Bera­tungs­pflicht­ver­let­zun­gen in der Anla­ge­be­ra­tung – und die Ver­jäh­rung­frist beim Vor­satz

Die Ver­jäh­rungs­vor­schrift des § 37a WpHG aF ist auf vor­sätz­li­che Auf­klä­rungs- und Bera­tungs­pflicht­ver­let­zun­gen nicht anwend­bar. Ein vor­sätz­li­ches Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den liegt vor, wenn ein Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men in Kennt­nis sei­ner Ver­pflich­tung zur Auf­klä­rung es gleich­wohl unter­las­sen hat, sei­ne als Bera­ter täti­gen Mit­ar­bei­ter anzu­wei­sen, die Kun­den ent­spre­chend auf­zu­klä­ren 1.

Bera­tungs­pflicht­ver­let­zun­gen in der Anla­ge­be­ra­tung – und die Ver­jäh­rung­frist beim Vor­satz

Die bis zum 4.08.2009 gel­ten­de Son­der­ver­jäh­rungs­vor­schrift des § 37a WpHG ist auf vor­sätz­li­che Auf­klä­rungs- und Bera­tungs­pflicht­ver­let­zun­gen sach­lich nicht anwend­bar 2.

Dabei kommt es auf eine vor­sätz­li­che Pflicht­ver­let­zung durch die für das Wert­pa­pier­un­ter­neh­men tätig gewor­de­nen Bera­ter nicht an. Denn das Anla­ge­un­ter­neh­men trifft jeden­falls der Vor­wurf vor­sätz­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­dens, da es es in Kennt­nis sei­ner Ver­pflich­tung zur Auf­klä­rung gleich­wohl unter­las­sen hat, ihre Mit­ar­bei­ter anzu­wei­sen, die Kun­den über die Betei­li­gungs­ver­hält­nis­se, die getrof­fe­ne Pro­vi­si­ons­ver­ein­ba­rung und die stark ein­ge­schränk­te Fun­gi­bi­li­tät der Akti­en wahr­heits­ge­mäß zu infor­mie­ren 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Novem­ber 2014 – III ZR 294/​13

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 30.10.2014 – III ZR 493/​13[]
  2. BGH, Urteil vom 30.10.2014 aaO Rn. 31; BGH, Urtei­le vom 08.03.2005 – XI ZR 170/​04, BGHZ 162, 306, 312; und vom 19.12 2006 – XI ZR 56/​05, BGHZ 170, 226 Rn.20[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.05.2009 – XI ZR 586/​07, NJW 2009, 2298 Rn. 14[]