Auf­klä­rungs­pflicht über Kick­back-Zah­lun­gen seit 1990

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in einem aktu­el­len Urteil fest­ge­stellt, dass Kre­dit­in­sti­tu­te die ihnen oblie­gen­de Pflicht zur Auf­klä­rung über soge­nann­te Rück­ver­gü­tun­gen bereits ab dem Jahr 1990 schuld­haft ver­letzt haben.

Auf­klä­rungs­pflicht über Kick­back-Zah­lun­gen seit 1990

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te über die Fra­ge zu ent­schei­den, ab wel­chem Zeit­punkt für Kre­dit­in­sti­tu­te die ihnen oblie­gen­de Ver­pflich­tung zur Auf­klä­rung über sog. Rück­ver­gü­tun­gen erkenn­bar sein muss­te und sie des­halb im Fal­le einer Nicht­auf­klä­rung ein Ver­schul­den trifft. Eine Rück­ver­gü­tung liegt vor, wenn die bera­ten­de Bank, die Fonds­an­tei­le emp­fiehlt, von den Aus­ga­be­auf­schlä­gen und Ver­wal­tungs­kos­ten der Fonds­ge­sell­schaf­ten, die der Bank­kun­de an die Fonds­ge­sell­schaft zu zah­len hat, hin­ter dem Rücken des Kun­den von der Fonds­ge­sell­schaft einen Teil als Pro­vi­si­on rück­ver­gü­tet erhält, so dass die­se ein für den Kun­den nicht erkenn­ba­res Inter­es­se dar­an hat, gera­de die­se Betei­li­gung zu emp­feh­len.

In dem zugrun­de lie­gen­den Fall begehrt der Klä­ger von der beklag­ten Spar­kas­se Scha­dens­er­satz wegen feh­ler­haf­ter Anla­ge­be­ra­tung. Er zeich­ne­te auf Emp­feh­lung der Beklag­ten in den Jah­ren 1997 und 1998 meh­re­re Fonds­be­tei­li­gun­gen, wobei die Beklag­te den Klä­ger nicht im Ein­zel­nen dar­über auf­klär­te, dass bzw. in wel­cher Höhe ihr dabei die von dem Anle­ger an die Fonds­ge­sell­schaf­ten gezahl­ten Aus­ga­be­auf­schlä­ge als sog. Rück­ver­gü­tun­gen zurück­flos­sen. Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und die Revi­si­on nicht zuge­las­sen [1].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat hier­ge­gen gerich­te­te die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zurück­ge­wie­sen, weil die Rechts­sa­che weder grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat­te noch eine Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts zur Fort­bil­dung des Rechts oder der Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung erfor­der­lich war. Es war nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Ober­lan­des­ge­richt Hamm einen unver­meid­ba­ren Rechts­irr­tum der inso­weit dar­le­gungs- und beweis­pflich­ti­gen Beklag­ten über Bestehen und Umfang einer Auf­klä­rungs­pflicht über die Zah­lung von Rück­ver­gü­tun­gen und deren Höhe für den hier maß­geb­li­chen Zeit­punkt ver­neint hat. Viel­mehr war für Kre­dit­in­sti­tu­te bereits auf der Grund­la­ge von zwei Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hofs aus den Jah­ren 1989 und 1990 eine ent­spre­chen­de Auf­klä­rungs­pflicht erkenn­bar, so dass die Ver­let­zung der Hin­weis­pflicht als schuld­haft anzu­se­hen ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Juni 2010 – XI ZR 308/​09

  1. OLG Hamm, Urteil vom 23.09.2009 – 31 U 31/​09[]