Ita­lie­ni­scher Pro­sec­co – ori­gi­nal als Deutsch­land

"Ita­lie­ni­scher Pro­sec­co" aus Deutsch­land – das geht nicht? Das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier meint: Geht doch!

Ita­lie­ni­scher Pro­sec­co – ori­gi­nal als Deutsch­land

In Deutsch­land aus ita­lie­ni­schem IGT-Wein her­ge­stell­ter Perl­wein darf nach zwei aktu­el­len Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier als „Vino friz­zan­te IGT“ in Ver­kehr gebracht wer­den. Bei ita­lie­ni­schem IGT-Wein han­delt es sich um einen Land­wein mit kon­trol­lier­ter Ursprungs­be­zeich­nung ("Indi­ca­zio­ne geo­gra­fi­ca tipi­ca"), eine 1992 ein­ge­führ­te, nach DOCG und DOC drit­te ita­lie­ni­sche Wein-Qua­li­täts­stu­fe.

In den bei­den jetzt vom Trie­rer Ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fäl­len hat­ten zwei Wein- und Sekt­kel­le­rei­en geklagt, die – in einem Fall seit 2001 – aus ita­lie­ni­schem Tafel­wein der Reb­sor­te Pro­sec­co mit der Anga­be „Indi­ca­zio­ne Geo­gra­fi­ca Tipi­ca (IGT)“ durch Zuset­zung von Koh­len­säu­re Perl­wein mit der Anga­be „Vino friz­zan­te IGT“ her­stel­len und in Ver­kehr brin­gen. Nach­dem der zustän­di­ge Wein­kon­trol­leur des beklag­ten Lan­des Rhein­land-Pfalz die­se Ver­fah­rens­wei­se im Herbst 2008 bean­stan­det hat­te, weil der Begriff „IGT“ eine geo­gra­fi­sche Ursprungs­be­zeich­nung dar­stel­le und die ent­spre­chen­den Pro­duk­te von daher nicht außer­halb des ursprüng­li­chen Staats­ge­biets her­ge­stellt wer­den dürf­ten, haben die Kel­le­rei­en im Kla­ge­we­ge die Fest­stel­lung begehrt, dass das beklag­te Land nicht berech­tigt ist, ihnen das In-Ver­kehr-Brin­gen ihrer Perl­wei­ne unter der Bezeich­nung „Vino friz­zan­te IGT“ zu unter­sa­gen.

Die Trie­rer Ver­wal­tungs­rich­ter gaben ihnen jetzt Recht. Nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts ver­stößt die Anga­be der Abkür­zung „IGT“ auf der Eti­ket­tie­rung nicht gegen das gel­ten­de Recht. Nach den Vor­schrif­ten der ein­schlä­gi­gen EG Ver­ord­nung Nr. 753/​2002 dürf­ten in der Gemein­schaft her­ge­stell­te Perl­wei­ne mit einer geo­gra­fi­schen Anga­be bezeich­net wer­den. Da inso­weit aus­drück­lich auf in der Gemein­schaft her­ge­stell­te Perl­wei­ne abge­stellt sei und dem zur Her­stel­lung von Perl­wein ver­wand­ten Grund­wein für die Qua­li­tät des Perl­weins erheb­li­che Bedeu­tung zukom­me, könn­ten die­se Vor­schrif­ten nur dahin­ge­hend ver­stan­den wer­den, dass sich die Fra­ge, ob ein Perl­wein mit geo­gra­fi­scher Anga­be vor­lie­ge, danach rich­te, wel­cher Wein zu sei­ner Her­stel­lung ver­wandt wor­den sei. Von der in der EG Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Mög­lich­keit, dass die Mit­glied­staa­ten Rege­lun­gen in Bezug auf die Ver­wen­dung geo­gra­fi­scher Begrif­fe tref­fen könn­ten, habe Ita­li­en kei­nen Gebrauch gemacht, sodass es nicht zu bean­stan­den sei, wenn Perl­wein, zu des­sen Her­stel­lung aus­schließ­lich ita­lie­ni­scher IGT-Tafel­wein ver­wandt wor­den sei, die Anga­be „IGT“ auf der Eti­ket­tie­rung tra­ge. Ver­wechs­lungs- und Irre­füh­rungs­ge­fah­ren bestün­den eben­falls nicht, da der von den Klä­gern ver­trie­be­ne Perl­wein unge­ach­tet des­sen, dass er in Deutsch­land her­ge­stellt wer­de, sei­nen Ursprung in Ita­li­en habe und der Her­kunft des bei der Her­stel­lung ver­wand­ten Weins für die Beur­tei­lung des end­gül­ti­gen Pro­dukts aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung zukom­me.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urtei­le vom 23. April 2009 – 5 K 826/​08.TR und 5 K 49/​09.TR