Geschäfts­gi­ro­kon­ten – und der Preis pro Buchungs­pos­ten

Eine von einer Bank oder Spar­kas­se ver­wen­de­te Preis­klau­sel, die als Teil­ent­gelt für die Füh­rung eines Geschäfts­gi­ro­kon­tos einen ein­heit­li­chen "Preis pro Buchungs­pos­ten" fest­legt, ist unwirk­sam.

Geschäfts­gi­ro­kon­ten – und der Preis pro Buchungs­pos­ten

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Kauf­mann eine Spar­kas­se aus eige­nem und abge­tre­te­nem Recht auf Rück­zah­lung von ver­ein­nahm­ten Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren in Anspruch genom­men. Der Kauf­mann und die Zeden­ten, die ihre ent­spre­chen­den For­de­run­gen an die­sen abge­tre­ten hat­ten, sind auf dem Gebiet der Ver­mitt­lung und Ver­wal­tung von Ver­si­che­rungs­ver­trä­gen tätig und über­neh­men dabei auch das Bei­tragsin­kas­so im Auf­trag des jewei­li­gen Ver­si­che­rers; sie ver­wal­ten ca. 25.000 Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge. Dabei kommt es häu­fig zu einer Rück­be­las­tung von Last­schrif­ten, wofür die Spar­kas­se auf der Grund­la­ge ihrer All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen und des Preis- und Leis­tungs­ver­zeich­nis­ses – neben den Fremd­ge­büh­ren und einem mit dem Kauf­mann geson­dert ver­ein­bar­ten Ent­gelt für die Bear­bei­tung der Rück­last­schrif­ten – ein "Buchungs­pos­ten­ent­gelt" ("Preis pro Buchungs­pos­ten") in Höhe von 0,32 € erhebt. Mit sei­ner Kla­ge begehr­te der Kauf­mann die Rück­zah­lung der von der Spar­kas­se in den Jah­ren 2007 bis 2011 berech­ne­ten Buchungs­pos­ten­ent­gel­te in Höhe von ins­ge­samt 77.637,38 € nebst Zin­sen. Er meint, die Buchungs­pos­ten­klau­sel ver­sto­ße gegen § 307 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB und sei daher unwirk­sam.

Sei­ne Kla­ge hat­te erst­in­stanz­lich vor dem Land­ge­richt Baden-Baden Erfolg1, wäh­rend sie auf die Beru­fung der Spar­kas­se vom Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he abge­wie­sen wur­de2. Auf die vom Ober­lan­des­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on hat der Bun­des­ge­richts­hof nun dem Kauf­mann Recht gege­ben und das land­ge­richt­li­che Urteil wie­der­her­ge­stellt:

Nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB unter­lie­gen unter ande­rem sol­che All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen der Inhalts­kon­trol­le, durch die von Rechts­vor­schrif­ten abwei­chen­de Rege­lun­gen ver­ein­bart wer­den. Das trifft auf die vom Kauf­mann bean­stan­de­te Klau­sel sowohl für den Zeit­raum vor als auch nach Inkraft­tre­ten des Zah­lungs­dienst­e­rechts (§§ 675c ff. BGB) am 31. Okto­ber 2009 zu. Die Klau­sel ist so aus­zu­le­gen, dass sie auch Buchun­gen bepreist, die im Zuge von Bar­ein­zah­lun­gen auf das Kon­to wie auch Bar­ab­he­bun­gen am Schal­ter sowie im Rah­men der feh­ler­haf­ten Aus­füh­rung eines Zah­lungs­auf­trags anfal­len. Mit der Beprei­sung von Ein- und Aus­zah­lun­gen am Bank­schal­ter unter­liegt die strei­ti­ge Klau­sel – jeden­falls für den Zeit­raum bis zum Inkraft­tre­ten des Zah­lungs­dienst­e­rechts – als Preis­ne­ben­ab­re­de der rich­ter­li­chen Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB in Ver­bin­dung mit § 307 Abs. 1 und 2 BGB, weil die Ein- und Aus­zah­lun­gen nach den Kate­go­ri­en des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs ent­we­der einem Dar­le­hen (§§ 488 ff. BGB) oder einer unre­gel­mä­ßi­gen Ver­wah­rung (§ 700 BGB) zuzu­ord­nen sind und sich aus der gesetz­li­chen Rege­lung bei­der Ver­trags­ty­pen Grund­sät­ze für die Fra­ge der Ent­gelt­lich­keit von Ein- und Aus­zah­lun­gen ent­neh­men las­sen. Mit der Beprei­sung von Buchun­gen, die im Rah­men der feh­ler­haf­ten Aus­füh­rung eines Zah­lungs­auf­trags anfal­len, weicht die Spar­kas­se von den seit dem 31. Okto­ber 2009 gel­ten­den § 675u Satz 2, § 675y Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 Satz 2, Abs. 4 BGB ab. Nach die­sen Vor­schrif­ten hat die Bank als Zah­lungs­dienst­leis­te­rin kei­nen Anspruch auf ein Ent­gelt, wenn ein Zah­lungs­auf­trag feh­ler­haft oder ohne Auto­ri­sie­rung aus­ge­führt wird. Die Spar­kas­se ver­langt dage­gen 0,32 €.

Die vom Kauf­mann bean­stan­de­te Pos­ten­preis­klau­sel ist auch unwirk­sam. Für den Zeit­raum bis zum Inkraft­tre­ten des Zah­lungs­dienst­e­rechts ergibt sich die Unan­ge­mes­sen­heit der Klau­sel dar­aus, dass durch sie man­gels Frei­pos­ten­re­ge­lung auch Ein- und Aus­zah­lun­gen bepreist wer­den, die indes als Akte zur Begrün­dung oder Erfül­lung von Dar­le­hens- oder Ver­wah­rungs­ver­hält­nis­sen zu wer­ten sind, für die nach den gesetz­li­chen Rege­lun­gen des Dar­le­hens und der unre­gel­mä­ßi­gen Ver­wah­rung kein Ent­gelt vor­ge­se­hen ist3.

Für die Zeit nach Inkraft­tre­ten des Zah­lungs­dienst­e­rechts weicht die Beprei­sung jed­we­der Buchung jeden­falls von der Vor­schrift des § 675u BGB ab, wonach die Bank als Zah­lungs­dienst­leis­te­rin kei­nen Anspruch auf ein Ent­gelt bei Aus­füh­rung eines nicht auto­ri­sier­ten Zah­lungs­auf­trags hat. Von die­ser Rege­lung darf gemäß § 675e Abs. 4 BGB auch nicht zum Nach­teil eines Unter­neh­mers als Zah­lungs­dienst­nut­zer abge­wi­chen wer­den. Danach ergibt sich die Nich­tig­keit der Klau­sel auch aus § 134 BGB.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Juli 2015 – XI ZR 434/​14

  1. LG Baden-Baden, Urteil vom 27.11.2012 – 3 O 242/​11 []
  2. OLG Karls­ru­he, Urteil vom 09.09.2014 – 17 U 339/​12 []
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 30.11.1993 – XI ZR 80/​93, BGHZ 124, 254; und vom 07.05.1996 – XI ZR 217/​95, BGHZ 133, 10, jeweils für ein pri­va­tes Giro­kon­to []