Die ord­nungs­ge­mä­ße Auf­klä­rung eines Kapi­tal­an­le­gers

Einem Anle­ger muss für sei­ne Bei­tritts­ent­schei­dung ein rich­ti­ges Bild über das Betei­li­gungs­ob­jekt ver­mit­telt wer­den, das heißt er muss über alle Umstän­de, die für sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung von wesent­li­cher Bedeu­tung sind oder sein kön­nen, ins­be­son­de­re über die mit der ange­bo­te­nen spe­zi­el­len Betei­li­gungs­form ver­bun­de­nen Nach­tei­le und Risi­ken zutref­fend, ver­ständ­lich und voll­stän­dig auf­ge­klärt wer­den [1].

Die ord­nungs­ge­mä­ße Auf­klä­rung eines Kapi­tal­an­le­gers

Wird dem Anla­ge­in­ter­es­sen­ten statt einer rein münd­li­chen Auf­klä­rung im Rah­men des Ver­trags­an­bah­nungs­ge­sprächs ein Pro­spekt über die Kapi­tal­an­la­ge über­reicht, kann das als Mit­tel der Auf­klä­rung genü­gen. Dann muss der Pro­spekt aber nach Form und Inhalt geeig­net sein, die nöti­gen Infor­ma­tio­nen wahr­heits­ge­mäß und und ver­ständ­lich zu ver­mit­teln. Außer­dem muss er dem Anla­ge­in­ter­es­sen­ten so recht­zei­tig vor Ver­trags­schluss über­las­sen wer­den, dass sein Inhalt noch zur Kennt­nis genom­men wer­den kann [2].

Wird der Pro­spekt nicht vor der Zeich­nung über­ge­ben, erfolgt die Ver­mitt­lung aber auf Grund­la­ge des Pro­spekts, gilt nichts ande­res, da sich etwai­ge Pro­spekt­män­gel in das Bera­tungs­ge­spräch hin­ein fort­set­zen und genau­so wir­ken, wie wenn dem Anle­ger der Pro­spekt recht­zei­tig über­ge­ben wor­den wäre und er kein Gespräch mit dem Anla­ge­ver­mitt­ler geführt, son­dern sich allei­ne aus dem Pro­spekt infor­miert hät­te [3].

Für die Beur­tei­lung, ob ein Pro­spekt unrich­tig oder unvoll­stän­dig ist, ist nicht iso­liert auf eine bestimm­te For­mu­lie­rung, son­dern auf das Gesamt­bild abzu­stel­len, das er dem Anle­ger unter Berück­sich­ti­gung der von ihm zu for­dern­den sorg­fäl­ti­gen und ein­ge­hen­den Lek­tü­re ver­mit­telt [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Sep­tem­ber 2014 – II ZR 314/​13

  1. BGH, Beschluss vom 15.01.2013 – II ZR 43/​12 7; Urteil vom 23.04.2012 – II ZR 211/​09, ZIP 2012, 1231 Rn. 13 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 21.03.2005 – II ZR 140/​03, ZIP 2005, 753, 757 f. mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 03.12 2007 – II ZR 21/​06, ZIP 2008, 412 Rn. 17 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 05.03.2013 – II ZR 252/​11, ZIP 2013, 773 Rn. 14 mwN[]