Feh­ler­haf­te Anla­ge­be­ra­tung – die Risi­ken offe­ner Immo­bi­li­en­fonds

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Haf­tung einer Bank wegen feh­ler­haf­ter Anla­ge­be­ra­tung im Zusam­men­hang mit dem Erwerb von Antei­len an einem offe­nen Immo­bi­li­en­fonds zuguns­ten der Anle­ger kon­kre­ti­siert:

Feh­ler­haf­te Anla­ge­be­ra­tung – die Risi­ken offe­ner Immo­bi­li­en­fonds

Die kla­gen­den Anle­ge­rin­nen erwar­ben in bei­den Ver­fah­ren im März bzw. Juli 2008 nach Bera­tung durch die beklag­te Bank jeweils Antei­le an einem offe­nen Immo­bi­li­en­fonds. Die Fonds­ge­sell­schaft setz­te im Okto­ber 2008 die Rück­nah­me der Antei­le gemäß § 81 InvG a.F. (nun­mehr § 257 KAGB) aus. Die Klä­ge­rin­nen wur­den in bei­den Fäl­len in den Bera­tungs­ge­sprä­chen nicht auf das Risi­ko einer Aus­set­zung der Anteils­rück­nah­me hin­ge­wie­sen. Sie bean­spru­chen im Wege des Scha­dens­er­sat­zes das inves­tier­te Kapi­tal unter Abzug eines erziel­ten Ver­äu­ße­rungs­er­lö­ses bzw. erhal­te­ner Aus­schüt­tun­gen zurück.

Die bei­den Kla­gen wur­den in den Vor­in­stan­zen unter­schied­lich beur­teilt:

Die eine Kla­ge blieb in den Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt Chem­nitz 1 und dem Ober­lan­des­ge­richt Dres­den 2 ohne Erfolg. Auf die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil des Ober­lan­des­ge­richts Dres­den auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Die ande­re Kla­ge hat­te dage­gen in den Vor­in­stan­zen Erfolg. Das Land­ge­richt Frank­furt am Main hat ihr erst­in­stanz­lich statt­ge­ge­ben 3, das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main die Beru­fung der Bank zurück­ge­wie­sen 4. Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te dies nun und wies die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der beklag­ten Bank zurück.

Eine Bank, die den Erwerb von Antei­len an einem offe­nen Immo­bi­li­en­fonds emp­fiehlt, muss den Anle­ger unge­fragt über das Bestehen der Mög­lich­keit einer Aus­set­zung der Anteils­rück­nah­me durch die Fonds­ge­sell­schaft auf­klä­ren. Kenn­zeich­nend für regu­lier­te Immo­bi­li­en-Son­der­ver­mö­gen ist, dass die Anle­ger gemäß § 37 InvG aF (nun­mehr § 187 KAGB) ihre Fonds­an­tei­le grund­sätz­lich jeder­zeit liqui­die­ren, d. h. zu einem im Gesetz gere­gel­ten Rück­nah­me­preis an die Kapi­tal­an­la­ge­ge­sell­schaft zurück­ge­ben kön­nen.

Die in § 81 InvG aF gere­gel­te Mög­lich­keit, die Anteils­rück­nah­me aus­zu­set­zen, stellt dem­entspre­chend ein wäh­rend der gesam­ten Inves­ti­ti­ons­pha­se bestehen­des Liqui­di­täts­ri­si­ko dar, über das der Anle­ger infor­miert sein muss, bevor er sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung trifft. Ob eine Aus­set­zung der Anteils­rück­nah­me zum Zeit­punkt der Bera­tung vor­her­seh­bar oder fern­lie­gend ist, spielt für die Auf­klä­rungs­pflicht der Bank kei­ne Rol­le.

Anle­ger kön­nen ihre Antei­le an einem offe­nen Immo­bi­li­en­fonds zwar auch wäh­rend einer Aus­set­zung der Anteils­rück­nah­me wei­ter­hin an der Bör­se ver­äu­ßern. Dies stellt ange­sichts der dort mög­li­chen Beein­flus­sung des Prei­ses durch spe­ku­la­ti­ve Ele­men­te aber kein Äqui­va­lent zu der Mög­lich­keit dar, die Antei­le zu einem gesetz­lich gere­gel­ten Rück­nah­me­preis an die Fonds­ge­sell­schaft zurück zu geben.

Auf die Fra­ge, ob eine Aus­set­zung der Anteils­rück­nah­me den Inter­es­sen der Anle­ger dient, kommt es für die Auf­klä­rungs­pflicht der Bank nicht an. Die vor­über­ge­hen­de Aus­set­zung der Anteils­rück­nah­me soll der Gefahr einer wirt­schaft­lich nicht sinn­vol­len Ver­wer­tung des Fonds­ver­mö­gens in einer Kri­sen­si­tua­ti­on vor­beu­gen. Da die Aus­set­zung jedoch dem Liqui­di­täts­in­ter­es­se der Anle­ger ent­ge­gen­steht, ist hier­über vor der Anla­ge­ent­schei­dung auf­zu­klä­ren.

Da in der einen der bei­den Kla­gen das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den in sei­nem Beru­fungs­ur­teil zu den Fra­gen, ob die Klä­ge­rin durch eine schrift­li­che Kun­den­in­for­ma­ti­on zeit­nah über das Bestehen der Mög­lich­keit einer Aus­set­zung der Anteils­rück­nah­me infor­miert wur­de und ob die zu unter­stel­len­de Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung der Beklag­ten für die Anla­ge­ent­schei­dung der Klä­ge­rin ursäch­lich war, kei­ne abschlie­ßen­den Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat, hat der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den zurück­ver­wie­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 29. April 2014 – XI ZR 477/​12 und XI ZR 130/​13

  1. LG Chem­nitz, Urteil vom 27.02.2012 – 7 O 780/​11[]
  2. OLG Dres­den, Urteil vom 15.112012 – 8 U 512/​12, WM 2013, 363[]
  3. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 07.11.2011 – 2 – 19 O 170/​11[]
  4. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 13.02.2012 – 9 U 131/​11, BKR 2013, 290[]