Bera­tungs­pflich­ten bei Aus­lands­an­lei­hen

Nicht jeder Geld­an­le­ger ist auto­ma­tisch ein abge­brüh­ter "Zocker". So man­cher Bank­kun­de hält es durch­aus für ner­ven­scho­nen­der, auf hohe Ren­di­te­er­war­tun­gen zuguns­ten der Sicher­heit der Anla­ge zu ver­zich­ten. Dar­um ist es für jedes Geld­haus ein Muss, sich über Zie­le und Risi­ko­be­reit­schaft des Anle­gers zu infor­mie­ren. Selbst­ver­ständ­lich hat das danach von der Bank emp­foh­le­ne Anla­ge­pro­dukt den Kun­den­wün­schen Rech­nung zu tra­gen. Ver­letzt das Bank­haus die­se Erkun­dungs- und Auf­klä­rungs­pflich­ten, macht es sich unter Umstän­den scha­dens­er­satz­pflich­tig. Das zei­gen aktu­el­le Ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts Coburg und des Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg.

Bera­tungs­pflich­ten bei Aus­lands­an­lei­hen

Bei­de Gerich­te ver­ur­teil­ten eine Spar­kas­se, einer durch die Inves­ti­ti­on in Argen­ti­ni­en-Anlei­hen Baden gegan­ge­nen Kun­din rund 53.000 ? zu erset­zen gegen Rück­nah­me der "Wert"-Papiere. Nach Über­zeu­gung der Rich­ter hat­ten Bank­an­ge­stell­te die Anle­ge­rin feh­ler­haft bera­ten.

Eigent­lich woll­te die Klä­ge­rin mit dem Erlös aus dem Ver­kauf ihrer Eigen­tums­woh­nung vor­zei­tig Kre­dit­schul­den zurück­zah­len. Da aber die Kre­dit­an­stalt hier­für eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung ver­lang­te, beschloss sie, das Geld zunächst bei ihrer Haus­bank zu par­ken. Die lang­jäh­ri­ge Kun­din gab dem Bank­mit­ar­bei­ter des­halb deut­lich zu ver­ste­hen, dass der Geld­be­trag sicher ange­legt wer­den müs­se. Der Bera­ter emp­fahl ihr dar­auf­hin, in Anlei­hen der Repu­blik Argen­ti­ni­en zu inves­tie­ren. Ihre Sor­ge nach der Sicher­heit der Anla­ge zer­streu­te er mit der Fra­ge, ob sie schon ein­mal gehört hät­te, dass ein Staat plei­te gehen kön­ne. Aller­dings ver­schwieg der Bank­an­ge­stell­te der Anle­ge­rin die bereits bekann­ten Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten des latein­ame­ri­ka­ni­schen Staa­tes und den hoch­spe­ku­la­ti­ven Cha­rak­ter der Papie­re. Ca. zwei Jah­re nach der Inves­ti­ti­on, im Dezem­ber 2001, stell­te Argen­ti­ni­en wegen einer schwe­ren Finanz­kri­se jeg­li­che Zah­lun­gen auf öffent­li­che Anlei­hen ein. Die ent­setz­te Klä­ge­rin warf der Spar­kas­se vor, sie unzu­rei­chend über das Ver­lust­ri­si­ko auf­ge­klärt zu haben. Das Geld­in­sti­tut wei­ger­te sich jedoch, die prak­tisch wert­los gewor­de­nen Papie­re zurück­zu­neh­men und der Kun­din das inves­tier­te Geld zu erstat­ten.

Zu Unrecht, wie das Land­ge­richt Coburg und das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg uni­so­no befan­den. Die Rich­ter bejah­ten näm­lich einen Ver­stoß der beklag­ten Spar­kas­se gegen § 31 des Wert­pa­pier­han­dels­ge­setz (Auf­klä­rungs- und Bera­tungs­pflich­ten). Der Bank­an­ge­stell­te habe der Klä­ge­rin gegen ihre aus­drück­li­che Erklä­rung äußerst spe­ku­la­ti­ve Wert­pa­pie­re ver­mit­telt. Er habe außer­dem auf meh­re­re in Ban­ken­krei­sen bekann­te Fak­ten nicht hin­ge­wie­sen: Die schon als noto­risch zu bezeich­nen­den Zah­lungs­pro­ble­me der Argen­ti­ni­schen Repu­blik; die Abhän­gig­keit des Lan­des von der Unter­stüt­zung durch den Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds; die Ein­stu­fung als nicht "siche­re Anla­ge" durch ein­schlä­gi­ge Rating­agen­tu­ren. Über die­se Auf­klä­rungs­pflich­ten habe sich der Mit­ar­bei­ter bewusst hin­weg­ge­setzt. Die Spar­kas­se müs­se ihrer (wohl gewe­se­nen) Kun­din den erlit­te­nen Ver­lust daher erset­zen.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 19.7.2005 – 23 O 169/​05
Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg, Beschlüs­se vom 2.6.2006 und 17.7.2006 – 5 U 246/​05