Boni­täts­aus­künf­te, SCHUFA-Score – und das Aus­kunfts­recht des Betrof­fe­nen

Ein durch eine Boni­täts­aus­kunft der SCHUFA Betrof­fe­ner hat gemäß § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG einen Anspruch auf Aus­kunft dar­über, wel­che per­so­nen­be­zo­ge­nen, ins­be­son­de­re kre­dit­re­le­van­ten Daten dort gespei­chert sind und in die den Kun­den der Beklag­ten mit­ge­teil­ten Wahr­schein­lich­keits­wer­te (Score­wer­te) ein­flie­ßen. Die soge­nann­te Score­for­mel, also die abs­trak­te Metho­de der Score­wert­be­rech­nung, ist hin­ge­gen nicht mit­zu­tei­len. Zu den als Geschäfts­ge­heim­nis geschütz­ten Inhal­ten der Score­for­mel zäh­len die im ers­ten Schritt in die Score­for­mel ein­ge­flos­se­nen all­ge­mei­nen Rechen­grö­ßen, wie etwa die her­an­ge­zo­ge­nen sta­tis­ti­schen Wer­te, die Gewich­tung ein­zel­ner Berech­nungs­ele­men­te bei der Ermitt­lung des Wahr­schein­lich­keits­werts und die Bil­dung etwai­ger Ver­gleichs­grup­pen als Grund­la­ge der Score­kar­ten.

Boni­täts­aus­künf­te, SCHUFA-Score – und das Aus­kunfts­recht des Betrof­fe­nen

Aller­dings hat ein durch eine Boni­täts­aus­kunft der Beklag­ten Betrof­fe­ner wie die Klä­ge­rin einen Anspruch auf Aus­kunft dar­über, wel­che per­so­nen­be­zo­ge­nen, ins­be­son­de­re kre­dit­re­le­van­ten Daten in die den Kun­den der Beklag­ten mit­ge­teil­ten Wahr­schein­lich­keits­wer­te ein­ge­flos­sen sind.

§ 34 Abs. 4 BDSG fand sei­ne heu­te gül­ti­ge Fas­sung durch das Gesetz zur Ände­rung des Bun­des­da­ten­schutz­ge­set­zes vom 29.07.2009 [1]. Ziel des Geset­zes war es ins­be­son­de­re, die Rege­lun­gen für die Tätig­keit von Aus­kunftei­en deren gestie­ge­ner und wei­ter stei­gen­der Bedeu­tung und dem ver­mehr­ten Ein­satz von Sco­ring­ver­fah­ren anzu­pas­sen. Durch eine Erwei­te­rung der Infor­ma­ti­ons- und Aus­kunfts­rech­te der Betrof­fe­nen soll­te die Trans­pa­renz der Ver­fah­ren ver­bes­sert und mehr Rechts­si­cher­heit sowohl für die Betrof­fe­nen als auch für die Unter­neh­men geschaf­fen wer­den. Ins­be­son­de­re soll­te den Betrof­fe­nen zukünf­tig ersicht­lich sein, auf­grund bzw. mit Hil­fe wel­cher zu ihrer Per­son gespei­cher­ten Daten eine sie betref­fen­de Ent­schei­dung zustan­de gekom­men ist, damit sie feh­ler­haf­te Daten kor­ri­gie­ren oder Miss­ver­ständ­nis­se auf­klä­ren und ihre Inter­es­sen sach­ge­recht gegen­über einem Sach­be­ar­bei­ter ver­tre­ten kön­nen [2].

Mit § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 bzw. Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 BDSG nF, wonach der Betrof­fe­ne einen Aus­kunfts­an­spruch über die zur Berech­nung der Wahr­schein­lich­keits­wer­te genutz­ten Daten­ar­ten hat, soll­te die­sem die Mög­lich­keit gege­ben bzw. erleich­tert wer­den, fal­sche Daten zu kor­ri­gie­ren oder den für ihn errech­ne­ten Wahr­schein­lich­keits­wert zu wider­le­gen. Wei­ter woll­te der Gesetz­ge­ber es ermög­li­chen, ein­zel­ne Daten­fel­der eines Daten­sat­zes zusam­men­zu­fas­sen, wobei ent­schei­dend sein soll­te, dass der Betrof­fe­ne nach­voll­zie­hen kann, wel­che Merk­ma­le in das kon­kre­te Berech­nungs­er­geb­nis ein­ge­flos­sen sind [3].

Die Rege­lun­gen des § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 und Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG nF, die ver­lan­gen, dass dem Betrof­fe­nen das Zustan­de­kom­men und die Bedeu­tung der Wahr­schein­lich­keits­wer­te ein­zel­fall­be­zo­gen und nach­voll­zieh­bar in all­ge­mein ver­ständ­li­cher Form dar­ge­legt wer­den müs­sen, soll­ten wie­der­um sicher­stel­len, dass die Dar­le­gung der der Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­hal­te in einer für Lai­en ver­ständ­li­chen Form erfolgt. Zugleich woll­te der Gesetz­ge­ber ver­hin­dern, dass die Unter­neh­men die Score­for­mel, an deren Geheim­hal­tung er ihnen ein über­wie­gen­des schutz­wür­di­ges Inter­es­se zubil­lig­te, offen­ba­ren müs­sen. Das Ergeb­nis soll­te aber für den Betrof­fe­nen soweit nach­voll­zieh­bar sein, dass er sei­ne Rech­te sach­ge­recht aus­üben, mög­li­che Feh­ler in der Berech­nungs­grund­la­ge auf­de­cken und Abwei­chun­gen von den auto­ma­ti­siert gewon­ne­nen typi­schen Bewer­tun­gen des zugrun­de lie­gen­den Lebens­sach­ver­halts gegen­über der für eine Ent­schei­dung ver­ant­wort­li­chen Stel­le dar­le­gen kann [4].

Der Bun­des­rat hat in sei­ner Stel­lung­nah­me zum Gesetz­ent­wurf u.a. das Ziel ver­folgt, § 34 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 und Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 BDSG nF dahin­ge­hend zu ändern, dass über die zur Berech­nung der Wahr­schein­lich­keits­wer­te genutz­ten Daten in abstei­gen­der Rei­hen­fol­ge ihrer Bedeu­tung für das im Ein­zel­fall berech­ne­te Ergeb­nis Aus­kunft zu ertei­len ist. Damit soll­te der Schutz des Betrof­fe­nen und die Nach­voll­zieh­bar­keit des errech­ne­ten Gesamt­werts erhöht wer­den [5]. Die­se Vor­schlä­ge, die nicht in die end­gül­ti­ge Geset­zes­fas­sung über­nom­men wur­den, lehn­te die Bun­des­re­gie­rung in ihrer Gegen­äu­ße­rung mit dem Argu­ment ab, dass die vor­ge­schla­ge­ne Geset­zes­for­mu­lie­rung dem Betrof­fe­nen die Ein­ord­nung sei­nes Score­werts in den all­ge­mei­nen Rah­men ermög­li­che [6].

Aus der Gesetz­ge­bungs­ge­schich­te folgt daher, dass der Gesetz­ge­ber auf der einen Sei­te dem Betrof­fe­nen aus­rei­chen­de Infor­ma­tio­nen dar­über an die Hand geben woll­te, wel­che – ihn betref­fen­den – Sach­ver­hal­te Grund­la­ge der Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nun­gen waren, ins­be­son­de­re um fal­sche Daten kor­ri­gie­ren zu kön­nen und von der sta­tis­ti­schen Betrach­tung abwei­chen­de Umstän­de gegen­über den – etwa über eine Kre­dit­ver­ga­be – ent­schei­den­den Stel­len dar­le­gen zu kön­nen. Auf der ande­ren Sei­te soll­te die Score­for­mel als Geschäfts­ge­heim­nis der Aus­kunftei­en geschützt wer­den. Dies ent­spricht auch Sinn und Zweck der Geset­zes­no­vel­le, die einer­seits dem Betrof­fe­nen zusätz­li­che Aus­kunfts­rech­te zur Erhö­hung der Trans­pa­renz geben und ande­rer­seits die schutz­wür­di­gen Inter­es­sen der Aus­kunftei­en berück­sich­ti­gen woll­te.

Dar­aus folgt, dass dem Betrof­fe­nen jeden­falls nach § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG die­je­ni­gen per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten mit­ge­teilt wer­den müs­sen, die von Rele­vanz für den jeweils ermit­tel­ten Wahr­schein­lich­keits­wert sind, also in die Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung kon­kret ein­ge­flos­sen sind.

Offen blei­ben kann die im Schrift­tum umstrit­te­ne Fra­ge, ob schon § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 BDSG trotz einer mög­li­chen Zusam­men­fas­sung von Daten­fel­dern zu Daten­ar­ten eine Erkenn­bar­keit der ein­zel­nen in das Berech­nungs­er­geb­nis ein­ge­flos­se­nen Daten ver­langt [7] oder ob danach eine blo­ße Aus­kunft über Daten­ar­ten ohne wei­ter­ge­hen­de Prä­zi­sie­rung aus­rei­chend ist [8].

Jeden­falls folgt eine Aus­kunfts­ver­pflich­tung über die in die Wahr­schein­lich­keits­wer­te ein­ge­gan­ge­nen Ein­zel­da­ten aus der Pflicht der Aus­kunf­tei, über das Zustan­de­kom­men die­ser Wer­te ins­be­son­de­re nach­voll­zieh­bar und ein­zel­fall­be­zo­gen Aus­kunft zu ertei­len (§ 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG). Denn dem Betrof­fe­nen soll – nicht zuletzt nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers – die Mög­lich­keit an die Hand gege­ben wer­den, die in das Sco­rin­g­er­geb­nis ein­ge­flos­se­nen Lebens­sach­ver­hal­te, also die Daten­grund­la­ge, nach­zu­voll­zie­hen [9] und gegen­über der über eine Kre­dit­ver­ga­be ent­schei­den­den Stel­le bestimm­te Abwei­chun­gen – etwa in der Kre­dithis­to­rie – plau­si­bel durch bei ihm vor­lie­gen­de aty­pi­sche Lebens­sach­ver­hal­te erklä­ren zu kön­nen [10]. Dies ist ihm aber nur dann mög­lich, wenn für ihn über die Dar­stel­lung blo­ßer Daten­ar­ten hin­aus auch erkenn­bar ist, wel­ches kon­kre­te Datum die Scor­ebe­rech­nung beein­flusst hat. Auch die wei­ter­ge­hen­den, auf Daten und nicht auf Daten­ar­ten bezo­ge­nen Ansprü­che des Betrof­fe­nen nach § 35 BDSG spre­chen dafür, die Aus­kunfts­pflicht nach § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG auf die kon­kre­ten in die Berech­nung ein­ge­flos­se­nen Daten des Betrof­fe­nen zu erstre­cken. Eine etwai­ge Aus­kunft über gespei­cher­te Daten nach § 34 Abs. 1 BDSG ändert hier­an nichts, steht doch – auch nach dem gesetz­ge­be­ri­schen Wil­len – im Zen­trum des Inter­es­ses des Betrof­fe­nen, gera­de die für einen (nega­ti­ven) Sco­ring­wert rele­van­ten Daten zu kor­ri­gie­ren oder im Gespräch mit einem Sach­be­ar­bei­ter bestimm­te Abwei­chun­gen zu erläu­tern. Schließ­lich spricht für eine Mit­tei­lungs­pflicht über die für die Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung ver­wen­de­ten Daten des Betrof­fe­nen nicht zuletzt die gebo­te­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung [11] des Aus­kunfts­an­spruchs nach § 34 Abs. 4 BDSG. Gemäß Art. 12 Buchst. a 2. Spie­gel­strich der EG-Daten­schutz­richt­li­nie [12] garan­tie­ren die Mit­glied­staa­ten jeder betrof­fe­nen Per­son das Recht; vom für die Ver­ar­bei­tung Ver­ant­wort­li­chen eine Mit­tei­lung in ver­ständ­li­cher Form über die Daten, die Gegen­stand der Ver­ar­bei­tung sind, zu erhal­ten. Eine Ein­schrän­kung auf blo­ße Daten­ka­te­go­rien fin­det sich hier nicht. Viel­mehr soll jede Per­son ein Aus­kunfts­recht hin­sicht­lich der sie betref­fen­den, den Gegen­stand einer Ver­ar­bei­tung bil­den­den Daten haben, damit sie sich ins­be­son­de­re von der Rich­tig­keit die­ser Daten und der Zuläs­sig­keit ihrer Ver­ar­bei­tung über­zeu­gen kann (Erwä­gungs­grund 41 der EG-Daten­schutz­richt­li­nie).

Die nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen gebo­te­ne Aus­kunft über die kon­kret in die Wahr­schein­lich­keits­wer­te ein­ge­flos­se­nen Daten der Klä­ge­rin hat die Beklag­te erteilt. Ihr wur­den alle bei der Beklag­ten zu ihrer Per­son gespei­cher­ten Daten über­mit­telt. Fer­ner wur­de sie über die in den letz­ten zwölf Mona­ten an Drit­te über­mit­tel­ten und die aktu­ell berech­ne­ten Wahr­schein­lich­keits­wer­te sowie über die zur Berech­nung der Wahr­schein­lich­keits­wer­te genutz­ten Daten­ar­ten infor­miert. Die Ein­zel­hei­ten wur­den in einem Merk­blatt erläu­tert. All das wird, wie die Revi­si­ons­er­wi­de­rung zutref­fend gel­tend macht, von der Revi­si­on nicht in Zwei­fel gezo­gen.

Einen über die erteil­ten Aus­künf­te hin­aus­ge­hen­den Aus­kunfts­an­spruch ver­neint der Bun­des­ge­richts­hof. Die bean­spruch­ten kon­kre­ten Anga­ben zu Ver­gleichs­grup­pen zäh­len nicht zu den Ele­men­ten des Sco­ring­ver­fah­rens, über die nach § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG Aus­kunft zu ertei­len ist. Glei­ches gilt für die Gewich­tung der in den Score­wert ein­ge­flos­se­nen Merk­ma­le.

In Recht­spre­chung und Lite­ra­tur ist umstrit­ten, ob der­ar­ti­ge Infor­ma­tio­nen noch von der Aus­kunfts­pflicht über das Zustan­de­kom­men der Wahr­schein­lich­keits­wer­te im Sin­ne des § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG umfasst wer­den. Weit­ge­hen­de Einig­keit besteht aller­dings dar­über, dass die sog. Score­for­mel, also die abs­trak­te Metho­de der Score­wert­be­rech­nung, ent­spre­chend dem gesetz­ge­be­ri­schen Wil­len nicht mit­zu­tei­len ist [13].

Teil­wei­se wird jedoch die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass sei­tens des Ver­pflich­te­ten Aus­kunft über die Gewich­tung der in die Wahr­schein­lich­keits­be­rech­nung ein­ge­flos­se­nen Fak­to­ren [14] und, sofern eine Berech­nung mit Hil­fe von Ver­gleichs­grup­pen vor­ge­nom­men wird, auch über die Iden­ti­tät der Ver­gleichs­grup­pe und die Grün­de, aus denen der Betrof­fe­ne der Ver­gleichs­grup­pe zuge­ord­net wur­de, zu geben ist [15]. Das Land­ge­richt Ber­lin [16] ver­langt dar­über hin­aus die Mit­tei­lung der von der Aus­kunf­tei zur Bewer­tung des Zah­lungs­ver­hal­tens einer Ver­gleichs­grup­pe geführ­ten Daten.

Eine solch detail­lier­te Aus­kunfts­pflicht wird von der Gegen­auf­fas­sung ver­neint [17]. Viel­mehr soll eine all­ge­mei­ne Beschrei­bung des Zustan­de­kom­mens des Score­werts genü­gen [18]. Die Nach­voll­zieh­bar­keit des Zustan­de­kom­mens bedeu­tet dem­nach nicht des­sen Nach­re­chen­bar­keit und Über­prüf­bar­keit der Berech­nung, son­dern ins­be­son­de­re die schlüs­si­ge Erkennt­nis­mög­lich­keit, wel­che Fak­to­ren die aus­ge­wie­se­ne Bewer­tung beein­flusst haben [19].

Der letzt­ge­nann­ten Auf­fas­sung ist zu fol­gen.

Dem Aus­kunfts­an­spruch des § 34 Abs. 4 BDSG liegt die gesetz­ge­be­ri­sche Inten­ti­on zugrun­de, trotz der Schaf­fung einer grö­ße­ren Trans­pa­renz bei Sco­ring­ver­fah­ren Geschäfts­ge­heim­nis­se der Aus­kunftei­en, nament­lich die sog. Score­for­mel, zu schüt­zen. Die Erstel­lung die­ser auch als Score­card bezeich­ne­ten Rechen­for­mel basiert ins­be­son­de­re auf der Ana­ly­se von Daten­be­stän­den durch Ermitt­lung all­ge­mei­ner Kor­re­la­tio­nen und Signi­fi­kan­zen. Die Algo­rith­men der Score­card ent­hal­ten die rele­van­ten und signi­fi­kan­ten Merk­ma­le aus der Ana­ly­se sowie deren Gewich­tung und Ver­hält­nis zuein­an­der. Erst in einem nächs­ten Schritt wird aus die­ser Rechen­for­mel mit einer Anzahl von Varia­blen durch das Ein­set­zen von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten des Betrof­fe­nen in die Varia­blen ein per­so­nen­be­zo­ge­ner Score­wert errech­net [20]. Zu den nach dem gesetz­ge­be­ri­schen Wil­len als Geschäfts­ge­heim­nis geschütz­ten Inhal­ten der Score­for­mel zäh­len damit die im ers­ten Schritt in die Score­for­mel ein­ge­flos­se­nen all­ge­mei­nen Rechen­grö­ßen, wie etwa die her­an­ge­zo­ge­nen sta­tis­ti­schen Wer­te, die Gewich­tung ein­zel­ner Berech­nungs­ele­men­te bei der Ermitt­lung des Wahr­schein­lich­keits­werts und die Bil­dung etwai­ger Ver­gleichs­grup­pen als Grund­la­ge der Score­kar­ten. Das ist ange­sichts der auf­wän­di­gen Ent­wick­lung des Scores, die spe­zi­el­les Fach­wis­sen vor­aus­setzt, auch nach­voll­zieh­bar und fol­ge­rich­tig. Zudem hängt von dem jewei­li­gen Ver­fah­ren die Aus­sa­ge­kraft der Pro­gno­se und damit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit sowie der Markt­wert des Pro­dukts und der Aus­kunf­tei selbst ab [21].

Dem steht nicht ent­ge­gen, dass § 34 BDSG in den Absät­zen 2 und 4 im Gegen­satz zu des­sen Absät­zen 1 und 3 kei­ne Aus­nah­me­vor­schrift im Hin­blick auf Geschäfts­ge­heim­nis­se ent­hält [22]. Denn der Gesetz­ge­ber woll­te mit der For­mu­lie­rung des § 34 Abs. 4 BDSG gera­de gewähr­leis­ten, dass Geschäfts­ge­heim­nis­se wie die Score­for­mel nicht zu offen­ba­ren sind [23]. Dar­auf lie­fe das gel­tend gemach­te Aus­kunfts­ver­lan­gen aber hin­aus.

Die Aus­kunfts­ver­pflich­tung soll viel­mehr dazu die­nen, dass der Betrof­fe­ne den in die Bewer­tung ein­ge­flos­se­nen Lebens­sach­ver­halt erken­nen und dar­auf reagie­ren kann. Hier­zu bedarf es kei­ner Anga­ben zu Ver­gleichs­grup­pen und zur Gewich­tung ein­zel­ner Ele­men­te [24]. Das gesetz­ge­be­ri­sche Ziel eines trans­pa­ren­ten Ver­fah­rens wird dem­ge­gen­über gera­de dadurch erreicht, dass für den Betrof­fe­nen ersicht­lich ist, wel­che kon­kre­ten Umstän­de als Berech­nungs­grund­la­ge in die Ermitt­lung des Wahr­schein­lich­keits­werts ein­ge­flos­sen sind. Inso­weit kann er nach­fol­gend sei­nen Stand­punkt gel­tend machen, dies­be­züg­li­che Feh­ler auf­de­cken und indi­vi­du­el­le Beson­der­hei­ten erklä­ren. Durch die vom Gesetz gefor­der­te Ein­zel­fall­be­zo­gen­heit der Aus­kunft wird des­halb klar­ge­stellt, dass nicht die abs­trak­ten Ele­men­te der Score­card in ihren Details wie Ver­gleichs­grup­pen und Gewich­tun­gen, son­dern die per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten des Betrof­fe­nen und der Umstand ihres Ein­flus­ses auf das kon­kre­te Berech­nungs­er­geb­nis zu offen­ba­ren sind. Eine Aus­kunft über die zugrun­de lie­gen­de Score­for­mel und ihre ein­zel­nen Ele­men­te folgt hier­aus nicht.

Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Aus­kunft wür­de zudem nicht dazu bei­tra­gen, die wei­ter­ge­hen­de Gel­tend­ma­chung von Rech­ten nach § 35 BDSG zu ermög­li­chen, da sich die­se nur auf per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten bezie­hen. Auf eine Ände­rung des Score­werts selbst besteht bei Zugrun­de­le­gung zutref­fen­der Aus­gangs­tat­sa­chen ohne­hin kein Anspruch [25].

Gegen einen aus § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 4 BDSG fol­gen­den Aus­kunfts­an­spruch des Betrof­fe­nen hin­sicht­lich der Gewich­tung der in das Sco­re­er­geb­nis ein­ge­flos­se­nen Merk­ma­le spricht außer­dem ent­schei­dend, dass der Gesetz­ge­ber die vom Bun­des­rat im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren vor­ge­schla­ge­ne Ände­rung, eine Aus­kunfts­pflicht über die Rei­hen­fol­ge der Gewich­tung der Daten des Betrof­fe­nen im Rah­men der Berech­nung vor­zu­se­hen, nicht umge­setzt, son­dern aus­drück­lich eine all­ge­mei­ne Ein­ord­nung als aus­rei­chend erach­tet hat. Damit hat er sich aber erst recht gegen die kon­kre­te Mit­tei­lung der Gewich­tung der ein­zel­nen Merk­ma­le ent­schie­den.

Rich­tig ist, dass der Betrof­fe­ne man­gels Mit­tei­lung der Ver­gleichs­grup­pen die Zuord­nung zu die­sen Grup­pen nicht über­prü­fen kann [26]. Die­se Ein­schrän­kung beruht aber letzt­lich auf der gesetz­ge­be­ri­schen Inten­ti­on, einen Aus­gleich zwi­schen Trans­pa­renz­erfor­der­nis­sen und dem Schutz von Geschäfts­ge­heim­nis­sen her­zu­stel­len und des­halb den Betrof­fe­nen in ers­ter Linie durch Mit­tei­lung der in die Berech­nung ein­ge­flos­se­nen per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten, nicht aber durch die Offen­le­gung von Details des Berech­nungs­ver­fah­rens zu schüt­zen. Für einen dar­auf gerich­te­ten daten­schutz­recht­li­chen Aus­kunfts­an­spruch ist daher kein Raum.

Aus der EG-Daten­schutz­richt­li­nie folgt kein wei­ter­ge­hen­der Aus­kunfts­an­spruch. Die ers­ten bei­den Spie­gel­stri­che von Art. 12 Buchst. a EG-Daten­schutz­richt­li­nie sichern dem Betrof­fe­nen ledig­lich Infor­ma­tio­nen über die Ver­ar­bei­tung ihn betref­fen­der Daten an sich sowie über Zweck­be­stim­mun­gen der Ver­ar­bei­tun­gen, über Daten bzw. Daten­ka­te­go­rien, die Gegen­stand der Ver­ar­bei­tung sind, über die Daten­her­kunft und Emp­fän­ger bzw. Emp­fän­ger­ka­te­go­rien der Daten. Dem Schutz der Pri­vat­sphä­re soll daher ins­be­son­de­re durch Aus­kunft über die Basis­da­ten des Betrof­fe­nen Rech­nung getra­gen wer­den [27]. Ein Recht auf Aus­kunfts­er­tei­lung über kon­kre­te Ele­men­te eines Sco­ring­ver­fah­rens ent­hält die Richt­li­nie nicht. Im Gegen­teil sieht ihr Erwä­gungs­grund 41 aus­drück­lich vor, dass das Aus­kunfts­recht das Geschäfts­ge­heim­nis nicht berüh­ren und die­ser Umstand nur nicht dazu füh­ren darf, dass der betrof­fe­nen Per­son jeg­li­che Aus­kunft ver­wei­gert wird.

Auch aus Art. 12 Buchst. a 3. Spie­gel­strich EG-Daten­schutz­richt­li­nie folgt zumin­dest im vor­lie­gen­den Fall nichts ande­res. Die­se Rege­lung sieht eine Aus­kunft über den logi­schen Auf­bau der auto­ma­ti­sier­ten Ver­ar­bei­tung nur dann zwin­gend vor, wenn eine auto­ma­ti­sier­te Ein­zel­ent­schei­dung im Sin­ne des Art. 15 Abs. 1 EG-Daten­schutz­richt­li­nie vor­liegt. Die­se Vor­schrift wie­der­um dif­fe­ren­ziert zwei­fels­frei zwi­schen der auto­ma­ti­sier­ten Ver­ar­bei­tung von Daten zum Zweck der Bewer­tung ein­zel­ner Aspek­te einer Per­son wie deren Kre­dit­wür­dig­keit einer­seits und der auf­grund die­ser Ver­ar­bei­tung erfol­gen­den Ent­schei­dung ande­rer­seits [28]. Das Vor­lie­gen einer auto­ma­ti­sier­ten Ver­ar­bei­tung stellt somit allei­ne noch kei­ne auto­ma­ti­sier­te Ent­schei­dung, son­dern eine der Ent­schei­dung vor­aus­ge­hen­de Daten­aus­wer­tung dar [29]. Von einer auto­ma­ti­sier­ten Ein­zel­ent­schei­dung kann im Fal­le des Sco­rings nur dann aus­ge­gan­gen wer­den, wenn die für die Ent­schei­dung ver­ant­wort­li­che Stel­le eine recht­li­che Fol­gen für den Betrof­fe­nen nach sich zie­hen­de oder ihn erheb­li­che beein­träch­ti­gen­de Ent­schei­dung aus­schließ­lich auf­grund eines Sco­re­Er­geb­nis­ses ohne wei­te­re inhalt­li­che Prü­fung trifft, nicht aber, wenn die mit­tels auto­ma­ti­sier­ter Daten­ver­ar­bei­tung gewon­ne­nen Erkennt­nis­se ledig­lich Grund­la­ge für eine von einem Men­schen noch zu tref­fen­de abschlie­ßen­de Ent­schei­dung sind [30]. Das Vor­lie­gen oder auch nur Dro­hen einer recht­li­che Fol­gen für die Klä­ge­rin nach sich zie­hen­den oder sie erheb­lich beein­träch­ti­gen­den Ent­schei­dung auf­grund der streit­ge­gen­ständ­li­chen Score­wer­te ist im vor­lie­gen­den Fall aber nicht fest­ge­stellt. Die Fra­ge der Reich­wei­te des Aus­kunfts­an­spruchs über den logi­schen Auf­bau der auto­ma­ti­sier­ten Ver­ar­bei­tung kann daher man­gels Vor­lie­gens einer auto­ma­ti­sier­ten Ein­zel­ent­schei­dung dahin­ste­hen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Janu­ar 2014 – VI ZR 156/​13

  1. BGBl. I S. 2254[]
  2. vgl. BT-Drs. 16/​10529, S. 9[]
  3. BT-Drs. 16/​10529, S. 17 f.[]
  4. BT-Drs. 16/​10529, aaO[]
  5. BT-Drs. 16/​10529, S. 28 f.[]
  6. BT-Drs. 16/​10581, S. 5[]
  7. so Meents/​Hinzpeter in Taeger/​Gabel, BDSG, 2. Aufl., § 34 Rn. 33; Schmidt­Wu­dy in Wolff/​Brink, Daten­schutz­recht, § 34 BDSG Rn. 70[]
  8. so Plath/​Kamlah, BDSG, § 34 Rn. 39; Bergmann/​Möhrle/​Herb, Daten­schutz­recht, § 34 BDSG Rn. 69 (Stand: April 2010); Schaffland/​Wiltfang, BDSG, § 34 Rn. 5a (Stand: Dezem­ber 2012); Heinemann/​Wäßle, MMR 2010, 600, 602; Abel, RDV 2009, 147, 150; Gürtler/​Kriese, RDV 2010, 47, 53; LG Wies­ba­den, ZD 2012, 283[]
  9. vgl. Meents/​Hinzpeter in Taeger/​Gabel, aaO Rn. 32 f.; Simitis/​Dix, BDSG, 7. Aufl., § 34 Rn. 33[]
  10. vgl. Plath/​Kamlah, aaO Rn. 43[]
  11. vgl. Schmidt­Wu­dy, aaO Rn. 7; all­ge­mein hier­zu etwa BGH, Urteil vom 09.04.2002 – XI ZR 91/​99, BGHZ 150, 248, 252 f.; jeweils mwN[]
  12. Richt­li­nie 95/​46/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 24.10.1995 zum Schutz natür­li­cher Per­so­nen bei der Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten und zum frei­en Daten­ver­kehr, ABl. EG L 281 S. 31[]
  13. vgl. OLG Nürn­berg, ZD 2013, 26, 27; Schmidt­Wu­dy, aaO Rn. 71; Bergmann/​Möhrle/​Herb, aaO; Heinemann/​Wäßle, MMR 2010, 600, 602; Metz, VuR 2009, 403, 406; Gürtler/​Kriese, RDV 2010, 47, 53 f.; Pauly/​Ritzer, WM 2010, 8, 12; ten­den­zi­ell auch Simitis/​Dix, aaO[]
  14. Simitis/​Dix, aaO; Abel, DSB 6+7/2008, 8, 13 f.; vgl. auch Metz, aaO[]
  15. Schaffland/​Wiltfang, aaO Rn. 7a (Stand: Novem­ber 2013); Schmidt­Wu­dy, aaO; Gärt­ner, ZD 2012, 76[]
  16. LG Ber­lin, WM 2012, 1626, 1627[]
  17. OLG Nürn­berg, aaO; Heinemann/​Wäßle, MMR 2010, 600, 602 f.; Plath/​Kamlah, BDSG, § 34 Rn. 43; vgl. zur Gewich­tung auch Giess­wein, Die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Sco­ring­ver­fah­rens der Schufa, S. 92 f.[]
  18. Gürtler/​Kriese, aaO; vgl. auch OLG Nürn­berg, aaO[]
  19. OLG Nürn­berg, aaO; Heinemann/​Wäßle, aaO[]
  20. vgl. zum Gan­zen von Lewin­ski in Wolff/​Brink, aaO, § 28b BDSG, Rn. 25 f.; Beck­hu­sen, Der Daten­um­gang inner­halb des Kre­dit­in­for­ma­ti­ons­sys­tems der SCHUFA, S. 220 ff.; ins­be­son­de­re zur Bil­dung von Ver­gleichs­grup­pen Möller/​Florax, MMR 2002, 806, 807[]
  21. vgl. Hoe­ren, RDV 2007, 93, 94; Tae­ger, K&R 2008, 513, 516; Abel, DSB 6+7/2008, 8, 14; Koch, MMR 1998, 458, 462[]
  22. so aber Schaffland/​Wiltfang, aaO; LG Ber­lin, aaO; Gärt­ner, aaO[]
  23. so auch Hoe­ren, VuR 2009, 363, 368[]
  24. vgl. LG Wies­ba­den, aaO, 283 f.[]
  25. vgl. BGH, Urteil vom 22.02.2011 – VI ZR 120/​10, VersR 2011, 632 Rn. 8 ff.[]
  26. so LG Ber­lin, aaO; Gärt­ner, aaO[]
  27. vgl. EuGH, EuZW 2009, 546 Rn. 49 f. – Rij­ke­bo­er[]
  28. vgl. zur deut­schen Umset­zungs­vor­schrift des § 6a BDSG BT-Drs. 14/​4329, S. 37; BT-Drs. 14/​5793, S. 65; Wol­ber, CR 2003, 623, 625[]
  29. eben­so Hoe­ren, RDV 2007, 93, 98; Wol­ber, CR 2003, 623, 625 f.; Helfrich, Kre­dit­sco­ring und Score­wert­bil­dung der SCHUFA, S. 233; Becker, Daten­schutz­recht­li­che Fra­gen des SCHUFA­Aus­kunfts­ver­fah­rens, S. 484; Beck­hu­sen, aaO, S. 264; Giess­wein, aaO, S. 67; vgl. auch Plath/​Kamlah, BDSG, § 6a Rn. 11; Kam­lah, MMR 1999, 395, 403[]
  30. vgl. Dammann/​Simitis, EG-Daten­schutz­richt­li­nie, Art. 15 Rn. 3; Brüh­ann in Grabitz/​Hilf/​Nettesheim, Das Recht der Euro­päi­schen Uni­on, A 30, Art. 15 Rn. 7 (Stand: Mai 1999); Gounalakis/​Mand, CR 1997, 497, 499; zum natio­na­len Recht BT-Drs. 16/​10529, S. 13; Schaffland/​Wiltfang, aaO, § 6a Rn. 6 (Stand: Juli 2013); Bergmann/​Möhrle/​Herb, aaO, § 6a BDSG Rn. 6 (Stand: August 2009); Simitis/​Scholz, aaO, § 6a Rn.19; Plath/​Kamlah, aaO Rn. 12 f.; Gola/​Schomerus, BDSG, 11. Aufl., § 6a Rn. 6; Abel, RDV 2006, 108, 112 f.; ders., DSB 9/​2006, 12, 15; Koch, MMR 1998, 458, 459 f.; Fran­zen, DB 2001, 1867, 1872; Klein, BKR 2003, 488, 489; Wei­chert, DuD 2006, 399, 402; Mack­enthun, WM 2004, 1713, 1716; Beck­hu­sen, aaO, S. 266 f.[]