„Gespal­te­ne Bei­trags­pflicht“ bei einem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds

Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­ho­fes hat­te sich erneut mit der Fra­ge der Zuläs­sig­keit von – zu der fes­ten Ein­la­ge­schuld des Gesell­schaf­ters hin­zu­tre­ten­den – lau­fen­den finan­zi­el­len Belas­tun­gen der Gesell­schaf­ter eines geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds zu befas­sen. Kon­kret ging es um die Beur­tei­lung einer so genann­ten „gespal­te­nen Bei­trags­pflicht“ im Gesell­schafts­ver­trag eines geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds.

„Gespal­te­ne Bei­trags­pflicht“ bei einem geschlos­se­nen Immo­bi­li­en­fonds

Die Beklag­ten in dem jetzt vom BGH ent­schie­de­nen Fall sind im Jah­re 1997 der kla­gen­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) bei­getre­ten, deren Unter­neh­mens­ge­gen­stand die Reno­vie­rung eines Wohn- und Geschäfts­hau­ses in Ber­lin war. Nach dem Gesell­schafts­ver­trag betrug das Eigen­ka­pi­tal 4,415 Mio. DM, die Gesamt­kos­ten des Bau­vor­ha­bens soll­ten 12,9 Mio. DM nicht über­schrei­ten. In Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen Eigen­ka­pi­tal und Gesamt­kos­ten nahm die Gesell­schaft für die Gesell­schaf­ter Dar­le­hen auf. Der – inso­weit in Ber­lin einer Viel­zahl der­ar­ti­ger Immo­bi­li­en-GbR wort­gleich zugrun­de lie­gen­de – Gesell­schafts­ver­trag sieht wei­ter vor, dass die Gesell­schaf­ter neben einer ein­mal zu zah­len­den Ein­la­ge antei­li­ge Ein­zah­lun­gen zu leis­ten haben, wenn der von der GbR erwirt­schaf­te­te Über­schuss nicht für die Bedie­nung der Dar­le­hen aus­rei­chen soll­te. Nach­dem die Beklag­ten zunächst meh­re­re Jah­re lang die von ihnen auf die­ser Grund­la­ge gefor­der­ten vier­tel­jähr­li­chen Zah­lun­gen geleis­tet hat­ten, ver­wei­ger­ten sie ab Mit­te 2004 wei­te­re Leis­tun­gen mit der Begrün­dung, die Nach­schuss­pflicht sei nicht rechts­wirk­sam begrün­det wor­den. Die kla­gen­de GbR, die den gegen­tei­li­gen Stand­punkt ver­tritt, hat von den Beklag­ten u. a. sechs Vier­tel­jah­res­ra­ten der Jah­re 2004 und 2005 mit der Kla­ge gel­tend gemacht.

Das Beru­fungs­ge­richt hat eine Zah­lungs­ver­pflich­tung der Beklag­ten mit der Begrün­dung ver­neint, der Gesell­schafts­ver­trag ent­hal­te für eine der­ar­ti­ge Ver­pflich­tung kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge. Das nach dem Gesell­schafts­ver­trag für das Ent­ste­hen der Ein­zah­lungs­pflicht maß­geb­li­che Kri­te­ri­um des „nicht aus­rei­chen­den erwirt­schaf­te­ten Über­schus­ses“ sei nach Grund und Höhe nicht hin­rei­chend kon­kre­ti­siert. Die Gesell­schaf­ter hät­ten daher bei ihrem Bei­tritt nicht, wie nach der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung erfor­der­lich, das Aus­maß der zusätz­li­chen Belas­tun­gen hin­rei­chend abschät­zen kön­nen.

Der II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­ho­fes hat auf die vom Beru­fungs­ge­richt zuge­las­se­ne Revi­si­on das kla­ge­zu­spre­chen­de Urteil des Land­ge­richts wie­der her­ge­stellt. Der Senat ist zwar dem Beru­fungs­ge­richt dar­in gefolgt, dass sich bei einer iso­liert den Gesell­schafts­ver­trag in den Blick neh­men­den Beur­tei­lung – anders als dies ein ande­rer Senat des Beru­fungs­ge­richts in meh­re­ren dem­nächst beim Senat anste­hen­den Ver­fah­ren dem wort­glei­chen Gesell­schafts­ver­trag ent­nimmt – aus die­sem kei­ne Zah­lungs­pflicht der Beklag­ten her­lei­ten las­se. Das recht­fer­tig­te die Kla­ge­ab­wei­sung indes­sen nicht, weil das Beru­fungs­ge­richt in dem heu­te ent­schie­de­nen Fall zu Unrecht allein den Text des Gesell­schafts­ver­tra­ges ver­wer­tet und des­halb den vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt nicht voll­stän­dig gewür­digt hat. Im Zusam­men­hang mit den Anga­ben in der von den Beklag­ten unter­schrie­be­nen Bei­tritts­er­klä­rung zu der GbR ergibt sich hier aus dem Gesell­schafts­ver­trag die vom Beru­fungs­ge­richt ver­miss­te, nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Senats erfor­der­li­che aus­rei­chen­de Klar­heit dar­über, dass und in wel­cher maxi­ma­len Höhe die Beklag­ten über den zif­fern­mä­ßig fest­ge­leg­ten Ein­la­ge­be­trag hin­aus­ge­hen­de lau­fen­de Bei­trags­pflich­ten in der Zeit ihrer Mit­glied­schaft in der GbR tref­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2007 – II ZR 230/​06