Innen­pro­vi­sio­nen – und die Haf­tung des Anla­ge­be­ra­ters

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs besteht im Rah­men eines ver­trag­li­chen Anla­ge­ver­mitt­lungs- oder Anla­ge­be­ra­tungs­ver­hält­nis­ses die gene­rel­le Pflicht des Bera­ters oder Ver­mitt­lers, im Rah­men der objekt­ge­rech­ten Bera­tung unauf­ge­for­dert über Ver­triebs­pro­vi­sio­nen Auf­klä­rung zu geben, wenn die­se eine Grö­ßen­ord­nung von 15 % des von den Anle­gern ein­zu­brin­gen­den Kapi­tals über­schrei­ten, und etwai­ge irre­füh­ren­de oder unrich­ti­ge Anga­ben zu Ver­triebs­pro­vi­sio­nen recht­zei­tig rich­tig­zu­stel­len.

Innen­pro­vi­sio­nen – und die Haf­tung des Anla­ge­be­ra­ters

Dem liegt die Erwä­gung zugrun­de, dass Ver­triebs­pro­vi­sio­nen sol­chen Umfangs Rück­schlüs­se auf eine gerin­ge­re Wert­hal­tig­keit und Ren­ta­bi­li­tät der Kapi­tal­an­la­ge eröff­nen und dies wie­der­um einen für die Anla­ge­ent­schei­dung der­art bedeut­sa­men Umstand dar­stellt, dass der Anla­ge­in­ter­es­sent hier­über infor­miert wer­den muss [1]. Gene­rell müs­sen Anga­ben, egal, ob geschul­det oder nicht, der Wahr­heit ent­spre­chen [2].

Auch im Rah­men mög­li­cher delik­ti­scher Haf­tung, ins­be­son­de­re unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 826 BGB, kön­nen das Ver­schwei­gen einer der­art hohen Pro­vi­si­on oder unrich­ti­ge Anga­ben dazu einen Scha­dens­er­satz­an­spruch des Anle­gers begrün­den, wenn dem Bera­ter oder Ver­mitt­ler die 15 % über­stei­gen­de Pro­vi­si­ons­hö­he bekannt ist. Der Beklag­te, der nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts im Streit­fall zumin­dest als Ver­mitt­ler für die S. GmbH auf­ge­tre­ten ist, hät­te danach, das Vor­brin­gen der Klä­ge­rin als zutref­fend unter­stellt, spä­tes­tens auf ihre kon­kre­te Nach­fra­ge zutref­fen­de Aus­künf­te ertei­len müs­sen. Dies ist nach der Behaup­tung der Klä­ge­rin jedoch gera­de nicht gesche­hen. Sei­ne inso­weit bestehen­de Kennt­nis von der weit über 15 % lie­gen­den Pro­vi­si­on hat­te die Klä­ge­rin eben­falls behaup­tet und ent­spre­chend unter Beweis gestellt. Das Beru­fungs­ge­richt hat sich jedoch eben­so wenig wie das Land­ge­richt mit einem unge­fragt zu berei­ni­gen­den inso­weit bestehen­den Infor­ma­ti­ons­de­fi­zit oder einer jeden­falls auf Nach­fra­ge erfor­der­li­chen, den Gege­ben­hei­ten ent­spre­chen­den Infor­ma­ti­on hier­über befasst.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Janu­ar 2015 – III ZR 547/​13

  1. vgl. nur BGH, Urteil vom 03.03.2011 – III ZR 170/​10, NJW-RR 2011, 913 Rn. 16, 22 mwN[]
  2. vgl. z.B. BGH, Urteil vom 29.06.2010 – XI ZR 104/​08, NJW-RR 2011, 270, Rn. 36 mwN[]