Bear­bei­tungs­ent­gel­te für Pri­vat­kre­di­te

Vor­for­mu­lier­te Bestim­mun­gen über ein Bear­bei­tungs­ent­gelt in Dar­le­hens­ver­trä­gen zwi­schen einem Kre­dit­in­sti­tut und einem Ver­brau­cher sind unwirk­sam.

Bear­bei­tungs­ent­gel­te für Pri­vat­kre­di­te

In einem der bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof zu die­ser Fra­ge ent­schie­de­nen Rechts­strei­te 1 mach­te der kla­gen­de Ver­brau­cher­schutz­ver­ein gegen­über der beklag­ten Bank im Wege der Unter­las­sungs­kla­ge die Unwirk­sam­keit der im Preis­aus­hang der Beklag­ten für Pri­vat­kre­di­te ent­hal­te­nen Klau­sel "Bear­bei­tungs­ent­gelt ein­ma­lig 1%" gel­tend. Die Unter­las­sungs­kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt Dort­mund 2 und dem Ober­lan­des­ge­richt Hamm 3 erfolg­reich gewe­sen, der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te nun die­se Ent­schei­dun­gen und ver­warf die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Bank.

In dem zwei­ten jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit 4 begeh­ren die Klä­ger als Dar­le­hens­neh­mer von der beklag­ten Bank aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung die Rück­zah­lung des von der Beklag­ten beim Abschluss eines Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trags berech­ne­ten Bear­bei­tungs­ent­gelts. Die Par­tei­en schlos­sen im März 2012 einen Online-Dar­le­hens­ver­trag. Dazu hat­ten die Klä­ger die von der Beklag­ten vor­ge­ge­be­ne und auf deren Inter­net­sei­te ein­ge­stell­te Ver­trags­mas­ke aus­ge­füllt, die u. a. fol­gen­den Abschnitt ent­hielt: "Bear­bei­tungs­ent­gelt EUR…
Das Bear­bei­tungs­ent­gelt wird für die Kapi­tal­über­las­sung geschul­det. Das Ent­gelt wird mit­fi­nan­ziert und ist Bestand­teil des Kre­dit­nenn­be­tra­ges. Es wird bei der Aus­zah­lung des Dar­le­hens oder eines ers­ten Dar­le­hens­be­tra­ges fäl­lig und in vol­ler Höhe ein­be­hal­ten."

Die Höhe des Bear­bei­tungs­ent­gelts war von der beklag­ten Bank sodann mit 1.200 € berech­net und in das Ver­trags­for­mu­lar ein­ge­setzt wor­den. Die auf Rück­zah­lung die­ses Betra­ges nebst ent­gan­ge­nem Gewinn, Ver­zugs­zin­sen und Ersatz der Rechts­an­walts­kos­ten gerich­te­te Kla­ge ist – bis auf einen klei­nen Teil der Zin­sen – eben­falls in den Vor­in­stan­zen vor dem Amts­ge­richt und dem Land­ge­richt Bonn erfolg­reich gewe­sen 5. Auch hier bestä­tig­te der Bun­des­ge­richts­hof die Bon­ner Ent­schei­dun­gen und ver­warf die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der Bank.

Die jeweils in Streit ste­hen­den Bestim­mun­gen über das Bear­bei­tungs­ent­gelt unter­lie­gen der gericht­li­chen Inhalts­kon­trol­le gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB und hal­ten die­ser nicht stand:

In bei­den Ver­fah­ren han­delt es sich bei der jeweils streit­ge­gen­ständ­li­chen Rege­lung um eine – von der beklag­ten Bank gestell­te – All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung im Sin­ne von § 307 BGB. Dafür ist aus­rei­chend, wenn das Ent­gelt, wie dies hier nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts beim Abschluss der Online-Dar­le­hens­ver­trä­ge der Fall war, zum Zwe­cke künf­ti­ger wie­der­hol­ter Ein­be­zie­hung in Ver­trags­tex­te "im Kopf" des Kre­dit­in­sti­tuts als Klau­sel­ver­wen­der gespei­chert ist, anhand der Daten des indi­vi­du­el­len Dar­le­hens­ver­tra­ges errech­net und sodann in ein Leer­feld in der Ver­trags­ur­kun­de ein­ge­setzt wird.

Die bei­den bean­stan­de­ten Ent­gelt­klau­seln stel­len fer­ner kei­ne gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB kon­troll­frei­en Preis­ab­re­den, son­dern viel­mehr der Inhalts­kon­trol­le zugäng­li­che Preis­ne­ben­ab­re­den dar. Aus­ge­hend von der jeweils aus­drück­li­chen Bezeich­nung als "Bear­bei­tungs­ent­gelt" haben die Beru­fungs­ge­rich­te aus der maß­geb­li­chen Sicht eines recht­lich nicht gebil­de­ten Durch­schnitts­kun­den rechts­feh­ler­frei ange­nom­men, die beklag­ten Ban­ken ver­lang­ten ein zusätz­li­ches Ent­gelt zur Abgel­tung ihres Bear­bei­tungs­auf­wan­des im Zusam­men­hang mit der Kre­dit­ge­wäh­rung und der Aus­zah­lung der Dar­le­hens­va­lu­ta; dass im zwei­ten Ver­fah­ren 4 aus­weis­lich des Dar­le­hens­ver­tra­ges das Bear­bei­tungs­ent­gelt für die "Kapi­tal­über­las­sung" geschul­det wird, steht dem bei der gebo­te­nen kun­den­feind­lichs­ten Aus­le­gung nicht ent­ge­gen.

Gemes­sen hier­an ist das Bear­bei­tungs­ent­gelt weder kon­troll­freie Preis­haupt­ab­re­de für die ver­trag­li­che Haupt­leis­tung noch Ent­gelt für eine Son­der­leis­tung der Beklag­ten. Beim Dar­le­hens­ver­trag stellt der gemäß § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB** vom Dar­le­hens­neh­mer zu zah­len­de Zins den lauf­zeit­ab­hän­gi­gen Preis für die Kapi­tal­nut­zung dar; aus Vor­schrif­ten des Geset­zes- und Ver­ord­nungs­rechts – ins­be­son­de­re soweit dar­in neben Zin­sen von "Kos­ten" die Rede ist – ergibt sich nichts Abwei­chen­des. Mit einem lauf­zeit­un­ab­hän­gi­gen Ent­gelt für die "Bear­bei­tung" eines Dar­le­hens wird indes gera­de nicht die Gewäh­rung der Kapi­tal­nut­zungs­mög­lich­keit "bepreist". Das Bear­bei­tungs­ent­gelt stellt sich auch nicht als Ver­gü­tung für eine sons­ti­ge, recht­lich selb­stän­di­ge, geson­dert ver­gü­tungs­fä­hi­ge Leis­tung der Beklag­ten dar. Viel­mehr wer­den damit ledig­lich Kos­ten für Tätig­kei­ten (wie etwa die Zur­ver­fü­gung­stel­lung der Dar­le­hens­sum­me, die Bear­bei­tung des Dar­le­hens­an­tra­ges, die Prü­fung der Kun­den­bo­ni­tät, die Erfas­sung der Kun­den­wün­sche und Kun­den­da­ten, die Füh­rung der Ver­trags­ge­sprä­che oder die Abga­be des Dar­le­hens­an­ge­bo­tes) auf die Kun­den der Beklag­ten abge­wälzt, die die Beklag­ten im eige­nen Inter­es­se erbrin­gen oder auf Grund bestehen­der eige­ner Rechts­pflich­ten zu erbrin­gen haben.

Der danach eröff­ne­ten Inhalts­kon­trol­le hal­ten die strei­ti­gen Klau­seln nicht stand. Sie sind viel­mehr unwirk­sam, weil die Erhe­bung eines lauf­zeit­un­ab­hän­gi­gen Ent­gelts für die Bear­bei­tung eines Ver­brau­cher­dar­le­hens mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung unver­ein­bar ist und die Kun­den der Beklag­ten ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt. Nach dem gesetz­li­chen Leit­bild des § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB haben die Beklag­ten anfal­len­de Kos­ten für die Kre­dit­be­ar­bei­tung und ‑aus­zah­lung durch den lauf­zeit­ab­hän­gig bemes­se­nen Zins zu decken und kön­nen dane­ben kein lauf­zeit­un­ab­hän­gi­ges Bear­bei­tungs­ent­gelt ver­lan­gen. Grün­de, die die ange­grif­fe­nen Klau­seln bei der gebo­te­nen umfas­sen­den Inter­es­sen­ab­wä­gung gleich­wohl als ange­mes­sen erschei­nen las­sen, haben die Beklag­ten weder dar­ge­tan noch sind sol­che ersicht­lich. Ins­be­son­de­re ver­mö­gen bank­be­triebs­wirt­schaft­li­che Erwä­gun­gen die Erhe­bung eines lauf­zeit­un­ab­hän­gi­gen Bear­bei­tungs­ent­gelts nicht zu recht­fer­ti­gen, zumal mit einem lauf­zeit­un­ab­hän­gi­gen Bear­bei­tungs­ent­gelt in Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trä­gen nicht bloß uner­heb­li­che Nach­tei­le für die Kun­den bei der Ver­trags­ab­wick­lung ver­bun­den sind.

Ver­fas­sungs­recht­li­che Erwä­gun­gen ste­hen der Annah­me, Bear­bei­tungs­ent­gel­te in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen sei­en unwirk­sam, eben­so wenig ent­ge­gen wie das Uni­ons­recht einem AGB-recht­li­chen Ver­bot for­mu­lar­mä­ßig erho­be­ner Bear­bei­tungs­ent­gel­te Gren­zen setzt.

Im zwei­ten Ver­fah­ren 4 hat der Bun­des­ge­richts­hof – inso­weit über den Streit­stoff der dem ers­ten Ver­fah­ren 1 zugrun­de lie­gen­den Unter­las­sungs­kla­ge hin­aus­ge­hend – wei­ter aus­ge­führt, dass der dor­ti­gen Beklag­ten auch nicht im Wege ergän­zen­der Ver­trags­aus­le­gung ein Anspruch auf Zah­lung des nicht wirk­sam ver­ein­bar­ten Bear­bei­tungs­ent­gelts gegen die Klä­ger zuge­bil­ligt wer­den kann. Zudem ist der im zwei­ten Ver­fah­ren 4 streit­ge­gen­ständ­li­che Berei­che­rungs­an­spruch der dor­ti­gen Klä­ger nicht gemäß § 814 Fall 1 BGB aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 13. Mai 2014 – XI ZR 405/​12 und XI ZR 170/​13

  1. BGH – XI ZR 405/​12[][]
  2. LG Dort­mund, Urteil vom 03.02.2012 – 25 O 519/​11[]
  3. OLG Hamm – Urteil vom 17.09.2012 – 31 U 60/​12[]
  4. BGH – XI ZR 170/​13[][][][]
  5. AG Bonn, Urteil vom 30.10.2012 – 108 C 271/​12; LG Bonn, Urteil vom 16.04.2013 – 8 S 293/​12[]