Insi­der­han­del, Markt­ma­ni­pu­la­ti­on – und die Neu­re­ge­lung des Wert­pa­pier­rechts

Es besteht kei­ne (zeit­li­che) „Straf­bar­keits­lü­cke” bei Insi­der­han­del und Markt­ma­ni­pu­la­ti­on.

Insi­der­han­del, Markt­ma­ni­pu­la­ti­on – und die Neu­re­ge­lung des Wert­pa­pier­rechts

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem Fall aus Ham­burg: Das Land­ge­richt Ham­burg hat den frü­he­ren Vor­stand­vor­sit­zen­den einer Akti­en­ge­sell­schaft wegen der Ord­nungs­wid­rig­keit der leicht­fer­ti­gen Markt­ma­ni­pu­la­ti­on zu einer Geld­bu­ße ver­ur­teilt; hin­sicht­lich einer Neben­be­tei­lig­ten hat es eine Ver­falls­ent­schei­dung getrof­fen, der die von einem Mit­an­ge­klag­ten began­ge­ne Straf­tat des Insi­der­han­dels zugrun­de lag. Die im Jahr 2007 began­ge­nen Taten wur­den vom Land­ge­richt vor Inkraft­tre­ten des Ers­ten Finanz­markt­no­vel­lie­rungs­ge­set­zes (BGBl. I 1514) am 2. Juli 2016 abge­ur­teilt, durch das die maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten des Wert­pa­pier­han­dels­ge­set­zes geän­dert wur­den. Die­se ver­wei­sen seit­dem auf Ver­bots­nor­men der Ver­ord­nung (EU) Nr. 596/​2014 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 16. April 2014 über Markt­miss­brauch, die indes erst seit dem 3. Juli 2016 in den Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on unmit­tel­bar gilt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die gegen die­ses Urteil gerich­te­ten Revi­sio­nen des Ange­klag­ten und der Neben­be­tei­lig­ten als unbe­grün­det ver­wor­fen. Er hat ent­schie­den, dass im Zuge der Neu­re­ge­lung des Wert­pa­pier­han­dels­rechts kei­ne zeit­li­che Lücke hin­sicht­lich der straf- und ord­nungs­wid­rig­kei­ten­recht­li­chen Ahndbar­keit von Insi­der­han­del und Markt­ma­ni­pu­la­ti­on ent­stan­den ist, die gemäß § 2 Abs. 3 StGB, § 4 Abs. 3 OWiG i.V.m. § 354a StPO eine Straf­lo­sig­keit von vor der Geset­zes­än­de­rung began­ge­nen Taten zur Fol­ge gehabt hät­te. Auch die­se kön­nen dem­nach wei­ter­hin geahn­det wer­den.

Das Urteil des Land­ge­richts Ham­burg ist damit rechts­kräf­tig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Janu­ar 2017 – 5 StR 532/​16