Aus­kunfts­pflicht des Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leurs – und der Streit­wert

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist bei der Bewer­tung des Zeit­auf­wands für die Ertei­lung einer Aus­kunft durch einen Rechts­an­walt eine Stun­den­ver­gü­tung von 100 bis 150 Euro ange­mes­sen, wenn sich die gefor­der­te Aus­kunft auf des­sen beruf­li­che Tätig­keit bezieht 1. Ob die­se Recht­spre­chung auch auf Steu­er­be­ra­ter und Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten über­tra­gen wer­den kann, bleibt wei­ter offen.

Aus­kunfts­pflicht des Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leurs – und der Streit­wert

Die Bewer­tung des Zeit­auf­wands eines Berufs­trä­gers für die Ertei­lung einer Aus­kunft in Berufs­an­ge­le­gen­hei­ten ist nur dann ent­schei­dend, wenn der Auf­wand bei ihm selbst ent­steht, die für die Ertei­lung der Aus­kunft erfor­der­li­chen Tätig­kei­ten also von dem Berufs­trä­ger per­sön­lich aus­ge­führt wer­den müs­sen und aus­ge­führt wer­den. Soweit dage­gen die Ein­schal­tung von Hilfs­kräf­ten aus­reicht, kann nur der hier­für ent­ste­hen­de Auf­wand ange­setzt wer­den 2.

Dies ist bei einer Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leu­rin jeden­falls wei­test­ge­hend der Fall. Die­se kann die Arbei­ten zur Ertei­lung der Aus­künf­te auf ange­stell­tes Hilfs­per­so­nal dele­gie­ren. Ande­res könn­te allen­falls für die der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leu­rin auf­er­leg­te Ver­pflich­tung zur Abga­be der Erklä­rung gel­ten, "dass bei der Mit­tel­frei­ga­be … die … Grund­sät­ze der Mit­tel­frei­ga­be ein­ge­hal­ten wur­den." Hier­zu mag die Tätig­keit eines Steu­er­be­ra­ters not­wen­dig sein. Es ist jedoch nicht ersicht­lich und wird auch von der Beschwer­de nicht gel­tend gemacht, dass hier­für ein Zeit­auf­wand erfor­der­lich ist, der unter Berück­sich­ti­gung eines Stun­den­sat­zes von 100 bis 150 € und der übri­gen Tätig­kei­ten, die Hilfs­kräf­ten über­las­sen wer­den kön­nen, zu einer höhe­ren Beschwer der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leu­rin als 600 € führt.

Auch die Fra­ge, ob bei der Bemes­sung der Beschwer eines der Ver­schwie­gen­heits­pflicht unter­lie­gen­den Berufs­trä­gers zu berück­sich­ti­gen ist, dass er sei­ne Aus­kunfts­ver­pflich­tung nur unter Ver­let­zung der Ver­schwie­gen­heits­pflicht gegen­über ande­ren Man­dan­ten erfül­len kann, ist bereits höchst­rich­ter­lich geklärt. Der Bun­des­ge­richts­hof hat hier­zu in sei­nem Urteil vom 10.02.2011 3 ent­schie­den, dass das aus § 43a Abs. 2 BRAO fol­gen­de Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se als Fern­wir­kung nicht nur für den Streit­ge­gen­stand und die dar­an zu ori­en­tie­ren­de Bemes­sung des Streit­werts, son­dern glei­cher­ma­ßen für die Beschwer außer Betracht bleibt. Wei­ter hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­ge­führt, dass der Rechts­an­walt durch die Ertei­lung der ihm abver­lang­ten Aus­kunft im Ver­hält­nis zu sei­ner Man­dant­schaft ohne­hin kei­ne Nach­tei­le zu befürch­ten habe, weil er hier­zu – auch im Hin­blick auf § 43a Abs. 2 BRAO – infol­ge der Ver­ur­tei­lung berech­tigt sei. Für das von der Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leu­rin gel­tend gemach­te Geheim­hal­tungs­in­ter­es­se auf Grund ihrer Ver­schwie­gen­heits­pflicht als Steu­er­be­ra­ter (§ 57 Abs. 1 StBerG) gilt nichts ande­res.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. Janu­ar 2016 – III ZB 112/​15

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 11.02.2008 – II ZR 314/​06, BeckRS 2008, 04202 Rn. 5 f; vom 22.03.2010 – II ZR 75/​09, NJW-RR 2010, 786 Rn. 6; und vom 28.09.2011 – IV ZR 250/​10, BeckRS 2011, 29729 Rn. 9[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.02.2012 – III ZR 301/​11, NJW-RR 2012, 888, Rn. 6; BGH, Beschluss vom 11.02.2008 aaO Rn. 4[]
  3. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – III ZR 338/​09, NJW 2011, 926 Rn. 11[]