Der Ver­trag über die Auf­stel­lung eines Geldautomaten

Mit der Rechts­na­tur eines Ver­trags über die Auf­stel­lung eines Geld­au­to­ma­ten hat­te sich erneut1 der Bun­des­ge­richts­hof zu befassen:

Der Ver­trag über die Auf­stel­lung eines Geldautomaten

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits2 Urteils ent­schie­den, dass ein Ver­trag, bei dem sich die Ver­pflich­tung des Ver­mie­ters – wie hier – dar­auf beschränkt, dem Auto­ma­ten­auf­stel­ler gegen ein monat­li­ches Ent­gelt eine Teil­flä­che der von ihm gemie­te­ten Räum­lich­kei­ten zur Auf­stel­lung des Geld­au­to­ma­ten zur Ver­fü­gung zu stel­len, recht­lich als Miet­ver­trag zu qua­li­fi­zie­ren ist, weil das Ver­trags­ver­hält­nis durch die typi­schen miet­ver­trag­li­chen Haupt­leis­tungs­pflich­ten der Über­las­sung des Miet­ob­jekts zur ver­trags­ge­mä­ßen Nut­zung gegen Zah­lung eines Ent­gelts (§ 535 Abs. 1 und 2 BGB) geprägt wird.

Auf einen sol­chen mit einer Lauf­zeit von mehr als einem Jahr abge­schlos­se­nen Ver­trag fin­det daher gemäß § 578 Abs. 2 BGB das Schrift­form­erfor­der­nis des § 550 Satz 1 BGB Anwen­dung3.

Für die Ein­hal­tung der Schrift­form ist es nicht erfor­der­lich, dass schon die ers­te Ver­trags­ur­kun­de selbst alle Schrift­form­vor­aus­set­zun­gen erfüllt. Viel­mehr genügt es, wenn die­se Vor­aus­set­zun­gen durch eine nach­fol­gen­de Ände­rungs­ver­ein­ba­rung gemein­sam mit der in Bezug genom­me­nen ers­ten Ver­trags­ur­kun­de erfüllt wer­den4. Dabei kann es im Ein­zel­fall auch genü­gen, wenn ledig­lich eine dem Ver­trag bei­gefüg­te Anla­ge von den Par­tei­en unter­schrie­ben wird, sofern hin­rei­chend deut­lich ist, auf wel­chen Ver­trag sich die Anla­ge bezieht.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die Schrift­form des § 550 BGB nur gewahrt, wenn sich die für den Abschluss des Ver­trags not­wen­di­ge Eini­gung über alle wesent­li­chen Ver­trags­be­din­gun­gen – ins­be­son­de­re den Miet­ge­gen­stand, die Mie­te, die Ver­trags­dau­er und die Par­tei­en des Miet­ver­hält­nis­ses – aus einer von bei­den Par­tei­en unter­zeich­ne­ten Urkun­de ergibt. Da auch form­be­dürf­ti­ge Ver­trags­klau­seln grund­sätz­lich der Aus­le­gung zugäng­lich sind, reicht es aus, wenn der Inhalt der Ver­trags­be­din­gun­gen im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses bestimm­bar ist5. Wer­den wesent­li­che ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen nicht im Miet­ver­trag selbst schrift­lich nie­der­ge­legt, son­dern in Anla­gen aus­ge­la­gert, so dass sich der Gesamt­in­halt der miet­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung erst aus dem Zusam­men­spiel die­ser „ver­streu­ten“ Bedin­gun­gen ergibt, müs­sen die Par­tei­en zur Wah­rung der Urkun­den­ein­heit die Zusam­men­ge­hö­rig­keit die­ser Schrift­stü­cke in geeig­ne­ter Wei­se zwei­fels­frei kennt­lich machen. Dazu bedarf es kei­ner kör­per­li­chen Ver­bin­dung die­ser Schrift­stü­cke. Viel­mehr genügt für die Ein­heit der Urkun­de die blo­ße gedank­li­che Ver­bin­dung, die aller­dings in einer zwei­fels­frei­en Bezug­nah­me zum Aus­druck kom­men muss6.

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Zur Schrift­form gehört zudem, dass die Urkun­de gemäß § 126 Abs. 1 und 2 BGB von den Ver­trags­par­tei­en eigen­hän­dig unter­zeich­net wird und die bei­der­sei­ti­gen Unter­schrif­ten den gesam­ten Ver­trags­in­halt decken und den Ver­trags­text räum­lich abschlie­ßen, also unter­halb des Tex­tes ste­hen und damit äußer­lich die urkund­li­che Erklä­rung voll­enden7.

Aller­dings ist es für die Ein­hal­tung der Schrift­form nicht erfor­der­lich, dass schon die ers­te Ver­trags­ur­kun­de selbst alle Schrift­form­vor­aus­set­zun­gen erfüllt. Viel­mehr genügt es, wenn die­se Vor­aus­set­zun­gen durch eine nach­fol­gen­de Ände­rungs­ver­ein­ba­rung gemein­sam mit der in Bezug genom­me­nen ers­ten Ver­trags­ur­kun­de erfüllt wer­den. Dabei kann es nach den Umstän­den des jewei­li­gen Fal­les auch genü­gen, wenn ledig­lich eine dem Ver­trag bei­gefüg­te Anla­ge von den Par­tei­en unter­schrie­ben wird, vor­aus­ge­setzt, dass hin­rei­chend deut­lich ist, auf wel­chen Ver­trag sich die Anla­ge bezieht. Eine kör­per­li­che Ver­bin­dung der Anla­ge mit dem in Bezug genom­me­nen Ver­trag ist dabei nicht erfor­der­lich. Wie bei einer Nach­trags­ver­ein­ba­rung genügt es zur Ein­hal­tung der Schrift­form, dass zwi­schen der Anla­ge und dem Miet­ver­trag eine gedank­li­che Ver­bin­dung besteht, die erken­nen lässt, dass die bei­den Schrift­stü­cke in ihrer Gesamt­heit den Ver­trag bil­den. Aus­rei­chend ist daher, dass die Anla­ge die Miet­ver­trags­par­tei­en bezeich­net, hin­rei­chend deut­lich auf den ursprüng­li­chen Ver­trag Bezug nimmt und ersicht­lich ist, dass es im Übri­gen bei den Bestim­mun­gen des ursprüng­li­chen Ver­trags ver­blei­ben soll8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Febru­ar 2021 – XII ZR 26/​20

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 04.11.2020 – XII ZR 104/​19 NZM 2020, 1111[]
  2. BGH, Urteil vom 04.11.2020 – XII ZR 104/​19 NZM 2020, 1111[]
  3. BGH, Urteil vom 04.11.2020 – XII ZR 104/​19 – NZM 2020, 1111 Rn. 16 mwN[]
  4. im Anschluss an BGH, Urteil vom 04.11.2020 – XII ZR 104/​19 – NZM 2020, 1111[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 17.06.2015 – XII ZR 98/​13 , NJW 2015, 2648 Rn. 42 mwN[]
  6. BGH, Urtei­le BGHZ 224, 370 = NJW 2020, 1507 Rn.19 mwN und BGHZ 176, 301 = NJW 2008, 2178 Rn.20 f. mwN[]
  7. BGH, Urteil vom 04.11.2020 – XII ZR 104/​19 – NZM 2020, 1111 Rn.19 mwN[]
  8. BGH, Urteil vom 04.11.2020 – XII ZR 104/​19 – NZM 2020, 1111 Rn.20 mwN[]

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