Indus­trie- und Han­dels­kam­mer – und der Aus­tritt aus dem DIHK

Bean­stan­det ein Gewer­be­trei­ben­der Äuße­run­gen des Deut­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag e. V. (DIHK), hat er zunächst ein­mal sei­ne Kam­mer dar­auf in Anspruch zu neh­men, dass sie die ver­eins­recht­li­chen Mög­lich­kei­ten nutzt, um auf der Ver­eins­ebe­ne für die Ein­hal­tung des zuläs­si­gen Hand­lungs­rah­mens zu sor­gen. Die gericht­li­che Ver­pflich­tung einer Indus­trie- und Han­dels­kam­mer zum Aus­tritt aus dem DIHK kann – wenn über­haupt – nur letz­tes Mit­tel sein.

Indus­trie- und Han­dels­kam­mer – und der Aus­tritt aus dem DIHK

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhn-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine Ver­pflich­tung der beklag­te Indus­trie- und Han­dels­kam­mer Nord West­fa­len ver­neint, aus dem Deut­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag e. V. (DIHK) aus­zu­tre­ten und gleich­zei­tig damit die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter bestä­tigt. Der DIHK ist der pri­vat­recht­lich ver­fass­te Dach­ver­band aller 88 deut­schen Indus­trie- und Han­dels­kam­mern. Geklagt hat­te ein im Bereich der Wind­ener­gie­nut­zung täti­ges Unter­neh­men, das kraft Geset­zes Mit­glied der beklag­ten Indus­trie- und Han­dels­kam­mer ist. Zur Begrün­dung hat­te das Unter­neh­men unter Hin­weis auf ver­schie­de­ne Stel­lung­nah­men und Erklä­rung des DIHK vor­ge­tra­gen, der DIHK äuße­re sich fort­lau­fend zu all­ge­mein­po­li­ti­schen The­men, die kei­ne nach­voll­zieh­ba­ren Aus­wir­kun­gen auf die gewerb­li­che Wirt­schaft hät­ten. Da den Indus­trie- und Han­dels­kam­mern selbst sol­che all­ge­mein­po­li­ti­schen Äuße­run­gen – unstrei­tig – nicht erlaubt sei­en, müs­se die beklag­te Indus­trie- und Han­dels­kam­mer ihre Mit­glied­schaft im DIHK been­den. Nach­dem vom Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter die Kla­ge in ers­ter Instanz abge­wie­sen wor­den ist, hat der Klä­ger sein Ziel vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt wei­ter verfolgt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len wür­den zwar für Inhalt und Form von Äuße­run­gen des DIHK mit­tel­bar die glei­chen Regeln gel­ten wie für die Äuße­run­gen sei­ner Mit­glieds­kam­mern selbst. Ob für den Fall, dass der DIHK die­se Regeln nicht beach­te, ein ein­zel­ner Gewer­be­be­trei­ben­der unter Umstän­den den Aus­tritt der eige­nen Kam­mer aus dem DIHK ver­lan­gen kön­ne, brau­che jedoch nicht ent­schie­den zu werden. 

Die gericht­li­che Ver­pflich­tung einer Indus­trie- und Han­dels­kam­mer zum Aus­tritt aus dem DIHK kön­ne – wenn über­haupt – nur letz­tes Mit­tel sein. Ein Gewer­be­trei­ben­der, der Äuße­run­gen des DIHK bean­stan­de, müs­se daher vor­ran­gig sei­ne Kam­mer dar­auf in Anspruch neh­men, dass sie die ver­eins­recht­li­chen Mög­lich­kei­ten nut­ze, um auf der Ver­eins­ebe­ne für die Ein­hal­tung des zuläs­si­gen Hand­lungs­rah­mens zu sor­gen. Das sei hier bis­lang nicht geschehen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 16. Mai 2014 – 16 A 1499/​09