Auf­klä­rungs­feh­ler des Anla­ge­ver­mitt­lers – und der Ver­jäh­rungs­be­ginn

Für die ver­jäh­rungs­recht­li­che Beur­tei­lung der Kennt­nis bezie­hungs­wei­se grob fahr­läs­si­gen Unkennt­nis des Gläu­bi­gers von den sei­nen Anspruch begrün­den­den Umstän­den ist gemäß § 199 Abs. 1 BGB im Hin­blick auf Auf­klä­rungs­feh­ler bei der Ver­mitt­lung von Kapi­tal­an­la­gen jede ein­zel­ne Pflicht­ver­let­zung getrennt zu prü­fen und jede Pflicht­ver­let­zung ver­jäh­rungs­recht­lich selb­stän­dig zu behan­deln ist1.

Auf­klä­rungs­feh­ler des Anla­ge­ver­mitt­lers – und der Ver­jäh­rungs­be­ginn

Dies setzt aber vor­aus, dass der Anle­ger zu den Pflicht­ver­let­zun­gen bezie­hungs­wei­se Pro­spekt­feh­lern, auf die er sei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch maß­geb­lich stützt, kon­kret vor­trägt und der Ver­mitt­ler dar­auf bezo­gen die inso­weit kennt­nis­be­grün­den­den Umstän­de im Ein­zel­nen dar­le­gen kann.

Vor­lie­gend beruft sich die Anle­ge­rin auf eine feh­len­de Plau­si­bi­li­täts­prü­fung und die Ver­mitt­lung einer höchst ris­kan­ten und unge­eig­ne­ten Anla­ge sowie auf den unter­las­se­nen Hin­weis bezüg­lich der ihren Anga­ben zufol­ge feh­len­den Prü­fung durch den Anla­ge­ver­mitt­ler. Es ist es aber nicht Sache des Anla­ge­ver­mitt­lers, im Ein­zel­nen dar­zu­stel­len, wann und durch wen die Anle­ge­rin Kennt­nis von wel­chen Risi­ken der Anla­ge erlangt hat, wenn nicht zuvor sie selbst die­se Risi­ken kon­kret benennt und gege­be­nen­falls beweist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. März 2017 – III ZR 139/​15

  1. vgl. nur BGH, Urteil vom 02.07.2015 – III ZR 149/​14, NJW 2015, 2956, 2957 Rn. 14 mwN