In Wachträu­men von Jesus dik­tier­te Tex­te und der Urhe­ber­schutz

Beim Urhe­ber­schutz kommt es auf den tat­säch­li­chen Schaf­fens­vor­gang – den schöp­fe­ri­schen Realakt – an und der geis­ti­ge Zustand des Werk­schaf­fen­den ist uner­heb­lich, wes­halb auch Geis­tes­ge­stör­te, Hyp­no­ti­sier­te und in Tran­ce befind­li­che Per­so­nen Urhe­ber sein kön­nen.

In Wachträu­men von Jesus dik­tier­te Tex­te und der Urhe­ber­schutz

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt a.M. in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Urhe­ber­schutz für spi­ri­tu­el­le Tex­te, die nach Behaup­tung ihrer Ver­fas­se­rin auf über­sinn­li­che Inspi­ra­tio­nen zurück­ge­hen sol­len, bestä­tigt und gleich­zei­tig die Beru­fung gegen ein ent­spre­chen­des Urteil des Land­ge­richts Frank­furt a.M. zurück­ge­wie­sen. Die Klä­ge­rin – eine ame­ri­ka­ni­sche Stif­tung – nimmt den beklag­ten deut­schen Ver­ein wegen urhe­ber­rechts­wid­ri­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen von Text­pas­sa­gen aus dem Buch "A Cour­se in Mira­cles" auf Unter­las­sung in Anspruch. Der streit­be­fan­ge­ne Text wur­de von S., einer US-ame­ri­ka­ni­schen Pro­fes­so­rin für Psych­ia­trie, ab den 1960er Jah­ren nie­der­ge­schrie­ben und über­ar­bei­tet. S. gab zu ihren Leb­zei­ten an, der Text sei ihr in akti­ven Wachträu­men von Jesus von Naza­reth ein­ge­ge­ben und von ihr auf­ge­zeich­net wor­den. 1975 stell­te S. eine redak­tio­nell über­ar­bei­te­te Ver­si­on fer­tig, die soge­nann­te C.-Fassung, die zum ame­ri­ka­ni­schen Copy­right-Regis­ter ange­mel­det wur­de. Die kla­gen­de Stif­tung, die sich auf die Über­tra­gung die­ser Copy­right-Rech­te beruft, wen­det sich im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren gegen die öffent­li­che Wie­der­ga­be von Text­pas­sa­gen aus der C.-Fassung im Inter­net durch den beklag­ten Ver­ein.

Das Land­ge­richt Frank­furt a.M. 1 hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Hier­ge­gen rich­tet sich die Beru­fung des Beklag­ten, mit der er gel­tend macht, ein Urhe­ber­recht der Klä­ge­rin kön­ne nicht ver­letzt sein, weil S. gar nicht Urhe­be­rin des Tex­tes gewe­sen sei. Viel­mehr habe die­se selbst ange­ge­ben, dass der Text Resul­tat eines Dik­tats gewe­sen sei, das sie von Jesus von Naza­reth emp­fan­gen habe.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt a.M. sei S. als Rechts­vor­gän­ge­rin der kla­gen­den Stif­tung gesetz­lich als Urhe­be­rin des streit­be­fan­ge­nen Tex­tes anzu­se­hen. Der Ansicht des Beklag­ten, S. sei bei der Ent­ste­hung der Schrift ledig­lich die Rol­le einer Gehil­fin oder Schreib­kraft ohne jeden indi­vi­du­el­len per­sön­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum zuge­kom­men, wes­halb sie nicht als Urhe­be­rin anzu­se­hen sei, kön­ne nicht gefolgt wer­den. Nach all­ge­mein ver­tre­te­ner Auf­fas­sung sei­en jen­sei­ti­ge Inspi­ra­tio­nen recht­lich unein­ge­schränkt ihrem mensch­li­chen Emp­fän­ger zuzu­rech­nen. Für die­se Auf­fas­sung spre­che, dass es für die Begrün­dung von Urhe­ber­schutz auf den tat­säch­li­chen Schaf­fens­vor­gang – den schöp­fe­ri­schen Realakt – ankom­me und der geis­ti­ge Zustand des Werk­schaf­fen­den uner­heb­lich sei, wes­halb auch Geis­tes­ge­stör­te, Hyp­no­ti­sier­te und in Tran­ce befind­li­che Per­so­nen Urhe­ber sein könn­ten. Die Behaup­tung, das von einem mensch­li­chen Schöp­fer her­vor­ge­brach­te Werk ver­dan­ke sei­ne Ent­ste­hung aus­schließ­lich meta­phy­si­schen Ein­flüs­sen, ste­he einer Zuord­nung des Wer­kes zu sei­nem mensch­li­chen Schöp­fer und der Zubil­li­gung von Urhe­ber­rechts­schutz nicht ent­ge­gen.

Aus die­sen Grün­den kön­ne die kla­gen­de Stif­tung gemäß § 97 Abs. 1 Urhe­ber­ge­setz von dem Beklag­ten ver­lan­gen, dass die­ser die Ver­öf­fent­li­chung der Tex­te unter­lässt.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 13. Mai 2014 – 11 U 62/​13

  1. LG Frank­furt a.M., Urteil vom 07.04.2013 – 2-6 O 424/​12[]