Der Aus­kunfts­an­spruch des Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten

Hat sich ein Anle­ger mit­tel­bar über eine Treu­hän­de­rin an einer Publi­kums­ge­sell­schaft betei­ligt, so hat er gegen die geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­te­rin einen Anspruch dar­auf hat, dass ihm die Namen und die Anschrif­ten der (ande­ren) mit­tel­bar oder unmit­tel­bar betei­lig­ten Anle­ger mit­ge­teilt wer­den, wenn er nach den ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen, ins­be­son­de­re der Ver­zah­nung des Gesell­schafts- und des Treu­hand­ver­trags, im Innen­ver­hält­nis der Gesell­schaf­ter unter­ein­an­der und zur Gesell­schaft die einem unmit­tel­ba­ren Gesell­schaf­ter ent­spre­chen­de Rechts­stel­lung erlangt hat 1

Der Aus­kunfts­an­spruch des Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten

Im vor­lie­gend vom Bun­des­ge­richts­hof zu ent­schei­den­den Fall sind die Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten auf­grund ent­spre­chen­der Rege­lun­gen im Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag den unmit­tel­ba­ren Kom­man­di­tis­ten im Innen­ver­hält­nis gleich­ge­stellt: Sie kön­nen alle ihnen inso­fern zuste­hen­den Gesell­schaf­ter­rech­te, ins­be­son­de­re das Recht zur Teil­nah­me an Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen, zur Stimm­rechts­aus­übung sowie die Infor­ma­ti­ons- und Kon­troll­rech­te selbst aus­üben, soweit nicht aus­drück­lich eine ande­re Rege­lung getrof­fen wur­de. Wei­ter bestimmt der Gesell­schafts­ver­trag, dass ein 10%iges Quo­rum von Kom­man­di­tis­ten für die Ein­be­ru­fung einer außer­or­dent­li­chen Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung erfor­der­lich ist. Ange­sichts die­ser ihm im Gesell­schafts- und Treu­hand­ver­trag ein­ge­räum­ten Rechts­stel­lung steht dem Anle­ger als (mit­tel­bar über den Treu­hän­der betei­lig­ten) Kom­man­di­tis­ten der gel­tend gemach­te Aus­kunfts­an­spruch zu.

Die­ser ist weder aus dem Rechts­ge­dan­ken des § 67 AktG, noch aus Daten­schutz­grün­den oder im Hin­blick auf § 166 HGB aus­ge­schlos­sen 2. Die Geschäfts­füh­re­rin des Fonds ist zur Aus­kunft ver­pflich­tet 3.

Gegen­über dem Aus­kunfts­be­geh­ren des Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten greift auch nicht der Miss­brauchs­ein­wand (§ 242 BGB) durch.

Das Aus­kunfts­be­geh­ren des Gesell­schaf­ters, gerich­tet auf Mit­tei­lung der Namen und Anschrif­ten der Mit­ge­sell­schaf­ter, ist nur durch das Ver­bot der unzu­läs­si­gen Rechts­aus­übung (§ 242 BGB) und das Schi­ka­ne­ver­bot (gemäß § 226 BGB) begrenzt. Eine abs­trak­te Miss­brauchs­ge­fahr allein recht­fer­tigt es nicht, einem Ver­trags­part­ner das Recht zuzu­ge­ste­hen, gegen­über dem ande­ren sei­nen Namen und sei­ne Anschrift zu ver­heim­li­chen 4. Die Beklag­te hat im vor­lie­gen­den Fall in den Tat­sa­chen­in­stan­zen ledig­lich auf die Mög­lich­keit eines Miss­brauchs der Daten durch die Inst­anz­an­wäl­te des Klä­gers hin­ge­wie­sen. Die­sem Vor­trag hat das Beru­fungs­ge­richt zu Recht kei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Gefahr einer unzu­läs­si­gen Auf­nah­me von Kon­takt zu ande­ren Anle­gern oder eines kol­lu­si­ven Zusam­men­wir­kens des Klä­gers mit sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ent­neh­men kön­nen 5.

Soweit die Beklag­te mit Schrift­satz vom 09.04.2013 im Revi­si­ons­ver­fah­ren Unter­la­gen vor­ge­legt hat, aus denen sich ergibt, dass ein Anle­ger­schutz­ver­ein und die Inst­anz­an­wäl­te des Klä­gers ande­re Treu­ge­ber­kom­man­di­tis­ten ange­schrie­ben und auf die Mög­lich­keit der Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen hin­ge­wie­sen haben, nach­dem der Klä­ger im Wege der Voll­stre­ckung aus dem Beru­fungs­ur­teil die begehr­ten Aus­künf­te von der Beklag­ten erhal­ten hat­te, ver­mag dies der Revi­si­on eben­falls nicht zum Erfolg zu ver­hel­fen. Zwar läge ein miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten vor, wenn der Klä­ger bereits vor Erlass des Beru­fungs­ur­teils beab­sich­tigt hät­te, bei einem Erfolg sei­ner Kla­ge die Namen und Anschrif­ten der ande­ren Anle­ger an den Anle­ger­schutz­ver­ein wei­ter­zu­ge­ben oder sei­nen Inst­anz­an­wäl­ten zu dem Zweck zu über­las­sen, dass die­se ande­re Anle­ger zur Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen anreg­ten, da der Klä­ger die Her­aus­ga­be der Daten dann nicht zur Wahr­neh­mung sei­ner Gesell­schaf­ter­rech­te in der Fonds­ge­sell­schaft begehrt hät­te. Bei dem Vor­brin­gen im Schrift­satz vom 09.04.2013 han­delt es sich jedoch um neu­en Tat­sa­chen­vor­trag, der im Revi­si­ons­ver­fah­ren nicht berück­sich­tigt wer­den kann.

Nach § 559 Abs. 1 Satz 1 ZPO unter­liegt ledig­lich das­je­ni­ge Vor­brin­gen der Beur­tei­lung des Revi­si­ons­ge­richts, das aus dem Tat­be­stand des Beru­fungs­ur­teils oder dem Sit­zungs­pro­to­koll ersicht­lich ist. Die tat­säch­li­che Urteils­grund­la­ge wird durch das Ende der Beru­fungs­ver­hand­lung abge­schlos­sen 6. Neue Tat­sa­chen dür­fen im Revi­si­ons­ver­fah­ren grund­sätz­lich nicht berück­sich­tigt wer­den. Eine Aus­nah­me hier­von wird nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zwar unter ande­rem dann gemacht, wenn die neu­en Tat­sa­chen, die sich erst wäh­rend des Revi­si­ons­ver­fah­rens ereig­net haben, unstrei­tig sind und schüt­zens­wer­te Belan­ge der Gegen­sei­te nicht ent­ge­gen­ste­hen 7. Der Klä­ger hat den neu­en Tat­sa­chen­vor­trag jedoch bestrit­ten.

  1. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, ZIP 2013, 570 Rn. 11 ff.[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, ZIP 2013, 570 Rn. 26 ff., 41; Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 136/​11, ZIP 2013, 619 Rn. 12 f.[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, ZIP 2013, 570 Rn. 46 ff.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, ZIP 2013, 570 Rn. 43 mwN[]
  5. vgl. inso­weit BGH, Urteil vom 05.02.2013 – II ZR 134/​11, ZIP 2013, 570 Rn. 44 f.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.1988 – II ZR 252/​86, BGHZ 104, 215, 220[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.1988 – II ZR 252/​86, BGHZ 104, 215, 221 mwN[]