Anla­ge­be­ra­tung

Das Bun­des­ka­bi­nett hat ges­tern einen Gesetz­ent­wurf in das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ein­ge­bracht, der die Durch­setz­bar­keit von Ansprü­chen im Fall einer Falsch­be­ra­tung bei Wert­pa­pier­ge­schäf­ten refor­mie­ren sowie das Schuld­ver­schrei­bungs­ge­setz neu fas­sen soll. Der Gesetz­ent­wurf ent­hält im Wesent­li­chen fol­gen­de Rege­lun­gen:

Anla­ge­be­ra­tung

Bera­tungs- und Doku­men­ta­ti­ons­pflicht

Ban­ken wer­den künf­tig ver­pflich­tet, den Inhalt jeder Anla­ge­be­ra­tung zu pro­to­kol­lie­ren und dem Kun­den eine Aus­fer­ti­gung des Pro­to­kolls aus­zu­hän­di­gen. Der wesent­li­che Her­gang des Bera­tungs­ge­sprächs muss nach­voll­zieh­bar pro­to­kol­liert wer­den. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die Anga­ben und Wün­sche des Kun­den sowie die von Bera­ter erteil­ten Emp­feh­lun­gen und die für die­se Emp­feh­lun­gen maß­geb­li­chen Grün­de. Die Doku­men­ta­ti­ons­pflicht soll den Anla­ge­be­ra­ter zu höhe­rer Sorg­falt ver­an­las­sen, so dass ins­ge­samt die Qua­li­tät der Bera­tung erhöht wird. In einem Pro­zess wegen schlech­ter Bera­tung kann sich der Kun­den zudem auf das Bera­tungs­pro­to­koll beru­fen. Geht aus dem Pro­to­koll ein Bera­tungs­feh­ler her­vor, hat der Anle­ger das erfor­der­li­che Beweis­mit­tel in den Hän­den. Ist das Pro­to­koll lücken­haft oder in sich unschlüs­sig – zum Bei­spiel weil nach den Kun­den­an­ga­ben eine risi­ko­lo­se Anla­ge gewünscht war, aber tat­säch­lich eine hoch­ris­kan­te Anla­ge emp­foh­len wur­de – muss die Bank bewei­sen, dass sie gleich­wohl ord­nungs­ge­mäß bera­ten hat.

Abschaf­fung der kur­zen Son­der­ver­jäh­rungs­frist
Dane­ben wird die bestehen­de kur­ze Son­der­ver­jäh­rungs­frist bei Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen wegen Falsch­be­ra­tung bei Wert­pa­pier­an­la­gen gestri­chen. Künf­tig gilt auch für sol­che Ansprü­che die regel­mä­ßi­ge Ver­jäh­rung. Das bedeu­tet: Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen Falsch­be­ra­tung ver­jäh­ren nicht mehr in drei Jah­ren seit Ver­trags­schluss. Die Drei­jah­res­frist beginnt viel­mehr erst dann zu lau­fen, wenn der Anle­ger von dem Scha­den erfah­ren hat. Unab­hän­gig von der Kennt­nis des Anle­gers vom Scha­den ver­jäh­ren die Ansprü­che jedoch spä­tes­tens in zehn Jah­ren.

Neu­fas­sung des Schuld­ver­schrei­bungs­ge­set­zes

Im Übri­gen ent­hält das Gesetz eine Neu­fas­sung des Schuld­ver­schrei­bungs­ge­set­zes von 1899. Das alte Schuld­ver­schrei­bungs­ge­setz schränkt die Befug­nis­se der Gläu­bi­ger aus heu­ti­ger Sicht zu stark ein und ist ver­fah­rens­recht­lich ver­al­tet. Da die Märk­te für Schuld­ver­schrei­bun­gen inter­na­tio­nal gewor­den sind, soll das Schuld­ver­schrei­bungs­recht inter­na­tio­nal übli­chen Anfor­de­run­gen soweit wie mög­lich ange­passt wer­den. Die Neu­fas­sung stellt klar, dass Anlei­he­be­din­gun­gen von Schuld­ver­schrei­bun­gen inter­na­tio­nal übli­che Klau­seln über Mehr­heits­ent­schei­dun­gen der Anlei­he­gläu­bi­ger in einer Gläu­bi­ger­ver­samm­lung zur Ände­rung der Anlei­he­be­din­gun­gen ent­hal­ten dür­fen. Hier­zu wer­den zum Schutz der Schuld­ver­schrei­bungs­gläu­bi­ger ver­bind­li­che Min­dest­stan­dards auf­ge­stellt. Die Rech­te der Gläu­bi­ger sol­len gestärkt wer­den, indem ihre Befug­nis­se, mit Mehr­heit über die Anlei­he­be­din­gun­gen zu ent­schei­den, inhalt­lich erwei­tert wer­den. Zusätz­lich ent­hält der Gesetz­ent­wurf Vor­schrif­ten dar­über, wer stimm­be­rech­tigt ist, und führt die Mög­lich­keit eines gemein­sa­men Ver­tre­ters der Gläu­bi­ger ein. Die Ver­fah­rens­re­ge­lun­gen zur Ein­be­ru­fung, Frist, Bekannt­ma­chung von Gläu­bi­ger­ver­samm­lun­gen wer­den moder­ni­siert, die Anfech­tung von Gläu­bi­ger­be­schlüs­sen zuge­las­sen sowie die Mög­lich­keit einer vir­tu­el­len Gläu­bi­ger­ver­samm­lung ein­ge­führt.

Schließ­lich wird im Schuld­ver­schrei­bungs­ge­setz ein Trans­pa­renz­ge­bot hin­sicht­lich der in der Schuld­ver­schrei­bung ver­spro­che­nen Leis­tung ver­an­kert – auch dies hilft dem Anle­ger, mög­li­che Risi­ken aus einer Schuld­ver­schrei­bung bes­ser erken­nen zu kön­nen. Gera­de im Zusam­men­hang mit der Finanz­markt­kri­se hat sich gezeigt, dass vie­le Anle­ger die Risi­ken der teil­wei­se hoch­kom­ple­xen Pro­duk­te nicht hin­rei­chend ver­ste­hen.

Das Gesetz bedarf bei Ver­ab­schie­dung durch den Deut­schen Bun­des­tag nicht der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes. Ziel ist es, das par­la­men­ta­ri­sche Ver­fah­ren noch in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode abzu­schlie­ßen.