Auf­klä­rungs­pflich­ten im Anla­ge­pro­spekt – und das Risi­ko pflicht­wid­ri­gen Han­delns

Es muss nicht über jedes Risi­ko auf­ge­klärt wer­den, son­dern nur über sol­che Risi­ken, mit deren Ver­wirk­li­chung ernst­haft zu rech­nen ist oder die jeden­falls nicht nur ganz ent­fernt lie­gen 1.

Auf­klä­rungs­pflich­ten im Anla­ge­pro­spekt – und das Risi­ko pflicht­wid­ri­gen Han­delns

Das all­ge­mei­ne Risi­ko, dass die Ver­wirk­li­chung des Anla­ge­kon­zepts bei pflicht­wid­ri­gem Han­deln der ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen gefähr­det ist, kann als dem Anle­ger bekannt vor­aus­ge­setzt wer­den und bedarf grund­sätz­lich kei­ner beson­de­ren Auf­klä­rung.

Pflicht­ver­let­zun­gen sind regel­mä­ßig kein spe­zi­fi­sches Risi­ko der Kapi­tal­an­la­ge 2.

Ein Pro­spekt­feh­ler durch die feh­len­de Auf­klä­rung über das in der mög­li­cher­wei­se feh­ler­haf­ten Wider­rufs­be­leh­rung lie­gen­de recht­li­che Risi­ko sowie das von den Klä­gern gese­he­ne Risi­ko, jeder­zeit Abfin­dungs­gut­ha­ben für aus­schei­den­de Gesell­schaf­ter aus­zu­zah­len, schei­det aus. Eine Ver­pflich­tung, bei Ver­wen­dung einer unzu­rei­chen­den Wider­rufs­be­leh­rung dar­über auf­zu­klä­ren, dass dies so ist und dass hier­durch Risi­ken recht­li­cher und wirt­schaft­li­cher Art aus­ge­löst wer­den kön­nen, ist nicht denk­bar. Vor­ran­gig wäre dem­ge­gen­über stets die Ver­pflich­tung, sol­che For­mu­lie­run­gen nicht zu ver­wen­den.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 6. August 2015 – 34 U 155/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 23.07.2013 – II ZR 143/​12 12[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 11.12.2014 – III ZR 365/​13; OLG Köln, Urteil vom 05.03.2015 – 24 U 159/​14, spe­zi­ell zur Fra­ge der Auf­klä­rung zu §§ 30, 31 GmbHG[]