Das Totalverlustrisiko bei Kapitalanlagen

Hat ein Anleger beabsichtigt, sein Kapital für seine Altersvorsorge anzulegen und will deshalb das Risiko eines Totalverlustes nicht in Kauf nehmen, darf dem Anleger keine mit einem Totalverlustrisiko behaftete Kapitalanlage empfohlen werden. Eine solche Kapitalanlage dient nicht seinem Anlageziel, so dass er bei Eintreten des Totalverlustes den Anlagenberater für eine fehlerhafte Beratung haftbar machen kann.

Das Totalverlustrisiko bei Kapitalanlagen

So hat das Oberlandesgericht Oldenburg in dem hier vorliegenden Fall einer Schadensersatzklage entschieden, mit der ein Anleger von seinem Anlagenberater den Geldbetrag zurückverlangt hat, mit dem er sich bei einer Gesellschaft beteiligt hatte und das er durch deren Insolvenz verloren hatte. Der Kläger ist damals durch einen Anlagenberater beraten worden, der nebenberuflich für einen Finanzdienstleister aus Cloppenburg tätig war. Nach Beratung durch den Beklagte beteiligte sich im Jahr 1995 der Kläger als atypischer stiller Gesellschafter an einer Vermögensanlagen GmbH.

Typische stille Gesellschafter werden häufig allein am Gewinn beteiligt und können, soweit sie auch für Verluste haften, diese steuerlich nicht als Werbungskosten geltend machen. Bei der Beteiligung als atypischer stiller Gesellschafter sind Anleger hingegen regelmäßig auch am Verlust der Gesellschaft beteiligt und können diesen steuerlich berücksichtigen lassen. In der Folge kann die Beteiligung zu einem Totalverlust führen.

In diesem Fall verlor der Kläger durch die Insolvenz der zur „Göttinger Gruppe“ gehörenden Gesellschaft sein eingezahltes Kapital. Die Klage vor dem Landgericht auf Ersatz der eingezahlten Beträge ist abgewiesen worden.

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In seiner Urteilsbegründung hat das Oberlandesgericht Oldenburg deutlich gemacht, dass Anlagnberater verpflichtet sind, ihre Kunden anleger- und objektgerecht zu beraten. Dazu gehören die Feststellung des Wissenstandes und der Anlagewünsche des Kunden, der Abgleich mit Anlageprodukten und deren Prüfung und Bewertung, die Empfehlung eines Anlageprodukts entsprechend den festgestellten Anlagezielen und die Erläuterung der Eigenschaften und Risiken der empfohlenen Anlage. Die Beratung muss vollständig, richtig und verständlich sein.

Die Beratung in diesem Fall habe den Anforderungen nicht genügt. Dem Kläger sei bereits keine Kapitalanlage empfohlen worden, die seinem Anlageziel dient.

Für das Oberlandesgericht stand nach der Vernehmung von Zeugen fest, dass der Kläger das Kapital für seine Altersvorsorge anlegen und deshalb das Risiko eines Totalverlustes nicht in Kauf nehmen wollte. Anleger mit diesem Ziel dürfen nach der Entscheidung keine mit einem derartigen Risiko behafteten Kapitalanlagen empfohlen werden. Daher hat der Anlagenberater für den Ersatz der eingezahlten Beträge zu haften. Das Oberlandesgericht Oldenburg hat ihn zur Zahlung von Schadensersatz in Höhe von mehr als 13.000 € verurteilt.

Oberlandesgericht Oldenburg, Urteil vom 22. August 2013 – 8 U 66/13