Erb­nach­wei­se – und die Anfor­de­run­gen einer Bank

Die Klau­seln Nr. 5 (1) Satz 1 und Satz 2 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Spar­kas­sen zu Erb­nach­wei­sen sind nach einem Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Hamm wegen Ver­sto­ßes gegen § 307 BGB unwirk­sam.

Erb­nach­wei­se – und die Anfor­de­run­gen einer Bank

In dem vom OLG Hamm ent­schie­de­nen Rechts­streit ver­langt der Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len von einer Spar­kas­se aus dem Enne­pe-Ruhr-Kreis, es zu unter­las­sen, nach­fol­gen­de AGB-Klau­seln zu ver­wen­den, über deren Wirk­sam­keit die Par­tei­en strei­ten:

Nr. 5 (1) Erb­nach­wei­se
Nach dem Tode des Kun­den kann die Spar­kas­se zur Klä­rung der rechts­ge­schäft­li­chen Berech­ti­gung die Vor­le­gung eines Erb­scheins, eines Tes­ta­ments­voll­stre­ckerzeug­nis­ses oder ähn­li­cher gericht­li­cher Zeug­nis­se ver­lan­gen; fremd­spra­chi­ge Urkun­den sind auf Ver­lan­gen mit deut­scher Über­set­zung vor­zu­le­gen. Die Spar­kas­se kann auf die Vor­le­gung eines Erb­scheins oder eines Tes­ta­ments­voll­stre­ckerzeug­nis­ses ver­zich­ten, wenn ihr eine Aus­fer­ti­gung oder eine beglau­big­te Abschrift von Tes­ta­ment oder Erb­ver­trag des Kun­den sowie die Nie­der­schrift über die zuge­hö­ri­ge Eröff­nungs­ver­hand­lung vor­ge­legt wird.“

Das Ober­lan­des­ge­richt Hamm hat die bei­den Klau­seln für unwirk­sam erach­tet und die beklag­te Spar­kas­se zur Unter­las­sung ver­ur­teilt. Die Klau­seln wichen von der gesetz­li­chen Rege­lung ab, nach der ein Erbe sein Erbrecht nicht nur durch einen Erb­schein son­dern auch in ande­rer Form nach­wei­sen kön­ne. Durch die Klau­seln wer­de der Ver­trags­part­ner der Spar­kas­se ent­ge­gen den Gebo­ten von Treu und Glau­ben unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt. Ein durch­schnitt­li­cher Bank­kun­de ver­ste­he die Rege­lung des Sat­zes 1 so, dass die Spar­kas­se die Vor­la­ge eines Erb­scheins unab­hän­gig davon bean­spru­chen kön­ne, ob im kon­kre­ten Ein­zel­fall das Erbrecht auch auf ande­re Wei­se nach­ge­wie­sen wer­den kön­ne. Nach dem Satz 2 sei die Spar­kas­se in ihrer Ent­schei­dung völ­lig frei, ob sie bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen die­ses Sat­zes auf die Vor­la­ge eines Erb­scheins ver­zich­te oder nicht. Mit die­sen Inhal­ten sei­en die Klau­seln mit dem wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung nicht ver­ein­bar. Zu Unrecht las­se sich die Spar­kas­se ein Recht auf Vor­la­ge eines Erb­scheins unab­hän­gig davon ein­räu­men, ob das Erbrecht im kon­kre­ten Ein­zel­fall über­haupt zwei­fel­haft sei, ob es auch anders als durch die Vor­la­ge eines Erb­scheins nach­ge­wie­sen wer­den kön­ne oder ob das Ver­lan­gen nach der Vor­la­ge eines Erb­scheins mög­li­cher­wei­se rechts­miss­bräuch­lich sei, weil das Kon­to nur ein sehr gerin­ges Gut­ha­ben auf­wei­se. Weder Erb­las­ser noch Erbe hät­ten in die­sen Fäl­len an einem Erb­schein ein Inter­es­se. Anders die Spar­kas­se, weil sie sich nach der Vor­la­ge des Erb­scheins auf des­sen nach den §§ 2366, 2367 BGB ver­mu­te­te Rich­tig­keit beru­fen kön­ne. Die­sem Inter­es­se sei aber nicht durch das in den AGB sta­tu­ier­te unbe­schränk­te Wahl­recht, son­dern durch eine dif­fe­ren­zier­te Betrach­tung der jewei­li­gen Fäl­le Rech­nung zu tra­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 1. Okto­ber 2012 – I‑31 U 55/​12
[nicht rechts­kräf­tig, Revi­si­on beim BGH – XI ZR 401/​12]