Inter­net­por­ta­le – und der Schutz der Anmel­der­da­ten

Gegen des Betrei­ber eines Inter­net­por­tals besteht auch bei Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zun­gen kein Aus­kunfts­an­spruch über die Anmel­de­da­ten eines Users.

Inter­net­por­ta­le – und der Schutz der Anmel­der­da­ten

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall mach­te ein rei prak­ti­zie­ren­der Arzt einen Aus­kunfts­an­spruch gel­tend gegen die Betrei­be­rin eines Inter­net­por­tals, das Bewer­tun­gen von Ärz­ten ermög­licht.

Im Novem­ber 2011 ent­deck­te der Arzt auf die­ser Inter­net­sei­te eine Bewer­tung, in der über ihn ver­schie­de­ne unwah­re Behaup­tun­gen auf­ge­stellt wur­den. Im Juni 2012 wur­den wei­te­re, den Arzt betref­fen­de Bewer­tun­gen mit unwah­ren Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen ver­öf­fent­licht. Auf sein Ver­lan­gen hin wur­den die Bewer­tun­gen jeweils von der Betrei­be­rin des Inter­net­por­tals gelöscht. Am 4.07.2012 erschien (jeden­falls) bis Novem­ber 2012 erneut eine Bewer­tung mit den von dem Arzt bereits bean­stan­de­ten Inhal­ten.

Das erst­in­stanz­lich mit sei­ner Aus­kunfts­kla­ge befass­te Land­ge­richt Stutt­gart 1 hat die Betrei­be­rin des Inter­net­por­tals zur Unter­las­sung der Ver­brei­tung der vom Klä­ger bean­stan­de­ten Behaup­tun­gen und zur Aus­kunft über Name und Anschrift des Ver­fas­sers der letz­ten Bewer­tung ver­ur­teilt. Die dage­gen gerich­te­te Beru­fung der Port­al­be­trei­bers hat­te vor dem Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart kei­nen Erfolg 2. Dabei hat das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart auch einen Aus­kunfts­an­spruch des Arz­tes gegen die Port­al­be­trei­be­rin wegen der bei ihr hin­ter­leg­ten Anmel­de­da­ten des Ver­let­zers gemäß §§ 242, 259, 260 BGB bejaht. § 13 Abs. 6 Satz 1 TMG, wonach ein Diens­te­an­bie­ter die Nut­zung von Tele­me­di­en anonym oder unter Pseud­onym zu ermög­li­chen hat, soweit dies tech­nisch mög­lich und zumut­bar ist, schlie­ße den all­ge­mei­nen Aus­kunfts­an­spruch nicht aus. Mit der vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart beschränkt auf den Aus­kunfts­an­spruch zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folg­te die Port­al­be­trei­be­rin ihren Antrag auf Abwei­sung der Kla­ge – im Umfang der Zulas­sung – wei­ter und erhielt nun vor dem Bun­des­ge­richts­hof Recht. Der Bun­des­ge­richts­hof wies die Aus­kunfts­kla­ge des Arz­tes ab.

Dabei ver­nein­te der Bun­des­ge­richts­hof nicht nur einen Aus­kunfts­an­spruch des Ver­letz­ten, son­dern er pos­tu­lier­te sogar ein Ver­bot an die Betrei­ber von Inter­net­por­ta­le, die Daten ihrer User ohne deren Ein­wil­li­gung wei­ter­zu­ge­ben:

Der Betrei­ber eines Inter­net­por­tals ist in Erman­ge­lung einer gesetz­li­chen Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge im Sin­ne des § 12 Abs. 2 TMG grund­sätz­lich nicht befugt, ohne Ein­wil­li­gung des Nut­zers des­sen per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten zur Erfül­lung eines Aus­kunfts­an­spruchs wegen einer Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung an den Betrof­fe­nen zu über­mit­teln.

Nach dem Gebot der engen Zweck­bin­dung des § 12 Abs. 2 TMG dür­fen für die Bereit­stel­lung von Tele­me­di­en erho­be­ne per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten für ande­re Zwe­cke nur ver­wen­det wer­den, soweit eine Rechts­vor­schrift dies erlaubt oder der Nut­zer – was hier nicht in Rede stand – ein­ge­wil­ligt hat. Ein Ver­wen­den im Sin­ne des § 12 Abs. 2 TMG stellt auch eine Über­mitt­lung an Drit­te dar. Eine Erlaub­nis durch Rechts­vor­schrift kommt außer­halb des Tele­me­di­en­ge­set­zes nach dem Geset­zes­wort­laut ledig­lich dann in Betracht, wenn sich eine sol­che Vor­schrift aus­drück­lich auf Tele­me­di­en bezieht. Eine sol­che Vor­schrift hat der Gesetz­ge­ber bis­her – bewusst – nicht geschaf­fen.

Dem durch per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zen­de Inhal­te einer Inter­net­sei­te Betrof­fe­nen kann aller­dings ein Unter­las­sungs­an­spruch gegen den Diens­te­an­bie­ter zuste­hen 3, den das Ober­lan­des­ge­richt im Streit­fall auch bejaht hat. Dar­über hin­aus darf der Diens­te­an­bie­ter nach § 14 Abs. 2, § 15 Abs. 5 Satz 4 Tele­me­di­en­ge­setz (TMG) auf Anord­nung der zustän­di­gen Stel­len im Ein­zel­fall Aus­kunft über Bestands, Nut­zungs- und Abrech­nungs­da­ten ertei­len, soweit dies u. a. für Zwe­cke der Straf­ver­fol­gung erfor­der­lich ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Juli 2014 – VI ZR 345/​13

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 11.01.2013 – 11 O 172/​12[]
  2. OLG Stutt­gart, Urteil vom 26.06.2013 – 4 U 28/​13[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 25.10.2011 – VI ZR 93/​10, BGHZ 191, 219[]