Irdi­scher Schutz für Engel

Auch Engel genie­ßen einen gewis­sen Schutz auf Erden, wie jetzt wie­der das OLG Düs­sel­dorf in einer aktu­el­len Ent­schei­dung zeig­te. Dabei sprach das OLG einer in den der Bene­dik­ti­ner-Abtei Maria Laach in der Eifel zuge­ord­ne­ten Werk­stät­ten gefer­tig­ten, etwa 6,5 cm hohen Bron­ze­sta­tu­et­te eines Engels Urhe­ber­rechts­schutz zu.

Irdi­scher Schutz für Engel

Die in einer Keve­lae­rer Kunst­gie­ße­rei gefer­tig­te und etwa 6 cm hohe Bron­ze­sta­tu­et­te eines Engels ver­letz­te das Urhe­ber­recht des Klä­gers. Die Beklag­te muss des­halb unter ande­rem über die Anzahl der ver­viel­fäl­tig­ten Exem­pla­re ihrer Engel­fi­gur Aus­kunft ertei­len und dem Klä­ger Scha­dens­er­satz gemäß der erteil­ten Aus­kunft zah­len. Das OLG führt zur Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung aus, die Beklag­te habe mit der Ver­viel­fäl­ti­gung und Ver­brei­tung ihrer Engel­fi­gur urhe­ber­recht­li­che Ver­wer­tungs­rech­te des Klä­gers ver­letzt. Die Engels­fi­gur des Klä­gers sei ein Werk der bil­den­den Kunst, des­sen Urhe­ber dafür Schutz nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz genie­ße.
Die Engel­fi­gur des Klä­gers sei eine per­sön­lich geis­ti­ge Schöp­fung ihres Gestal­ters. Der Schöp­fer der klä­ge­ri­schen Figur habe zum Aus­druck des Gedan­ken­in­halts der Über­mitt­lung einer gött­li­chen Bot­schaft durch einen hier­zu bestell­ten die­nen­den Geist eine künst­le­ri­sche Form gefun­den, die die Sin­ne des Betrach­ters den Gedan­ken­in­halt unmit­tel­bar wahr­neh­men las­se. Die Sta­tu­et­te brin­ge dank gro­ßer künst­le­ri­scher Kraft ihres Schöp­fers gestal­te­risch klar zum Aus­druck, was für den Ver­stand den Begriff eines Engels aus­ma­che. Die Aus­bil­dung der mit Flü­geln ver­se­he­nen mensch­li­chen Gestalt im Ein­zel­nen, beson­ders auch die Beklei­dung mit dem ? für Ordens­leu­te, nicht aber Engel typi­schen – Kapu­zen­man­tel und des­sen drei­ecks­för­mi­ge Öff­nung, sei eine gestal­te­ri­sche Leis­tung des Schöp­fers gera­de die­ser Figur. Der Sta­tu­et­te kom­me ein beträcht­li­cher ästhe­ti­scher Gehalt zu. Die Engel­fi­gur der Beklag­ten sei eine Nach­bil­dung der klä­ge­ri­schen. Sie ver­wirk­li­che deren wesent­li­che Form­ge­dan­ken und über­neh­me zahl­rei­che Gestal­tungs­ele­men­te des Klä­gers, aller­dings in gerin­ge­rer hand­werk­li­cher Qua­li­tät.

Ange­sichts der von der klä­ge­ri­schen Figur zahl­reich über­nom­me­nen Gestal­tungs­ele­men­te, die deren Gesamt­ein­druck ? wenn auch nicht in der aus­ge­prägt schlan­ken Aus­füh­rung ? im eige­nen Erzeug­nis klar ?durch­schei­nen? las­sen, kön­ne die Beklag­te ihre Sta­tu­et­te von der Figur des Klä­gers nicht mit Erfolg als Wie­der­ga­be der ?typi­schen Form eines ?dicken Engels?? abgren­zen, was immer dar­un­ter zu ver­ste­hen sein mag.

OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 30. Okto­ber 2007 ? I‑20 U 64/​07