Grund­schuld­dar­le­hen – und ihr Wider­ruf

Eine dem Dar­le­hens­ver­trag bei­gege­be­ne Wider­rufs­be­leh­rung, nach der die Wider­rufs­frist „frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung” beginnt, belehrt die Dar­le­hens­neh­mer nicht hin­rei­chend deut­lich über den Beginn der Wider­rufs­frist. Eine sol­che Beleh­rung kann daher den Lauf der Wider­rufs­frist nicht in Gang set­zen.

Grund­schuld­dar­le­hen – und ihr Wider­ruf

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall schlos­sen die Dar­le­hens­neh­mer schlos­sen im April 2008 mit einer Bank einen Dar­le­hens­ver­trag über einen Nenn­be­trag in Höhe von 50.000 €. Als Sicher­heit der Bank dien­ten Grund­pfand­rech­te. Die Bank belehr­te die Dar­le­hens­neh­mer über ihr Wider­rufs­recht. Die Dar­le­hens­neh­mer erbrach­ten Zins- und Til­gungs­leis­tun­gen. Unter dem 24. Juni 2013 wider­rie­fen sie ihre auf Abschluss des Dar­le­hens­ver­trags gerich­te­te Wil­lens­er­klä­rung und leis­te­ten an die Bank ohne Aner­ken­nung einer Rechts­pflicht wei­te­re 40.625,33 €.

Ihre Kla­ge auf Zah­lung der Dif­fe­renz zwi­schen die­sem Betrag und dem von ihnen als der Bank bei Wirk­sam­wer­den des Wider­rufs noch geschul­det berech­ne­ten Betrag von 34.809,73 €, folg­lich auf Zah­lung von 5.815,60 €, hat das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth abge­wie­sen1. Auf ihre Beru­fung hat dage­gen das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg den Dar­le­hens­neh­mern einen Teil der Kla­ge­for­de­rung zuer­kannt und das Rechts­mit­tel im Übri­gen zurück­ge­wie­sen2. Die vom Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg zuge­las­se­ne und gegen den zuspre­chen­den Teil gerich­te­te Revi­si­on der Bank hat der Bun­des­ge­richts­hof nun zurück­ge­wie­sen. Auf die Anschluss­re­vi­si­on der Dar­le­hens­neh­mer hat der Bun­des­ge­richts­hof des­wei­te­ren – unter Zurück­wei­sung des Rechts­mit­tels im Übri­gen- die Bank zur Zah­lung eines gerin­gen wei­te­ren Betra­ges ver­ur­teilt. Dabei waren für den Bun­des­ge­richts­hof im Wesent­li­chen fol­gen­de Über­le­gun­gen lei­tend:

Das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg hat rich­tig gese­hen, dass bei Aus­übung des Wider­rufs­rechts am 24. Juni 2013 die Wider­rufs­frist noch nicht abge­lau­fen war. Die dem Dar­le­hens­ver­trag bei­gege­be­ne Wider­rufs­be­leh­rung, die dahin lau­te­te, die Wider­rufs­frist begin­ne „frü­hes­tens mit Erhalt die­ser Beleh­rung”, belehr­te die Dar­le­hens­neh­mer schon nicht hin­rei­chend deut­lich über den Beginn der Wider­rufs­frist. Auf die Gesetz­lich­keits­fik­ti­on des vom Ver­ord­nungs­ge­ber ein­ge­führ­ten Mus­ters für die Wider­rufs­be­leh­rung kann sich die Bank nicht beru­fen, weil sie gegen­über dem Mus­ter erheb­li­che Ände­run­gen vor­ge­nom­men hat. Die Dar­le­hens­neh­mer haben das Wider­rufs­recht weder ver­wirkt noch sonst unzu­läs­sig aus­ge­übt. Ledig­lich bei den aus dem Wider­ruf resul­tie­ren­den Rechts­fol­gen hat das Ober­lan­des­ge­richt nicht hin­rei­chend beach­tet, dass zwi­schen den Par­tei­en unstrei­tig geblie­ben ist, dass die Dar­le­hens­neh­mer zum 30. April 2008 eine Zah­lung in Höhe von 375 € und nicht nur in Höhe von 125 € an die Bank erbracht haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Juli 2016 – XI ZR 564/​15

  1. LG Nürn­berg-Fürth, Urteil vom 27.10.2014 – 10 O 3952/​14
  2. OLG Nürn­berg, Urteil vom 11.11.2015 – 14 U 2439/​14