Alles kor­rekt beim 2. Tele­kom-Bör­sen­gang?

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt über die Rechts­be­schwer­den von Anle­gern und die Anschluss­rechts­be­schwer­de der Deut­schen Tele­kom AG gegen den Mus­ter­ent­scheid des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main vom 03.07.2013 [1] nach dem Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­rens­ge­setz (Kap­MuG) im Tele­kom-Ver­fah­ren zum „zwei­ten Bör­sen­gang“ ent­schie­den und Pro­spekt­feh­ler der Deut­schen Tele­kom AG ver­neint.

Alles kor­rekt beim 2. Tele­kom-Bör­sen­gang?

Gegen­stand des – im Zusam­men­hang mit den mas­sen­haft erho­be­nen Kla­gen von Aktio­nä­ren der Deut­schen Tele­kom AG – neu geschaf­fe­nen Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­rens kön­nen nur ver­all­ge­mei­ne­rungs­fä­hi­ge Vor­fra­gen zu den ein­zel­nen Aktio­närskla­gen sein. Im Mit­tel­punkt des Ver­fah­rens steht dabei die (Un)Richtigkeit des anläss­lich des soge­nann­ten „zwei­ten Bör­sen­gangs“ der Deut­schen Tele­kom AG her­aus­ge­ge­be­nen Ver­kaufs- und Bör­sen­zu­las­sungs­pro­spekts. Auf Grund­la­ge die­ses Pro­spekts wur­den im Jahr 1999 u.a. 250 Mil­lio­nen neue Stück­ak­ti­en aus einer im Juni 1999 erfolg­ten Kapi­tal­erhö­hung zum Bör­sen­han­del zuge­las­sen und von der Deut­schen Tele­kom AG öffent­lich zum Ver­kauf ange­bo­ten. Zudem dien­te der Pro­spekt dazu, über 1, 7 Mil­li­ar­den Akti­en aus dem Bestand der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) zum Bör­sen­han­del zuzu­las­sen. Nach­dem der Kurs der Akti­en stark gefal­len war, kam es ab dem Jahr 2001 zu zahl­rei­chen Kla­gen gegen die Deut­sche Tele­kom AG, die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die KfW und einen Teil der Kon­sor­ti­al­ban­ken.

Im Mus­ter­ver­fah­ren vor dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main haben der Mus­ter­klä­ger und die auf sei­ner Sei­te Bei­ge­la­de­nen eine Viel­zahl von Pro­spekt­feh­lern gel­tend gemacht. Die Mus­ter­be­klag­ten – die Deut­sche Tele­kom AG, die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, die KfW und eine in den Aus­gangs­ver­fah­ren ver­klag­te Kon­sor­ti­al­bank – haben das Vor­lie­gen eines Pro­spekt­feh­lers in Abre­de gestellt und sich auf Ver­jäh­rung beru­fen. Das Ober­lan­des­ge­richt hat über die ihm durch mehr­fach berich­tig­ten und ergänz­ten Vor­la­ge­be­schluss des Land­ge­richts vor­ge­leg­ten Fra­gen und über die mit Erwei­te­rungs­be­schluss des Ober­lan­des­ge­richts ein­be­zo­ge­nen Fest­stel­lungs­zie­le durch Mus­ter­ent­scheid vom 3. Juli 2013 [1] ent­schie­den. Einen Pro­spekt­feh­ler hat es nicht fest­ge­stellt. Fest­stel­lun­gen hat es ledig­lich zu Teil­aspek­ten, wie zur Pro­spekt­ver­ant­wort­lich­keit der Deut­schen Tele­kom AG, zu Ver­jäh­rungs­fra­gen, zur Dar­le­gungs- und Beweis­last und zum Adres­sa­ten­kreis des Pro­spekts getrof­fen. Im Übri­gen hat es die bean­trag­ten Fest­stel­lun­gen nicht getrof­fen.

Gegen den Mus­ter­ent­scheid haben 36 Bei­ge­la­de­ne Rechts­be­schwer­de ein­ge­legt. Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied nun, dass das Ober­lan­des­ge­richt die gerüg­ten Pro­spekt­feh­ler zu Recht ver­neint hat. Ins­be­son­de­re berich­tet der Pro­spekt zutref­fend und voll­stän­dig über das Immo­bi­li­en­ver­mö­gen der Deut­schen Tele­kom AG mit mehr als 12.000 Grund­stü­cken und etwa 33.000 bau­li­chen Anla­gen. Auf­grund einer umfas­sen­den tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung ist das Ober­lan­des­ge­richt rechts­feh­ler­frei davon aus­ge­gan­gen, dass der Wert des Immo­bi­li­en­ver­mö­gens im Pro­spekt nicht wesent­lich zu hoch ange­ge­ben wor­den war. Der Pro­spekt­feh­ler, den der XI. Zivil­se­nat in dem anläss­lich des „drit­ten Bör­sen­gangs“ der Deut­schen Tele­kom AG im Jahr 2000 her­aus­ge­ge­be­nen Ver­kaufs­pro­spekt fest­ge­stellt hat [2], betraf einen zeit­lich nach­fol­gen­den Geschäfts­vor­fall, der im hier ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Pro­spekt zum „zwei­ten Bör­sen­gang“ noch kei­ne Rol­le spiel­te.

Damit steht für alle Aus­gangs­ver­fah­ren bin­dend fest, dass aus den betref­fend den Pro­spekt des „zwei­ten Bör­sen­gangs“ gerüg­ten Unvoll­stän­dig­kei­ten und Unrich­tig­kei­ten kei­ne Pro­spekt­haf­tungs­an­sprü­che gemäß §§ 45 ff. BörsG aF i.V.m. § 13 Ver­k­Pro­spG aF und kei­ne delik­ti­schen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che her­ge­lei­tet wer­den kön­nen.

Auf wei­te­re Fra­gen zur Dar­le­gungs- und Beweis­last, zur Ver­jäh­rung, zum Adres­sa­ten­kreis des Pro­spekts und zur Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on, die dem Ober­lan­des­ge­richt zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt wor­den waren und zu denen es eben­falls Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, wird es in den Aus­gangs­ver­fah­ren daher nicht mehr ent­schei­dungs­er­heb­lich ankom­men. Aus die­sem Grun­de hat der XI. Zivil­se­nat die dazu getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen auf die Rechts­be­schwer­den der Bei­ge­la­de­nen und die Anschluss­rechts­be­schwer­de der Deut­schen Tele­kom AG auf­ge­ho­ben und den Vor­la­ge­be­schluss inso­weit für gegen­stands­los erklärt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Novem­ber 2016 – XI ZB 9/​13

  1. OLG Frank­furt am Main, Beschluss vom 03.07.2013 – 23 Kap 2/​06[][]
  2. BGH, Beschluss vom 21.10.2014 – XI ZB 12/​12, BGHZ 203, 1[]