Haf­tung eines Pro­mi­nen­ten bei Wer­bung für eine Kapi­tal­an­la­ge

Pro­mi­nen­te machen Wer­bung – Üblich. Eini­ge Pro­mi­nen­te machen auch Wer­bung für Kapi­tal­an­la­gen – Ken­nen wir seit der Wer­bung für die Tele­kom-Aktie durch einen Ham­bur­ger Tat­ort-Kom­mis­sar. Aber haf­ten die­se Pro­mi­nen­ten auch, wenn sich bei der Kapi­tal­an­la­ge, für die sie im Zusam­men­hang mit Emis­si­on wer­ben, im Emis­si­ons­pro­spekt Feh­ler fin­den? Die­ser Fra­ge muss­te sich jetzt der frü­he­re Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Prof. Dr. Rupert Scholz stel­len. Prof. Scholz war vom Land­ge­richt Mos­bach 2007 in einem Pro­zess um fehl­ge­schla­ge­ne Kapi­tal­an­la­gen zum Scha­dens­er­satz ver­uteilt wor­den. Sei­ne Beru­fung zum Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he hat­te nun Erfolg.

Haf­tung eines Pro­mi­nen­ten bei Wer­bung für eine Kapi­tal­an­la­ge

Die kla­gen­den Ehe­leu­te hat­ten sich im Okto­ber 2004 an einer Publi­kums­kom­man­dit­ge­sell­schaft betei­ligt, die einen Fonds betrei­ben soll­te. Über das Ver­mö­gen die­ser Gesell­schaft wur­de spä­ter das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Die Klä­ger nah­men dar­auf­hin meh­re­re Beklag­te, dar­un­ter Rupert Scholz, auf Scha­dens­er­satz in Anspruch. Dabei stüt­zen sie sich dar­auf, dass dem Ver­trieb der Kapi­tal­an­la­ge ein Emis­si­ons­pro­spekt zugrun­de gele­gen habe, der unrich­ti­ge und unvoll­stän­di­ge Anga­ben ent­hielt. Beim Ver­trieb der Anla­ge war in einer wei­te­ren Wer­be­bro­schü­re damit gewor­ben wor­den, dass Rupert Scholz Vor­sit­zen­der des Bei­rats einer Gesell­schaft sei, die den Fonds initi­iert hat­te. In die­sem Zusam­men­hang wur­den posi­ti­ve Äuße­run­gen von Rupert Scholz über die Gesell­schaft und die für die­se han­deln­den Per­so­nen wie­der­ge­ge­ben.
Das Land­ge­richt Mos­bach hat­te der Kla­ge gegen Rupert Scholz statt­ge­ge­ben. Er habe durch sein Mit­wir­ken bei der Anle­ger­wer­bung, ver­bun­den mit sei­ner her­aus­ge­ho­be­nen beruf­li­chen Stel­lung und Sach­kun­de, beson­de­res per­sön­li­ches Ver­trau­en in Anspruch genom­men und habe des­halb für die Feh­ler­haf­tig­keit der Pro­spekt­an­ga­ben ein­zu­ste­hen.
Das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he hat die­se land­ge­richt­li­che Ent­schei­dung nun auf­ge­ho­ben und die gegen Prof. Scholz gerich­te­te Kla­ge abge­wie­sen:

Er kön­ne nicht nach den Grund­sät­zen der soge­nann­ten Pro­spekt­haf­tung für Feh­ler des Emis­si­ons­pro­spekts in Anspruch genom­men wer­den. Rupert Scholz sei nicht als Initia­tor der Anla­ge anzu­se­hen, da der Bei­rat der Gesell­schaft nur bera­ten­de Funk­ti­on habe. Ansons­ten kom­me eine Pro­spekt­haf­tung nur bei sol­chen Per­so­nen in Betracht, die am Emis­si­ons­pro­spekt nach außen erkenn­bar mit­wir­ken. Im Emis­si­ons­pro­spekt war Rupert Scholz jedoch weder benannt noch abge­bil­det oder zitiert. Das Wer­be­ma­te­ri­al, das damals neben dem Emis­si­ons­pro­spekt an Inter­es­sen­ten ver­teilt wur­de, kön­ne nicht als Teil des Emis­si­ons­pro­spekts ange­se­hen wer­den. Im Übri­gen sei nicht ersicht­lich, dass die in die­sem Wer­be­ma­te­ri­al wie­der­ge­ge­be­nen Aus­sa­gen von Rupert Scholz unzu­tref­fend sei­en. Es hand­le sich dabei vor allem um all­ge­mei­ne, blu­mi­ge Aus­füh­run­gen zu ver­schie­de­nen Anla­ge­mög­lich­kei­ten und den damit ver­bun­de­nen Chan­cen, Gewinn zu erzie­len, sowie eine erkenn­bar rekla­me­haf­te Anprei­sung des Fonds. In der Wer­be­bro­schü­re sei aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass eine fun­dier­te Ent­schei­dung über die Betei­li­gung allein nach Kennt­nis­nah­me des Emis­si­ons­pro­spek­tes getrof­fen wer­de kön­ne. Für Anga­ben im Emis­si­ons­pro­spekt habe er nicht ein­zu­ste­hen.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 28. April 2010 – 6 U 155/​07