Das ver­ges­se­ne Spar­buch aus den 1950er Jah­ren

Eine Bank ist auch heu­te noch dazu ver­pflich­tet, Aus­kunft über das Gut­ha­ben auf einem im Jahr 1959 ein­ge­rich­te­ten "ver­ges­se­nen" Spar­buch zu ertei­len.

Das ver­ges­se­ne Spar­buch aus den 1950er Jah­ren

In dem jetzt vom Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main ent­schie­de­nen Fall hat­te der Klä­ger, der in Rechts­nach­fol­ge sei­nes ver­stor­be­nen Vaters erst 2007 in den Besitz des Spar­bu­ches gekom­men ist, von der beklag­ten Bank zunächst Aus­kunft über das vor­han­de­ne Gut­ha­ben ver­langt sowie – nach Ertei­lung der Aus­kunft – Aus­zah­lung des Gut­ha­bens nebst zwi­schen­zeit­lich ange­fal­le­ner Zin­sen. Das Spar­buch, auf dem seit rund 50 Jah­ren kei­ne Bewe­gung mehr statt­ge­fun­den hat, wies damals ein Gut­ha­ben von rund 106.000,- DM aus.

Die beklag­te Bank bestrei­tet die Echt­heit des Spar­bu­ches, die Echt­heit der dar­in ent­hal­te­nen Unter­schrif­ten der Bank­mit­ar­bei­ter sowie deren Zeich­nungs­be­rech­ti­gung, da sich in ihren Auf­zeich­nun­gen und Archi­ven kei­ne Anhalts­punk­te dafür fän­den, dass die im Spar­buch aus­ge­wie­se­ne For­de­rung jemals bestan­den habe.

Das zunächst mit der Sache befass­te Land­ge­richt Frank­furt am Main gab dem Aus­kunfts­ver­lan­gen des Klä­gers statt, nach­dem es zuvor ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten über die Echt­heit des Spar­bu­ches ein­ge­holt hat­te 1. Die Beru­fung der Bank gegen das land­ge­richt­li­che Urteil wies das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt jetzt zurück:

Die Echt­heit des Spar­bu­ches kön­ne nach den Fest­stel­lun­gen des Sach­ver­stän­di­gen nicht mehr in Zwei­fel gezo­gen wer­den. Die­ser habe über­zeu­gend dar­ge­legt, dass das Spar­buch kei­ne Anhalts­punk­te für eine Repro­duk­ti­on auf­wei­se und die ver­wen­de­te Tin­te und Kugel­schrei­ber­pas­te bereits 1955 auf dem Markt gewe­sen sei. Dem Spar­buch kom­me danach die Funk­ti­on einer Beweis­ur­kun­de zu. An die Erschüt­te­rung des Beweis­wer­tes eines Spar­bu­ches sei­en beson­ders hohe Anfor­de­run­gen zu stel­len, die nur im Aus­nah­me­fall vor­lä­gen. So könn­ten ins­be­son­de­re die Höhe des Spar­gut­ha­bens und die Dau­er der Umsatz­lo­sig­keit den Beweis­wert nicht erschüt­tern.

Soweit die Bank bestrei­te, dass die in dem Spar­buch neben dem Gut­ha­ben­be­trag bei­gefüg­ten Namens­un­ter­schrif­ten ech­te Unter­schrif­ten von zeich­nungs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­tern sei­en, kön­ne sie damit nicht durch­drin­gen. Da dem Klä­ger in der Rol­le des Spa­rers inso­weit die betref­fen­den Umstän­de natur­ge­mäß nicht bekannt sein könn­ten, lie­ge es im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Bank, für den Nach­weis oder das Bestrei­ten der Echt­heit von Unter­schrif­ten in einem Spar­buch geeig­ne­te Geschäfts­un­ter­la­gen auf­zu­be­wah­ren und vor­zu­le­gen, selbst nach Ablauf der han­dels­recht­li­chen Auf­be­wah­rungs­fris­ten. Andern­falls kön­ne eine Bank durch ein­fa­ches Bestrei­ten der Echt­heit der Unter­schrif­ten im Spar­buch den Beweis­wert des Spar­bu­ches fak­tisch auf­he­ben, was nicht hin­nehm­bar sei.

Weder die Spar­buch­for­de­rung selbst noch der Aus­kunfts­an­spruch sei­en im Übri­gen ver­jährt. Der Umstand, dass die Bank kei­ne Kennt­nis mehr von dem Spar­buch gehabt habe, ände­re hier­an nichts.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 16. Febru­ar 2011 – 19 U 180/​10

  1. LG Frank­furt am Main, Teil­ur­teil vom 25. Juni 2010 – 2/​27 O 177/​08[]