Bear­bei­tungs­ge­bühr für gewerb­li­che Dar­le­hen

Auch ein Unter­neh­mer kann nach § 812 Abs. 1 Satz 1 Fall 1 BGB einen Anspruch gegen die Dar­le­hens­ge­be­rin auf Erstat­tung der als "ein­ma­li­ge Bear­bei­tungs­ge­bühr" erbrach­ten Leis­tung gel­tend machen, weil die ent­spre­chen­de Klau­sel in dem Dar­le­hens­ver­trag den Dar­le­hens­neh­mer ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt (§ 307 Abs. 1 Satz 1 BGB).

Bear­bei­tungs­ge­bühr für gewerb­li­che Dar­le­hen

Bei die­ser vom Dar­le­hens­neh­mer bean­stan­de­ten Klau­sel han­delt es sich um eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung, die nicht nach § 305 Abs. 1 Satz 3 BGB aus­ge­han­delt wur­de.

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen sind alle für eine Viel­zahl von Ver­trä­gen vor­for­mu­lier­ten Ver­trags­be­din­gun­gen, die eine Ver­trags­par­tei (Ver­wen­der) der ande­ren Ver­trags­par­tei bei Abschluss eines Ver­trags stellt (§ 305 Abs. 1 Satz 1 BGB). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier gege­ben.

Vor­for­mu­liert sind Ver­trags­be­din­gun­gen, wenn sie für eine mehr­fa­che Ver­wen­dung schrift­lich auf­ge­zeich­net oder in sons­ti­ger Wei­se fixiert sind. Dabei ist uner­heb­lich, ob bei Abschluss von Dar­le­hens­ver­trä­gen regel­mä­ßig ein Bear­bei­tungs­ent­gelt in Höhe fest­ge­leg­ter Pro­zent­sät­ze ver­langt oder das Ent­gelt im Ein­zel­fall anhand der Daten des kon­kre­ten Dar­le­hens­ver­tra­ges nach bestimm­ten Vor­ga­ben errech­net wird 1.

Danach hat der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall die strei­ti­ge Rege­lung als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung ein­ge­ord­net. Die ange­grif­fe­ne Klau­sel fin­det sich in einem von der Bank ver­wen­de­ten For­mu­lar und wur­de in sich ledig­lich hin­sicht­lich des Betrags unter­schei­den­den Fas­sun­gen in acht Dar­le­hens­ver­trä­gen ver­wen­det.

Die Klau­sel war auch vor­lie­gend nicht indi­vi­du­ell aus­ge­han­delt wor­den.

All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen lie­gen nicht vor, soweit die Ver­trags­be­din­gun­gen zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en im Ein­zel­nen aus­ge­han­delt sind (§ 305 Abs. 1 Satz 3 BGB). Aus­han­deln bedeu­tet mehr als blo­ßes Ver­han­deln. Von einem Aus­han­deln in die­sem Sin­ne kann nur dann gespro­chen wer­den, wenn der Ver­wen­der zunächst den in sei­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­hal­te­nen geset­zes­frem­den Kern­ge­halt, also die den wesent­li­chen Inhalt der gesetz­li­chen Rege­lung ändern­den oder ergän­zen­den Bestim­mun­gen, inhalt­lich ernst­haft zur Dis­po­si­ti­on stellt und dem Ver­hand­lungs­part­ner Gestal­tungs­frei­heit zur Wah­rung eige­ner Inter­es­sen ein­räumt mit zumin­dest der effek­ti­ven Mög­lich­keit, die inhalt­li­che Aus­ge­stal­tung der Ver­trags­be­din­gun­gen zu beein­flus­sen. Er muss sich also deut­lich und ernst­haft zur gewünsch­ten Ände­rung ein­zel­ner Klau­seln bereit erklä­ren. Die ent­spre­chen­den Umstän­de hat der Ver­wen­der dar­zu­le­gen 2. In der Regel schlägt sich das Aus­han­deln in Ände­run­gen des vor­for­mu­lier­ten Tex­tes nie­der. Die all­ge­mein geäu­ßer­te Bereit­schaft, belas­ten­de Klau­seln abzu­än­dern, genügt nicht 3. Die­se Anfor­de­run­gen gel­ten auch im Rechts­ver­kehr zwi­schen Unter­neh­mern 4.

Die­se Vor­aus­set­zun­gen waren hier schon nach dem Vor­trag der Bank nicht erfüllt. Denn hier­aus lässt sich nicht ent­neh­men, dass die Bank die Bear­bei­tungs­ge­bühr als sol­che zur Dis­po­si­ti­on gestellt hat. Zwar hat die Bank behaup­tet, die Erhe­bung der Gebühr sei ins­ge­samt ver­han­del­bar gewe­sen und es sei nur der per­sön­li­chen Ver­hand­lungs­füh­rung sowie den wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen des Dar­le­hens­neh­mers geschul­det gewe­sen, dass er von die­ser Mög­lich­keit kei­nen Gebrauch gemacht habe. Damit ist aber nicht dar­ge­tan, dass die Bank deut­lich und ernst­haft ihre Ver­hand­lungs­be­reit­schaft erklärt hat. Dem ent­spricht, dass nach dem Vor­trag der Bank die ent­spre­chen­de Bear­bei­tungs­ge­bühr in kei­nem der von bei­den Par­tei­en abge­schlos­se­nen Dar­le­hens­ver­trä­ge abbe­dun­gen wor­den ist 5. Dass die Bear­bei­tungs­ge­bühr nicht in allen dort vor­lie­gen­den Ver­fah­ren gleich hoch war, deu­tet allen­falls auf eine Ver­hand­lungs­be­reit­schaft der Bank zur Höhe der Gebühr, nicht aber hin­sicht­lich deren Anfalls hin.

Die Ver­ein­ba­rung der Bear­bei­tungs­ge­bühr stellt eine Preis­ne­ben­ab­re­de dar. Wie der Bun­des­ge­richts­hof zwi­schen­zeit­lich ent­schie­den hat, unter­liegt eine in einer Dar­le­hens­ur­kun­de eines Kre­dit­in­sti­tuts für den Abschluss von Kre­dit­ver­trä­gen mit Unter­neh­mern ent­hal­te­ne for­mu­lar­mä­ßi­ge Klau­sel über die Erhe­bung eines Bear­bei­tungs­ent­gelts nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB der rich­ter­li­chen Inhalts­kon­trol­le 6.

§ 307 Abs. 3 Satz 1 BGB beschränkt die Inhalts­kon­trol­le auf sol­che Bestim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, durch die von Rechts­vor­schrif­ten abwei­chen­de oder die­se ergän­zen­de Rege­lun­gen ver­ein­bart wer­den. Hier­un­ter fal­len weder Bestim­mun­gen über den Preis der ver­trag­li­chen Haupt­leis­tung noch Klau­seln über das Ent­gelt für eine recht­lich nicht gere­gel­te zusätz­lich ange­bo­te­ne Son­der­leis­tung. Preis­ne­ben­ab­re­den, die kei­ne ech­te (Gegen)Leistung zum Gegen­stand haben, son­dern mit denen der Klau­sel­ver­wen­der all­ge­mei­ne Betriebs­kos­ten, Auf­wand für die Erfül­lung gesetz­lich oder neben­ver­trag­lich begrün­de­ter eige­ner Pflich­ten oder für sons­ti­ge Tätig­kei­ten auf den Kun­den abwälzt, die der Ver­wen­der im eige­nen Inter­es­se erbringt, sind hin­ge­gen der Inhalts­kon­trol­le unter­wor­fen 7.

Ob eine Klau­sel nach die­sen Grund­sät­zen eine kon­troll­fä­hi­ge Preis­ne­ben­ab­re­de oder eine kon­troll­freie Preis­ab­re­de ent­hält, ist durch Aus­le­gung zu ermit­teln. Die­se hat sich nach dem objek­ti­ven Inhalt und typi­schen Sinn der in Rede ste­hen­den Klau­sel ein­heit­lich danach zu rich­ten, wie ihr Wort­laut von ver­stän­di­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern unter Abwä­gung der Inter­es­sen der regel­mä­ßig betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wird 8. Zwei­fel bei der Aus­le­gung gehen nach der Vor­schrift des § 305c Abs. 2 BGB, die auch im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr gilt 9, zulas­ten des Klau­sel­ver­wen­ders. Außer Betracht blei­ben sol­che Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten, die zwar theo­re­tisch denk­bar, prak­tisch aber fern­lie­gend und daher nicht ernst­lich in Betracht zu zie­hen sind 10.

Nach die­sen Maß­stä­ben hat der Bun­des­ge­richts­hof als kon­troll­fä­hi­ge Preis­ne­ben­ab­re­de ein­ge­ord­net.

Die mit dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Bear­bei­tungs­ent­gelt bezahl­ten Leis­tun­gen wer­den in dem Dar­le­hens­ver­trag nicht genannt. Nach der ver­wen­de­ten Bezeich­nung "Bear­bei­tungs­ge­bühr" han­delt es sich um Ent­gelt für die Bear­bei­tung des Dar­le­hens­an­tra­ges ein­schließ­lich der Vor­be­rei­tung des Ver­trags­schlus­ses sowie für Ver­wal­tungs­auf­wand der Bank bei Kre­dit­be­ar­bei­tung und aus­zah­lung 11. Die von der Bank auch im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren gegen die­se Aus­le­gung vor­ge­brach­ten Ein­wän­de grei­fen nicht durch 12.

Die damit als Preis­ne­ben­ab­re­de ein­zu­ord­nen­de Klau­sel hält der Inhalts­kon­trol­le nicht stand. Wie der Bun­des­ge­richts­hof zwi­schen­zeit­lich ent­schie­den hat, sind for­mu­lar­mä­ßi­ge Klau­seln über die Erhe­bung eines Bear­bei­tungs­ent­gelts in Dar­le­hens­ver­trä­gen gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB auch im Ver­hält­nis zu Unter­neh­mern unwirk­sam. Die Erhe­bung eines lauf­zeit­un­ab­hän­gi­gen Ent­gelts ist auch für die Bear­bei­tung eines Unter­neh­mer­dar­le­hens mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung unver­ein­bar und benach­tei­ligt den Dar­le­hens­neh­mer hier den Dar­le­hens­neh­mer ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen 13. Der vor­lie­gen­de Fall gibt kei­nen Anlass zu einer abwei­chen­den Beur­tei­lung.

Die kennt­nis­ab­hän­gi­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 199 Abs. 1 BGB für frü­her ent­stan­de­ne Rück­for­de­rungs­an­sprü­che wegen unwirk­sam for­mu­lar­mä­ßig ver­ein­bar­ter Bear­bei­tungs­ent­gel­te begann auch bei Dar­le­hens­ver­trä­gen mit Unter­neh­mern nicht vor dem Schluss des Jah­res 2011 zu lau­fen 14.

BGh, Urteil vom 17. April 2018 – XI ZR 214/​16

  1. BGH, Urteil vom 04.07.2017 – XI ZR 233/​16, WM 2017, 1652 Rn.20 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 20.03.2014 – VII ZR 248/​13, BGHZ 200, 326 Rn. 27 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 28.07.2015 – XI ZR 434/​14, BGHZ 206, 305 Rn. 23[]
  4. BGH, Urteil vom 04.07.2017 – XI ZR 233/​16, WM 2017, 1652 Rn. 24 mwN[]
  5. so bereits BGH, Urteil vom 04.07.2017 – XI ZR 233/​16, WM 2017, 1652 Rn. 25[]
  6. BGH, Urtei­le vom 04.07.2017 – XI ZR 562/​15, WM 2017, 1643 Rn. 23 ff. und – XI ZR 233/​16, WM 2017, 1652 Rn. 32 ff.[]
  7. BGH, Urtei­le vom 04.07.2017 – XI ZR 562/​15, WM 2017, 1643 Rn. 24 und – XI ZR 233/​16, WM 2017, 1652 Rn. 33, jeweils mwN[]
  8. BGH, Urteil vom 13.05.2014 – XI ZR 405/​12, BGHZ 201, 168 Rn. 25 mwN[]
  9. BGH, Urteil vom 28.07.2015 – XI ZR 434/​14, BGHZ 206, 305 Rn. 31[]
  10. BGH, Urteil vom 13.05.2014, aaO Rn. 25 mwN[]
  11. so bereits BGH, Urteil vom 04.07.2017 – XI ZR 233/​16, WM 2017, 1652 Rn. 36[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 04.07.2017 – XI ZR 233/​16, aaO[]
  13. vgl. BGH, Urtei­le vom 04.07.2017 – XI ZR 562/​15, WM 2017, 1643 Rn. 37 ff. und – XI ZR 233/​16, WM 2017, 1652 Rn. 45 ff.[]
  14. BGH, Urtei­le vom 04.07.2017 – XI ZR 562/​15, WM 2017, 1643 Rn. 85 ff. und – XI ZR 233/​16, WM 2017, 1652 Rn. 93 ff.[]