Der aner­kann­te Giro­kon­to-Sal­do – und die sekun­dä­re Dar­le­gungs­last der Bank

Eine Bank, die als einen Aktiv­pos­ten eines von ihr gel­tend gemach­ten kau­sa­len nega­ti­ven Sal­dos ein abs­trak­tes Sal­do­an­er­kennt­nis ein­führt, trifft, sofern der inso­weit pri­mär dar­le­gungs- und beweis­be­las­te­te Sal­do­schuld­ner gegen das abs­trak­te Sal­do­an­er­kennt­nis die Ein­re­de der Berei­che­rung erhebt, eine sekun­dä­re Dar­le­gungs­last zu den nähe­ren Umstän­den von Ein­zel­pos­ten, die der durch die Fest­stel­lung des Über­schus­ses unter­ge­gan­ge­nen kau­sa­len Sal­do­for­de­rung zugrun­de lagen.

Der aner­kann­te Giro­kon­to-Sal­do – und die sekun­dä­re Dar­le­gungs­last der Bank

Dies folgt für den Bun­des­ge­richts­hof dar­aus, dass dem Sal­do­schuld­ner auch nach Abga­be des abs­trak­ten Sal­do­an­er­kennt­nis­ses ein Aus­kunfts­an­spruch zu den nähe­ren Umstän­den ein­zel­ner Buchun­gen zusteht 1. Die­ser Aus­kunfts­an­spruch muss nicht erst im Wege einer geson­der­ten Kla­ge durch­ge­setzt wer­den, son­dern strahlt unmit­tel­bar auf die Anfor­de­run­gen an den Sach­vor­trag der Bank aus 2.

Ob die Bank ihrer sekun­dä­ren Dar­le­gungs­last im Hin­blick auf die Belas­tungs­bu­chung vom 10.12.2008 genügt hat, wird das Gericht zu über­prü­fen haben, bevor es eine Beweis­auf­nah­me in Betracht zu zie­hen haben wird, weil im Sin­ne des § 138 Abs. 1 und 2 ZPO unzu­rei­chen­der Vor­trag der Bank zur Geständ­nis­fik­ti­on des § 138 Abs. 3 ZPO führt 3.

Umstän­de, die es der Bank aus­nahms­wei­se erlaub­ten, sich auf § 138 Abs. 4 ZPO zu beru­fen 4, sind im vor­lie­gen­den Fall nicht fest­ge­stellt. Die Tat­sa­che, dass der zustän­di­ge Fili­al­lei­ter der Bank sich zu glei­cher Zeit Untreu­e­ta­ten zu deren Las­ten schul­dig mach­te, die mut­maß­lich das Giro­kon­to des beklag­ten Kun­den betra­fen, genügt dafür nicht. Dass die Bank zur Erfül­lung ihrer sekun­dä­ren Dar­le­gungs­last, die nur einen Buchungs­vor­gang im Jahr 2008 anging, beson­de­ren und kos­ten­in­ten­si­ven Auf­wand trei­ben müss­te, ist nicht ersicht­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Juni 2013 – XI ZR 210/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 30.01.2001 – XI ZR 183/​00, WM 2001, 621 f.; BGH, Urteil vom 04.07.1985 – III ZR 144/​84, WM 1985, 1098, 1099 f.; May­en in Schimansky/​Bunte/​Lwowski, Bank­rechts-Hand­buch, 4. Aufl., § 47 Rn. 95 und 86[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 17.02.2004 – X ZR 108/​02, WM 2005, 571, 573; Urteil vom 15.07.2010 – III ZR 337/​08; Bal­zer, Beweis­auf­nah­me und Beweis­wür­di­gung im Zivil­pro­zess, 3. Aufl., Rn. 15 a.E.[]
  3. BGH, Urteil vom 09.11.1995 – III ZR 226/​94, WM 1996, 208, 211, inso­weit nicht abge­druckt in BGHZ 131, 163 ff.; Baumgärtel/​Laumen, Hand­buch der Beweis­last Grund­la­gen, 2. Aufl., § 15 Rn. 17 a.E.; Jäckel, Das Beweis­recht der ZPO, 2009, Rn. 36[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 30.01.2001 – XI ZR 183/​00, WM 2001, 621, 622 f.; BGH, Urteil vom 10.10.1994 – II ZR 95/​93, WM 1994, 2192, 2194[]