Bör­sen­pa­pie­re statt Tages­geld

Ein Wert­pa­pier­han­dels­haus, wel­ches einem Kun­den im Rah­men eines Anla­gen­be­ra­tungs­ver­tra­ges eine kurz­fris­ti­ge Inves­ti­ti­on von bis­lang in Tages­geld ange­leg­ten Kapi­tals in bör­sen­ge­han­del­te Wert­pa­pie­re emp­fiehlt, hat die­sen auch dann, wenn es sich um einen spe­ku­la­ti­ven Anle­ger han­delt, beson­ders auf das Kurs­ri­si­ko hin­zu­wei­sen, wenn der Anle­ger erkenn­bar davon aus­geht, dass ein Kurs­ri­si­ko bei die­ser Anla­ge nicht bestehe.

Bör­sen­pa­pie­re statt Tages­geld

Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung kommt ein Bera­tungs­ver­trag regel­mä­ßig kon­klu­dent zustan­de, wenn im Zusam­men­hang mit der Anla­ge eines Geld­be­tra­ges tat­säch­lich eine Bera­tung statt­fin­det 1. Tritt ein Anla­ge­in­ter­es­sent an ein Kre­dit­in­sti­tut oder der Anla­ge­be­ra­ter einer Bank an einen Kun­den her­an, um über die Anla­ge eines Geld­be­tra­ges bera­ten zu wer­den bzw. zu bera­ten, so liegt dar­in das Ange­bot zum Abschluss eines Bera­tungs­ver­tra­ges, wel­ches still­schwei­gend durch die Auf­nah­me des Bera­tungs­ge­sprä­ches ange­nom­men wird 1. Erfor­der­lich ist ledig­lich, dass zwi­schen den Par­tei­en Klar­heit besteht, dass der Anla­ge­in­ter­es­sent die Kennt­nis­se und Ver­bin­dun­gen des Bera­ters für sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung in Anspruch neh­men will 2. Die­se Maß­stä­be gel­ten eben­so für die Beklag­te, die als sog. „Wert­pa­pier­han­dels­haus“ fir­miert und gewerbs­mä­ßig unter ande­rem Anla­ge­be­ra­tung betreibt. Die Bera­tung bei der Anla­ge in Finanz­in­stru­men­ten war zum Zeit­punkt der Gesprä­che im 19. April 2007 gemäß § 2 Abs. 3a Nr. 3 WpHG a.F. eine Wert­pa­pier­ne­ben­dienst­leis­tung. Die Beklag­te, die auch Ver­mö­gens­ver­wal­tung betrieb, wel­che gemäß § 2 Abs. 3 Nr. 6 WpHG a.F. bereits im Jahr 2005 als ech­te Wert­pa­pier­dienst­leis­tung ein­ge­stuft war, war daher bereits nach § 2 Abs. 4 WpHG Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men und besaß eine ent­spre­chen­de Erlaub­nis. Die Anfor­de­run­gen der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung an eine Anla­ge­be­ra­tung durch Kre­dit­in­sti­tu­te gel­ten in glei­cher Form jeden­falls für alle Wert­pa­pier­dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men.

Der bei der Beklag­ten täti­ge Anla­ge­be­ra­ter hat gegen­über dem Klä­ger eine beson­de­re Sach­kun­de für sich ein­ge­nom­men, indem er die­sen über die – ver­meint­lich feh­len­den – Risi­ken der Anla­ge auf­klär­te. Spä­tes­tens dadurch stand fest, dass er die Kennt­nis­se des Bera­ters für sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung in Anspruch neh­men woll­te.

Land­ge­richt Itze­hoe, Urteil vom 16. Juli 2010 – 7 O 78/​09

  1. BGH, Urtei­le vom 06.07.1993 – XI ZR 12/​93, BGHZ 123, 126; und vom 25.09.2007 – XI ZR 320/​06, BKR 2008, 199[][]
  2. grund­le­gend BGH, Urteil vom 04.03.1987 – IVa ZR 122/​85, BGHZ 100, 117[]