Haf­tung der Treu­ge­ber einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft

Der Insol­venz­ver­wal­ter eines insol­ven­ten Immo­bi­li­en­fonds in der Form einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft kann von den Anle­gern des Fonds aus abge­tre­te­nem Recht der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin Rück­zah­lung von Aus­schüt­tun­gen ver­lan­gen kann, soweit dadurch die Ein­la­gen der Anle­ger zurück­ge­währt wur­den.

Haf­tung der Treu­ge­ber einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in acht bei ihm anhän­gi­gen Fäl­len, in denen die Anle­ger, die sich über eine Treu­hand­kom­man­di­tis­tin an den Falk-Fonds Nr. 68 und Q 1 betei­ligt hat­ten, jähr­li­che Aus­schüt­tun­gen in Höhe von ca. 5% ihrer über die Treu­hän­de­rin geleis­te­ten Ein­la­gen erhal­ten hat­ten. In den acht Ver­fah­ren, in denen der Bun­des­ge­richts­hof heu­te sei­ne Urtei­le ver­kün­det hat, waren die Kla­gen, mit denen der Insol­venz­ver­wal­ter von den Anle­gern Rück­zah­lung der Aus­schüt­tun­gen ver­langt hat, von ein­zel­nen Land­ge­rich­ten und Ober­lan­des­ge­rich­ten abge­wie­sen wor­den, bei ande­ren hat­ten sie (teil­wei­se) Erfolg 1.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Kla­gen über­wie­gend für begrün­det erach­tet: Bei den den Falk-Fonds Q 1 betref­fen­den Ver­fah­ren hat der Bun­des­ge­richts­hof dem Klä­ger jeweils einen Anspruch auf Rück­zah­lung sämt­li­cher Aus­schüt­tun­gen zuer­kannt. Die­ser Fonds hat­te von Anfang an Ver­lus­te erwirt­schaf­tet, so dass durch alle Aus­schüt­tun­gen die über die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin gezahl­ten Ein­la­gen der Anle­ger wie­der zurück­ge­währt wur­den und dadurch die Haf­tung zunächst der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin und in deren Fol­ge auch die Haf­tung der Anle­ger für Ver­bind­lich­kei­ten des Fonds gegen­über Gläu­bi­gern der Gesell­schaft wie­der aus­ge­löst wur­de. Der Falk-Fonds Nr. 68 hat­te dage­gen in den Anfangs­jah­ren Gewin­ne erwirt­schaf­tet, so dass die Aus­schüt­tun­gen nicht voll­stän­dig zurück­be­zahlt wer­den müs­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ansicht bestä­tigt, dass die gesetz­li­che Haf­tung des Kom­man­di­tis­ten für Schul­den der Gesell­schaft in Höhe sei­ner Ein­la­ge unmit­tel­bar nur die Treu­hän­de­rin trifft. Die­se kann jedoch ver­lan­gen, dass die Anle­ger sie von ihrer Haf­tung frei­stel­len. Auf­grund der an den Insol­venz­ver­wal­ter abge­tre­te­nen Frei­stel­lungs­an­sprü­che der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin sind die Anle­ger die­sem zur Zah­lung in Höhe der Aus­schüt­tun­gen ver­pflich­tet, soweit die­se zur Rück­ge­währ der Kom­man­dit­ein­la­gen geführt haben. Die Abtre­tung ver­stößt weder gegen ein gesetz­li­ches noch gegen ein ver­trag­li­ches Abtre­tungs­ver­bot. Den von den Anle­gern erho­be­nen Ein­wand der Ver­jäh­rung sowie die Auf­rech­nung mit Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen hat der Bun­des­ge­richts­hof für nicht durch­grei­fend erach­tet.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 22. März 2011 – II ZR 224/​08, II ZR 271/​08, II ZR 100/​09, II ZR 174/​09, II ZR 215/​09, II ZR 216/​09, II ZR 217/​09 und II ZR 218/​09

  1. II ZR 224/​08: AG Duis­burg-Ruhr­ort, Urteil vom 28.09.2007– 8 C 499/​06; und LG Duis­burg, Urteil vom 14.08.2008 – 5 S 114/​07;
    II ZR 271/​08: LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 04.12.2007 – 16 O 538/​06; und OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 20.11.2008 – 6 U 8/​08;
    II ZR 100/​09: LG Köln, Urteil vom 24.06.2008 – 22 O 42/​08; und OLG Köln, Urteil vom 02.04.2009 – 18 U 102/​08;
    II ZR 174/​09: LG Mar­burg, Urteil vom 21.05.2008– 2 O 403/​07; und OLG Frank­furt/​M., Urteil vom 25.06.2009 – 15 U 101/​08;
    II ZR 215/​09, II ZR 216/​09 und II ZR 217/​09: LG Walds­hut-Tien­gen, Urtei­le vom 13.12.2007– 1 O 313/​06, 1 O 311/​06 und 1 O 312/​06; und OLG Karls­ru­he, Urtei­le vom 06.08.2009– 4 U 11/​08, 4 U 9/​08 und 4 U 10/​08;
    II ZR 218/​09: LG Mün­chen I, Urteil vom 30.10.2008 – 12 O 24156/​07; OLG Mün­chen, Urteil vom 23.06.2009 – 5 U 5492/​08[]