Irre­füh­ren­de Wer­bung für Sili­kon­pads

Mit einer Wer­bung für Sili­kon­pads, die unter ande­rem zum Schutz vor Elek­tro­smog die­nen sol­len, hat­te sich aktu­ell das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he zu befas­sen:

Irre­füh­ren­de Wer­bung für Sili­kon­pads

Der Klä­ger ist ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein, zu des­sen sat­zungs­mä­ßi­gen Auf­ga­ben die Kon­trol­le der Ein­hal­tung der Rege­lun­gen des lau­te­ren Wett­be­werbs gehört. Die Beklag­te ver­treibt eso­te­ri­sche Gesund­heits­pro­duk­te, dar­un­ter Sili­kon­pads, die zur Abwehr von Elek­tro­smog und zur Ver­bes­se­rung von Spei­sen und Geträn­ken die­nen sol­len. Die Wir­kungs­wei­se basie­re auf sub­ti­len Ener­gi­en infor­mier­ter Mine­ra­li­en („Bio­nen-Ener­gie“). Die fla­chen ova­len Pads gegen Elek­tro­smog (2 x 2,5 cm) sol­len dazu auf den Kör­per auf­ge­legt oder in die Hosen­ta­sche gesteckt wer­den, die fla­chen run­den Pads zur Ver­bes­se­rung von Spei­sen und Geträn­ken (d = 9 oder 21cm) unter Glä­ser oder Tel­ler gelegt wer­den.

Die Klä­ge­rin hat im Ver­fah­ren der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung vor dem Land­ge­richt Kon­stanz bean­tragt, der Beklag­ten zu unter­sa­gen, im geschäft­li­chen Ver­kehr für die klei­nen Pads damit zu wer­ben, dass sie für ein Mehr an Vita­li­tät stün­den und aus­zu­füh­ren, dass im Zusam­men­hang mit einer stei­gen­den Belas­tung des mensch­li­chen Kör­pers durch Strah­len X‑pad ein klei­nes Pad sei, das zum Schutz vor die­ser Strah­lung die­nen sol­le. Hin­sicht­lich der grö­ße­ren Pads soll­te die Wer­bung unter­sagt wer­den, die­se könn­ten ein Bei­trag zur Ver­bes­se­rung der Qua­li­tät von Spei­sen und Geträn­ken leis­ten, sie sei­en dazu bestimmt, den ph-Wert posi­tiv zu beein­flus­sen, der Anzahl frei­er Radi­ka­le ent­ge­gen zu wir­ken, Was­ser opti­mal aus­zu­rich­ten und links­dre­hen­de Milch­säu­ren im Wan­del zu rechts­dre­hen­den Milch­säu­ren zu beein­flus­sen.

Das Land­ge­richt hat den Antrag zurück­ge­wie­sen. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he – Außen­se­nat in Frei­burg – der Beklag­ten die­se Wer­bung unter­sagt:

Die Wer­bung sei irre­füh­rend, so das OLG Karls­ru­he, sie ent­hal­te zur Täu­schung geeig­ne­te Anga­ben über die Wir­kung der X‑pads. Der ver­stän­di­ge und situa­ti­ons­ad­äquat auf­merk­sa­me Ver­brau­cher gewin­ne durch die­se Wer­bung den Ein­druck, allein durch kör­per­na­hes Tra­gen der Pads könn­ten die ange­prie­se­nen posi­ti­ven Wir­kun­gen bereits erreicht wer­den.

Die Wer­be­aus­sa­gen genüg­ten nicht den stren­gen Anfor­de­run­gen, die an die Rich­tig­keit, Ein­deu­tig­keit und Klar­heit gesund­heits­be­zo­ge­ner Wer­bung zu stel­len sei­en. Die Wer­bung bewe­ge sich im emp­find­li­chen Bereich des Heil­we­sens, der im Inter­es­se der öffent­li­chen Gesund­heit eine beson­de­re Regle­men­tie­rung von Wer­bung erfor­de­re. Wer gesund­heits­be­zo­ge­ne Wir­kungs­aus­sa­gen tref­fe, müs­se auf sub­stan­ti­ier­ten Angriff sei­nes Wett­be­wer­bers die Rich­tig­keit sei­ner Behaup­tung dar­le­gen und bewei­sen. Soweit der Wer­ben­de nicht dar­tun kön­ne, dass sein Wirk­ver­spre­chen wis­sen­schaft­lich abge­si­chert sei, habe er die behaup­te­te Wir­kung im einst­wei­li­gen Ver­fü­gungs­ver­fah­ren zumin­dest glaub­haft zu machen. Eine wis­sen­schaft­li­che, schul­me­di­zi­ni­sche Absi­che­rung ihres Ansat­zes behaup­tet die Beklag­te aber selbst nicht.

Die Irre­füh­rung wer­de auch nicht dadurch besei­tigt, dass die Wer­be­aus­sa­gen durch For­mu­lie­run­gen wie „soll“, „dazu bestimmt“, „kann“ rela­ti­viert wür­den. Auch die von der Beklag­ten vor­ge­nom­me­nen Hin­wei­se am Ende des jewei­li­gen Wer­be­tex­tes, auf die mit dem Zei­chen * ver­wie­sen wer­de, reich­ten nicht aus, eine Irre­füh­rung zu ver­hin­dern oder zu besei­ti­gen. Der Hin­weis am Ende des Tex­tes, der Ansatz sei dem Bereich Alter­na­tiv­me­di­zin zuzu­ord­nen und sei in der klas­si­schen Schul­me­di­zin bis­her wis­sen­schaft­lich nicht aner­kannt und gel­te nicht als bewie­sen, sei zu wenig kon­kret und für den umwor­be­nen Adres­sa­ten nicht aus­rei­chend nach­voll­zieh­bar. Ihm ste­he auch die sehr aus­führ­li­che Wer­bung der Beklag­ten sowie ihr Hin­weis auf die hin­ter den Pro­duk­ten ste­hen­de Wis­sen­schaft gegen­über. Zudem sug­ge­rie­re die beacht­li­che Preis­ge­stal­tung der Beklag­ten für die Pads (klei­nes Pad 98,- Euro, gro­ßes Pad 9 cm 98,- Euro, 21 cm 198,- Euro) eine ent­spre­chen­de Wert­hal­tig­keit und damit auch die Wir­kung des Pro­dukts.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 27.09.2012 – 4 U 163/​12