Die Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung eines Anla­ge­ver­mitt­lers – und ihre Zurech­nung zu den Alt­ge­sell­schaf­tern

Die Zurech­nung einer Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung eines Ver­mitt­lers an einen auf­klä­rungs­pflich­ti­gen Alt­ge­sell­schaf­ter kommt nicht nur dann in Betracht, wenn der Alt­ge­sell­schaf­ter mit der Kapi­tal­su­che befasst ist oder es eine direk­te ver­trag­li­che "Auf­trags­ket­te" zwi­schen dem Alt­ge­sell­schaf­ter und dem Ver­mitt­ler gibt.

Die Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung eines Anla­ge­ver­mitt­lers – und ihre Zurech­nung zu den Alt­ge­sell­schaf­tern

Die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin muss selbst als auf­klä­rungs­pflich­ti­ge Alt­ge­sell­schaf­te­rin einem Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten für sei­ne Bei­tritts­ent­schei­dung ein zutref­fen­des Bild über das Betei­li­gungs­ob­jekt ver­mit­teln und ihn über alle Umstän­de, die für sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung von wesent­li­cher Bedeu­tung sind oder sein kön­nen, ins­be­son­de­re über die mit der ange­bo­te­nen spe­zi­el­len Betei­li­gungs­form ver­bun­de­nen Nach­tei­le und Risi­ken zutref­fend, ver­ständ­lich und voll­stän­dig auf­klä­ren 1. Der auf­klä­rungs­pflich­ti­ge Alt­ge­sell­schaf­ter, der sich zu den ver­trag­li­chen Ver­hand­lun­gen über einen Bei­tritt eines ein­ge­schal­te­ten Ver­triebs bedient und daher die­sem oder von die­sem ein­ge­schal­te­ten Unter­ver­mitt­lern die von ihm geschul­de­te Auf­klä­rung der Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten über­lässt, haf­tet über § 278 BGB für deren unrich­ti­ge oder unzu­rei­chen­de Anga­ben. Er muss sich das Fehl­ver­hal­ten von Per­so­nen, die er mit den Ver­hand­lun­gen zum Abschluss des Bei­tritts­ver­tra­ges ermäch­tigt hat, zurech­nen las­sen 2. Die Ein­schal­tung eines Ver­triebs ist einer Alt­ge­sell­schaf­te­rin auch zure­chen­bar, wenn sie nicht selbst einen Ver­trieb ein­schal­tet, son­dern die geschul­de­te Auf­klä­rung einem Mit­ge­sell­schaf­ter oder der Fonds­ge­sell­schaft über­lässt und die­se ihrer­seits einen Ver­trieb ein­schal­tet.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. April 2018 – II ZR 265/​16

  1. BGH, Urteil vom 04.07.2017 – II ZR 358/​16, ZIP 2017, 1664 Rn. 9 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 01.10.1984 – II ZR 158/​84, ZIP 1984, 1473, 1474; Urteil vom 14.01.1985 – II ZR 41/​84, WM 1985, 533, 534; Urteil vom 14.07.2003 – II ZR 202/​02, ZIP 2003, 1651, 1652; Urteil vom 26.09.2005 – II ZR 314/​03, ZIP 2005, 2060, 2063; Urteil vom 03.12 2007 – II ZR 21/​06, ZIP 2008, 412 Rn. 17; Urteil vom 14.05.2012 – II ZR 69/​12, ZIP 2012, 1289 Rn. 11; Urteil vom 09.07.2013 – II ZR 9/​12, ZIP 2013, 1616 Rn. 37; Urteil vom 04.07.2017 – II ZR 358/​16, ZIP 2017, 1664 Rn. 10 mwN[]