Infor­ma­ti­ons­pflich­ten im Fern­ab­satz

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in einer heu­te ver­kün­de­ten Ent­schei­dung zum Umfang der Infor­ma­ti­ons­pflich­ten im Fern­ab­satz, ins­be­son­de­re zur Fra­ge des Umsatz­steu­er­aus­wei­ses, Stel­lung genom­men.

Infor­ma­ti­ons­pflich­ten im Fern­ab­satz

Nach § 1 Abs. 2 der Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung (PAngV) ist ein Ver­sand­händ­ler dazu ver­pflich­tet, beim Ange­bot von Pro­duk­ten gegen­über Ver­brau­chern anzu­ge­ben, dass die gefor­der­ten Prei­se die Umsatz­steu­er ent­hal­ten. Er ist außer­dem nach § 312c BGB i.V.m. § 1 Abs. 4 Nr. 3b BGB-InfoV ver­pflich­tet, spä­tes­tens bei Lie­fe­rung der Ware über gel­ten­de Gewähr­leis­tungs­be­din­gun­gen zu infor­mie­ren.

In dem der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Fall hat­te ein Ver­sand­han­dels­un­ter­neh­men, das in Deutsch­land im Wege des Fern­ab­sat­zes Ober­be­klei­dung und Acces­soires an Ver­brau­cher ver­treibt, in einer Wer­bung Prei­se ange­ge­ben, ohne dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se die Umsatz­steu­er ent­hiel­ten. Die auf Unter­las­sung kla­gen­de Mit­be­wer­be­rin bean­stan­de­te zudem, dass der Händ­ler die Ver­brau­cher nicht spä­tes­tens bei Lie­fe­rung über die Gewähr­leis­tungs­re­ge­lun­gen infor­mier­te, wobei die Geschäfts­be­din­gun­gen der Beklag­ten inso­weit kei­ne von den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten abwei­chen­den Bestim­mun­gen ent­hiel­ten. Das OLG Ham­burg hat­te der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Die Revi­si­on der Beklag­ten hat­te über­wie­gend Erfolg.

Der BGH hat zwar die Auf­fas­sung des Beru­fungs­ge­richts bestä­tigt, dass nach § 1 Abs. 2 PAngV in der Wer­bung des Ver­sand­händ­lers der Hin­weis, dass die Umsatz­steu­er ent­hal­ten ist, der Preis­an­ga­be ein­deu­tig zuzu­ord­nen, leicht erkenn­bar und deut­lich les­bar sein muss. Der Hin­weis müs­se aber – anders als das OLG Ham­burg mein­te – nicht unmit­tel­bar neben dem ange­ge­be­nen Preis ste­hen. Viel­mehr rei­che es im Fal­le einer Anzei­gen­wer­bung aus, wenn der Hin­weis auf die Umsatz­steu­er ein­deu­tig dem Preis zuge­ord­net sei. Dies kön­ne auch durch einen kla­ren und unmiss­ver­ständ­li­chen Stern­chen­hin­weis gesche­hen.

Der BGH hat fer­ner ent­schie­den, dass der Händ­ler zu einer Infor­ma­ti­on der Ver­brau­cher über gesetz­li­che Gewähr­leis­tungs­vor­schrif­ten nicht ver­pflich­tet ist. Die Infor­ma­ti­ons­pflicht des § 1 Abs. 4 Nr. 3b BGB-InfoV erfas­se nur ver­trag­li­che Gewähr­leis­tungs­be­din­gun­gen. Über sol­che Rege­lun­gen kön­ne sich der Ver­brau­cher nicht ohne wei­te­res auf ande­rem Wege infor­mie­ren. Dage­gen bestehe – auch unter Berück­sich­ti­gung des spe­zi­fi­schen Cha­rak­ters von Fern­ab­satz­ge­schäf­ten – kein beson­de­res Inter­es­se des Ver­brau­chers an einer Infor­ma­ti­on über die gesetz­li­chen Gewähr­leis­tungs­be­stim­mun­gen. Ein Ver­sand­händ­ler, der kei­ne abwei­chen­den ver­trag­li­chen Gewähr­leis­tungs­rech­te ver­ein­ba­re, müs­se daher weder die gesetz­li­chen Rege­lun­gen bei­fü­gen noch auf die Gel­tung der gesetz­li­chen Rege­lun­gen hin­wei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Okto­ber 2007 – I ZR 22/​05