GE 51, 169, 172 = Buch­holz 401.5 § 17a GewStG Nr. 2[]
  2. stRspr, vgl. zuletzt BVerwG, Urteil vom 19.01.2005 – 6 C 10.04, BVerw­GE 122, 344, 346 = Buch­holz 451.09 IHKG Nr. 19; Beschluss vom 21.10.2004 – 6 B 60.04, Buch­holz 451.09 IHKG Nr. 18 jeweils m.w.N.[]
  3. BVerwG, Urteil vom 27.10.1998 – 1 C 19.97, Buch­holz 451.09 IHKG Nr. 12[]
  4. BVerwG, Urteil vom 08.10.1976 – 7 C 46.74, BVerw­GE 51, 169, 172 = Buch­holz 401.5 § 17a GewStG Nr. 2 zu § 212a Abs. 1 AO a.F.; jetzt § 182 Abs. 1 i.V.m. § 184 Abs. 1 Satz 3, Abs. 3 AO[]
  5. so auch VGH Mann­heim, Beschluss vom 27.02.2007 – 6 S 2003/​06; Urteil vom 02.12. 2010 – 6 S 1756/​09; offen gelas­sen im Beschluss des VGH Kas­sel vom 14.08.1997 – 8 ZU 1970/​97, GewArch 1998, 73 f.[]
  6. BVerwG, Urteil vom 08.10.1976 a.a.O.; de Hes­sel­le, in: Lenski/​Steinberg, Gewer­be­steu­er­ge­setz, Stand: Febru­ar 2011, § 14 Rn. 37[]
  7. dazu vgl. Jahn, in: Frentzel/​Jäkel/​Junge, IHKG, 7. Aufl. 2009, § 2 Rn. 37[]
  8. vgl. zur Mehr­deu­tig­keit von Null­fest­stel­lun­gen: Söhn, in: Hübschmann/​Hepp/​Spitaler, AO, § 179, Stand: Novem­ber 2010, Rn. 116, 118 f.; zur Bin­dungs­wir­kung posi­ti­ver Fest­stel­lun­gen der­sel­ben, a.a.O. § 182, Stand: Novem­ber 2004, Rn. 43 f.[]
  9. vgl. Jahn, in: Frentzel/​Jäkel/​Junge, IHKG, a.a.O. § 2 Rn. 48; Drüen, in: Blü­mich, EStG, KStG, GewStG, Stand: März 2011, § 2 GewStG Rn. 252; Gür­off, in: Gür­off, GewStG, 7. Aufl. 2009, § 2 Rn. 429[]