Form­un­wirk­sa­me Schieds­klau­seln

Gestal­tet ein aus­län­di­scher Bro­ker sei­ne Ver­trags­for­mu­la­re so, dass sei­ne Unter­zeich­nung der dort auf­ge­führ­ten Schieds­ab­re­de nicht vor­ge­se­hen ist, kann sei­nem Ver­trags­part­ner, der das For­mu­lar zwar selbst unter­schrie­ben hat, sich aber auf die Form­nich­tig­keit der Schieds­ab­re­de beruft, kein wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten vor­ge­wor­fen wer­den.

Form­un­wirk­sa­me Schieds­klau­seln

Die Schieds­klau­sel erfüllt nicht die in Art. II des New Yor­ker Über­ein­kom­mens über die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung aus­län­di­scher Schieds­sprü­che vom 10. Juni 1958 [1] (im Fol­gen­den: UNÜ) vor­ge­schrie­be­ne Form, die auch in der – hier gege­be­nen – Ein­re­de­si­tua­ti­on des § 1032 Abs. 1 ZPO gewahrt sein muss, wenn die Schieds­ab­re­de – wie hier – zu einem aus­län­di­schen Schieds­spruch im Sin­ne von Art. I Abs. 1 UNÜ füh­ren kann [2].

Art. II Abs. 1 UNÜ for­dert eine schrift­li­che Ver­ein­ba­rung. Dar­un­ter ist nach Art. II Abs. 2 UNÜ eine Schieds­klau­sel in einem Ver­trag oder eine Schieds­ab­re­de zu ver­ste­hen, sofern der Ver­trag oder die Schieds­ab­re­de von den Par­tei­en unter­zeich­net oder in Brie­fen oder Tele­gram­men ent­hal­ten ist, die sie gewech­selt haben. Bei­des ist hier nicht der Fall.

Die ers­te Schrift­for­mal­ter­na­ti­ve ist nicht erfüllt, weil der Kon­to­füh­rungs­ver­trag, auf des­sen Rück­sei­te unter ande­rem die Schieds­klau­sel der Beklag­ten abge­druckt ist, nur von dem Klä­ger unter­zeich­net wor­den ist und damit nicht das bei­der­sei­ti­ge (sog. vol­le) Schrift­form­erfor­der­nis wahrt [3]. Auch ein Schrift­wech­sel im Sin­ne des Art. II Abs. 2 Alt. 2 UNÜ liegt nicht vor. Ein sol­cher lässt sich nicht aus der nach Ver­trags­schluss erfolg­ten Über­sen­dung des den Kon­to­aus­zü­gen jeweils bei­gefüg­ten Merk­blatts mit der dar­in befind­li­chen Schieds­klau­sel her­lei­ten. Abge­se­hen davon, dass die Beklag­te sich auf die­se inhalt­lich von Zif­fer 15 der Geschäfts­be­din­gun­gen abwei­chen­de Schieds­klau­sel nicht beru­fen hat, befand sie sich nur in dem Merk­blatt, das die Beklag­te dem Klä­ger über­sand­te, mit­hin nicht in gewech­sel­ten Schrift­stü­cken [4].

Der Klä­ger ver­hält sich nicht wider­sprüch­lich, indem er sich auf die For­mun­gül­tig­keit der Schieds­klau­sel beruft. Dabei kann dahin­ste­hen, ob das Ver­bot wider­sprüch­li­chen Ver­hal­tens dem UNÜ inhä­rent ist und es danach einer Par­tei, die eine Schieds­ver­ein­ba­rung unter­schrie­ben hat, ver­wehrt sein kann, unter Hin­weis dar­auf, dass der die Schieds­ein­re­de erhe­ben­de Ver­trags­part­ner sie selbst nicht unter­schrie­ben hat, die Unwirk­sam­keit der Schieds­ver­ein­ba­rung gel­tend zu machen [5]. Denn dem Klä­ger kann schon des­we­gen kein wider­sprüch­li­ches Ver­hal­ten vor­ge­wor­fen wer­den, weil die Beklag­te sich ihrer­seits wider­sprüch­lich ver­hal­ten hat. Sie hat nicht nur von vorn­her­ein im Ver­trags­for­mu­lar ein Unter­schrif­ten­feld und damit eine Unter­schrift für sich selbst nicht vor­ge­se­hen, son­dern zusam­men mit den Kon­to­aus­zü­gen das Merk­blatt „Terms and Con­di­ti­ons“ mit einer Schieds­klau­sel über­sandt, die mit der in Zif­fer 15 der Geschäfts­be­din­gun­gen inhalt­lich nicht über­ein­stimmt.

Schließ­lich genügt die Schieds­klau­sel auch nicht den Form­vor­schrif­ten des natio­na­len Rechts, des­sen Anwen­dung über den Meist­be­güns­ti­gungs­grund­satz (Art. VII UNÜ) eröff­net ist.

Dabei kann dahin ste­hen, ob der Meist­be­güns­ti­gungs­grund­satz so ver­stan­den wer­den könn­te, dass er – unter Durch­bre­chung einer Rück­ver­wei­sung natio­na­len Rechts auf das UNÜ – unmit­tel­bar auf im Ver­gleich zu Art. II UNÜ zurück­hal­ten­de­re natio­na­le Form­vor­schrif­ten der lex fori ver­weist [6]. Denn die For­ma­li­en des danach gege­be­nen­falls beru­fe­nen § 1031 Abs. 5 ZPO, der im Hin­blick auf die im Anschluss an das Land­ge­richt durch das Beru­fungs­ge­richt rechts­feh­ler­frei fest­ge­stell­te Ver­brau­cher­ei­gen­schaft des Klä­gers Anwen­dung fin­det, sind vor­lie­gend nicht erfüllt, da inso­weit kei­ne gerin­ge­ren Anfor­de­run­gen gel­ten als nach Art. II UNÜ [7].

Auch Form­vor­schrif­ten des auf die Schieds­ver­ein­ba­rung anwend­ba­ren Rechts, das – eben­so wie die zu sei­ner Ermitt­lung beru­fe­nen natio­na­len Kol­li­si­ons­re­geln – von der über den Meist­be­güns­ti­gungs­grund­satz gebo­te­nen Anwen­dung schieds­freund­li­che­ren natio­na­len Rechts umfasst wird [8], sind vor­lie­gend nicht ein­ge­hal­ten.

Zustan­de­kom­men und Wirk­sam­keit einer Schieds­ver­ein­ba­rung bemes­sen sich im Kol­li­si­ons­fall nach den Regeln des deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts [9]. Die danach im Streit­fall zeit­lich noch anwend­ba­ren Art. 27 ff. EGBGB aF [8] füh­ren zur Gel­tung des Sta­tuts des Haupt­ver­tra­ges, mit dem die Schieds­ver­ein­ba­rung regel­mä­ßig die engs­te Ver­bin­dung im Sin­ne von Art. 28 Abs. 1 EGBGB aF auf­weist [10], wenn eine aus­drück­li­che auf sie bezo­ge­ne Rechts­wahl fehlt.

Das ist hier der Fall. Die Par­tei­en haben in Bezug auf die Schieds­klau­sel, die kei­nen bestimm­ten Schieds­ort fest­legt, eine Rechts­wahl nicht getrof­fen. Die zwi­schen den Par­tei­en zustan­de gekom­me­nen Kon­to­füh­rungs­ver­trä­ge sehen eine der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung nicht vor. Auch eine nach­träg­li­che Rechts­wahl­ver-ein­ba­rung ist zwi­schen den Par­tei­en nicht zustan­de gekom­men. Zwar befin­det sich in dem letz­ten Satz des mit „Arbi­tra­ti­on Agree­ment“ über­schrie­be­nen Abschnitts im Merk­blatt „Terms and Con­di­ti­ons“ jeweils eine Wahl New Yor­ker Rechts. Jedoch bezieht sich die­se Rechts­wahl nur auf die in die­sem Abschnitt abge­druck­te Schieds­klau­sel, auf die sich die Beklag­te bei der von ihr erho­be­nen Ein­re­de der Schieds­ver­ein­ba­rung gera­de nicht beruft und die mit der von der Beklag­ten inso­weit gel­tend gemach­ten Schieds­klau­sel in Zif­fer 15 der Geschäfts­be­din­gun­gen auch inhalt­lich nicht über­ein­stimmt.

Nichts ande­res wür­de sich erge­ben, wenn mit der Revi­si­ons­er­wi­de­rung den von der Recht­spre­chung abwei­chen­den Stim­men im Schrift­tum zu fol­gen wäre, nach denen das Recht des ver­ein­bar­ten Schieds­or­tes auf die Schieds­ver­ein­ba­rung anzu­wen­den sein soll [11]. Nach der streit­ge­gen­ständ­li­chen Schieds­ver­ein­ba­rung kann zwi­schen meh­re­ren Schieds­or­ten unter­schied­li­cher Rechts­ord­nun­gen frei gewählt wer­den, so dass ein bestimm­ter Schieds­ort noch nicht fest­steht. Für einen sol­chen Fall ist auch nach die­ser Auf­fas­sung das für den Haupt­ver­trag gel­ten­de Recht maß­geb­lich [12].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Juni 2010 – XI ZR 41/​09

  1. BGBl. 1961 II S. 121[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 15.06.1987 – II ZR 124/​86, WM 1987, 1153, 1155; BGH, Beschluss vom 21.09.1993 – XI ZR 52/​92, WM 1993, 2121, 2122, jeweils mwN[]
  3. vgl. dazu Reithmann/​Martiny/​Hausmann, Inter­na­tio­na­les Ver­trags­recht, 7. Aufl., Rn. 6678; Zöller/​Geimer, ZPO, 28. Aufl., § 1031 Rn. 22 f., jeweils mwN[]
  4. vgl. auch BGH, Beschluss vom 21.09.2005 – III ZB 18/​05, WM 2005, 2201, 2202[]
  5. vgl. Reithmann/​Martiny/​Hausmann, Inter­na­tio­na­les Ver­trags­recht, 7. Aufl., Rn. 6698, mwN[]
  6. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 21.09.2005 – III ZB 18/​05, WM 2005, 2201, 2203, mwN[]
  7. vgl. Zöller/​Geimer, aaO, § 1031 Rn. 5[]
  8. BGH, Beschluss vom 21.09.2005 – III ZB 18/​05, WM 2005, 2201, 2203[][]
  9. BGHZ 40, 320, 322 f.; 49, 384, 386[]
  10. vgl. BGH, Beschluss vom 21.09.2005 – III ZB 18/​05, WM 2005, 2201, 2203[]
  11. vgl. Reithmann/​Martiny/​Haus­mann, Inter­na­tio­na­les Ver­trags­recht, 7. Aufl., Rn. 6612, 6620, mwN[]
  12. vgl. Haus­mann, aaO, Rn. 6615, 6627, mwN[]