Film­fonds – und die erfor­der­li­che Risi­ko­auf­klä­rung der Anle­ger

Zu den Anfor­de­run­gen an die in einem Pro­spekt eines Film­fonds ent­hal­te­ne Auf­klä­rung über die Risi­ken der steu­er­li­chen Aner­ken­nungs­fä­hig­keit des Anla­ge­mo­dells und über die Erzie­lung von Lizenz­ge­büh­ren hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men:

Film­fonds – und die erfor­der­li­che Risi­ko­auf­klä­rung der Anle­ger

Risi­ko der steu­er­li­chen Aner­ken­nung[↑]

Im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall sind die Ein­zah­lun­gen der Anle­ger an den Pro­duk­ti­ons­dienst­leis­ter über­wie­sen wor­den. Die Beauf­tra­gung eines Pro­duk­ti­ons­dienst­leis­ters durch die Fonds­ge­sell­schaft ent­spricht – wie dem Bun­des­ge­richts­hof aus einer gro­ßen Zahl von ver­gleich­ba­ren Fäl­len bekannt ist – einer häu­fig geüb­ten Pra­xis von Film­fonds. Sie steht der steu­er­recht­li­chen Her­stell­erei­gen­schaft der Fonds­ge­sell­schaft und einer steu­er­recht­li­chen Bewer­tung als unter­neh­me­ri­sche Betei­li­gung nicht zwin­gend ent­ge­gen1.

Kann aber eine Wei­ter­lei­tung der von der Fonds­ge­sell­schaft an den Pro­duk­ti­ons­dienst­leis­ter über­wie­se­nen Anla­ge­gel­der an die schuld­über­neh­men­de Bank nicht zugrun­de gelegt wer­den, ent­fällt die Grund­la­ge für die Zwei­fel des Beru­fungs­ge­richts dar­an, dass die Anle­ger ein unter­neh­me­ri­sches Risi­ko auf sich genom­men haben, für das sie steu­er­recht­lich als Han­deln­de im Sin­ne einer unter­neh­me­ri­schen Betei­li­gung (vgl. § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG) ange­se­hen wer­den müss­ten. Ob sol­che Zwei­fel für den Fall eines – vor­lie­gend nicht fest­ge­stell­ten – "Geld­kreis­laufs" berech­tigt wären, kann daher offen blei­ben2.

Eine Pflicht zum beson­de­ren Hin­weis auf das – ange­nom­me­ne – Risi­ko der steu­er­li­chen Aus­ge­stal­tung des streit­ge­gen­ständ­li­chen Anla­ge­mo­dells im Pro­spekt – neben den dar­in ohne­hin ent­hal­te­nen Hin­wei­sen auf steu­er­recht­li­che Risi­ken – bestand somit nicht.

Eine sol­che beson­de­re Hin­weis­pflicht wird auch nicht durch die Aus­füh­run­gen begrün­det, es habe im Hin­blick auf die steu­er­li­che Bewer­tung der Betei­li­gun­gen als unter­neh­me­ri­sche Betei­li­gun­gen bald und über Jah­re hin­weg gegen­sätz­li­che Beur­tei­lun­gen zwi­schen Anle­gern und Finanz­be­hör­den gege­ben. Im hier ent­schie­de­nen Fall wur­den inso­weit kei­ne hin­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen, wel­che mit der vor­lie­gen­den Anla­ge ver­gleich­ba­ren Betei­li­gun­gen zu wel­chem Zeit­punkt von den Finanz­be­hör­den unter dem Gesichts­punkt der unter­neh­me­ri­schen Betei­li­gung steu­er­lich nicht aner­kannt wur­den. Ent­spre­chen­de Fest­stel­lun­gen wären auch des­halb erfor­der­lich gewe­sen, weil vor­lie­gend das steu­er­li­che Kon­zept des Fonds von den Finanz­be­hör­den im Wesent­li­chen – näm­lich im Hin­blick auf die Aner­ken­nung der anfäng­li­chen Ver­lus­te – nicht bean­stan­det wor­den ist. Eine feh­len­de Aner­ken­nung durch die Finanz­be­hör­den in frü­he­ren Jah­ren setzt daher eine Ände­rung der behörd­li­chen Pra­xis zu einem spä­te­ren Zeit­punkt vor­aus.

Es kann jeden­falls im vor­lie­gen­den Ver­fah­rens­sta­di­um auch nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die soge­nann­te Linea­ri­sie­rung der Lizenz­zah­lun­gen – in Gestalt einer steu­er­li­chen Akti­vie­rung der Schluss­zah­lung des Lizenz­neh­mers bereits wäh­rend der Fonds­lauf­zeit – den steu­er­li­chen Erfolg des streit­ge­gen­ständ­li­chen Film­fonds in Fra­ge gestellt hat. Das Beru­fungs­ge­richt hat eine sol­che Fest­stel­lung nicht getrof­fen. Es erwähnt die Linea­ri­sie­rung zwar, wür­digt sie jedoch recht­lich nicht. Auch hat es nicht fest­ge­stellt, dass für den Anle­ger durch die Linea­ri­sie­rung steu­er­li­che Nach­tei­le ent­stan­den sind.

Risi­ko varia­bler Lizenz­ge­büh­ren[↑]

Lizenz­ver­trä­ge und Lizenz­ge­büh­ren sidn ein wich­ti­ges Ele­ment in der Kon­zep­ti­on des Fonds. Dies ergibt sich im vor­lie­gen­den Fall ins­be­son­de­re aus der Höhe der fes­ten Lizenz­ge­büh­ren von 72, 59 % der Her­stel­lungs­kos­ten und der Ein­mal­zah­lung des Lizenz­neh­mers von 116, 11 % der Her­stel­lungs­kos­ten.

Die varia­blen Lizenz­ge­büh­ren sind dage­gen kein wesent­li­ches Ele­ment der Fonds­kon­zep­ti­on. Der Bun­des­ge­richts­hof teilt inso­fern nicht die Auf­fas­sung, der Pro­spekt stel­le in Aus­sicht, es kön­ne zur Ein­nah­me hoher varia­bler Lizenz­ge­büh­ren kom­men, und es wer­de ein Gewinn­ver­spre­chen sug­ge­riert. Die ent­spre­chen­de Annah­me beruht auf einer unvoll­stän­di­gen Wür­di­gung des Streit­stoffs. Der Bun­des­ge­richts­hof weist inso­weit auf Text­stel­len des Pro­spekts hin, aus denen – teil­wei­se durch Umrah­mun­gen und Fett­druck her­vor­ge­ho­ben – deut­lich wird, dass varia­ble Lizenz­ge­büh­ren nicht zuge­sagt wer­den kön­nen, hohen Unwäg­bar­kei­ten unter­lie­gen und bei der Anla­ge­ent­schei­dung nicht berück­sich­tigt wer­den soll­ten. Der Anle­ger konn­te daher von vor­ne­her­ein mit varia­blen Lizenz­ge­büh­ren in erheb­li­cher, sei­ne Anla­ge­ent­schei­dung maß­geb­lich beein­flus­sen­der Höhe nicht rech­nen.

Der Bun­des­ge­richts­hof ver­mag auch der Auf­fas­sung, die Anga­ben zu den varia­blen Lizenz­ge­büh­ren auf Sei­te 27 des Pro­spekts sei­en nicht aus­rei­chend ver­ständ­lich und damit feh­ler­haft, nicht zu fol­gen. Die genann­te Text­stel­le des Pro­spekts beinhal­tet die Dar­stel­lung der Berech­nung etwai­ger varia­bler Lizenz­ge­büh­ren, die für einen durch­schnitt­li­chen Anle­ger in ihrer Grund­struk­tur hin­rei­chend ver­ständ­lich ist. Aus­gangs­punkt der Berech­nung sind die Ver­triebs­ein­nah­men des Lizenz­neh­mers, von denen die­ser neben den fes­ten Lizenz­ge­büh­ren und den Ein­mal­zah­lun­gen sei­ne wei­te­ren Kos­ten und Ver­bind­lich­kei­ten in Abzug brin­gen darf. Das Feh­len von Anga­ben zur Höhe der in Abzug zu brin­gen­den Posi­tio­nen beein­flusst die Ver­ständ­lich­keit der Grund­struk­tur der Berech­nungs­wei­se nicht. Viel­mehr wird erkenn­bar, dass die Höhe der – varia­blen – Lizenz­ge­büh­ren und sogar ihre Zah­lung als sol­che noch nicht fest­ste­hen. Vor die­sem Hin­ter­grund und ange­sichts der des­halb ohne­hin allen­falls gerin­gen Bedeu­tung der varia­blen Lizenz­ge­büh­ren für die Anla­ge­ent­schei­dung bedurf­te es auch einer wei­te­ren Erläu­te­rung der Abzugs­pos­ten nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Okto­ber 2015 – III ZR 264/​14

  1. vgl. zur Her­stell­erei­gen­schaft: BMF, Schrei­ben vom 23.02.2001 – IV A 6‑S 22418/​01, sog. Medi­en­erlass []
  2. zur steu­er­recht­li­chen Bewer­tung von Zah­lungs­flüs­sen vom Film­fonds über den Pro­duk­ti­ons­dienst­leis­ter und den Lizenz­neh­mer an die schuld­über­neh­men­de Bank vgl. BGH, Beschlüs­se vom 29.07.2014 – II ZB 1/​12, WM 2014, 2040 Rn. 4, 37 ff und – II ZB 30/​12, WM 2014, 2075 Rn. 76 ff []