Kapi­tal­an­le­ge­mus­ter­ver­fah­ren – und die Fra­ge der Scha­dens­be­rech­nung

Gene­rel­le Fest­stel­lun­gen zur Art und Wei­se der Scha­dens­be­rech­nung kön­nen Gegen­stand einer Fest­stel­lung im Kapi­tal­an­le­ge­mus­ter­ver­fah­ren sein.

Kapi­tal­an­le­ge­mus­ter­ver­fah­ren – und die Fra­ge der Scha­dens­be­rech­nung

Die Fest­stel­lung ist im Ver­fah­ren nach dem Kapi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­rens­ge­setz fest­stel­lungs­fä­hig.

Eine die Per­son des Muster­klä­gers oder eines bei­gela­de­nen Anle­gers betref­fen­de indi­vi­du­el­le Fra­ge, wie die Höhe des ihm ent­stan­de­nen Scha­dens oder die Beur­tei­lung der Recht­zei­tig­keit einer Anfech­tung wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung, kann nicht Gegen­stand einer Fest­stel­lung im Kapi­tal­an­le­ger­mus­ter­ver­fah­ren sein 1. Dies bedeu­tet indes nicht, dass gene­rel­le Fest­stel­lun­gen zur Art und Wei­se der Scha­dens­be­rech­nung aus­ge­schlos­sen sind 2.

Die Fest­stel­lung des Mus­ter­ent­scheid ent­hält inso­weit nur gene­ra­li­sie­ren­de Aus­sa­gen zum Scha­den der Anle­ger, die die Berück­sich­ti­gung der indi­vi­du­el­len Ver­hält­nis­se der Anle­ger in den dem Mus­ter­ver­fah­ren zu Grun­de lie­gen­den Aus­gangs­ver­fah­ren nicht aus­schlie­ßen.

Die der Fest­stel­lung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren zu Grun­de lie­gen­de Wür­di­gung ist auch nicht rechts­feh­ler­haft, weil nach dem Vor­brin­gen der Mus­ter­be­klag­ten ein Scha­den der Anle­ger zu ver­nei­nen gewe­sen wäre und das Ober­lan­des­ge­richt die­ses Vor­brin­gen unbe­rück­sich­tigt gelas­sen hat. Die Mus­ter­be­klag­ten haben nicht vor­ge­tra­gen, dass der Wert der Betei­li­gung den Wert der von den Anle­gern erbrach­ten Leis­tun­gen tat­säch­lich über­steigt. Sie haben auch nicht dar­ge­legt, dass bei den Anle­gern aus der Betei­li­gung unter kei­nem denk­ba­ren Gesichts­punkt unmit­tel­ba­re oder mit­tel­ba­re steu­er­li­che Nach­tei­le ent­ste­hen kön­nen.

Der Anle­ger ist so zu stel­len, als habe er die Betei­li­gung nicht gezeich­net. Sein Scha­den besteht in dem an die Fonds­ge­sell­schaft geleis­te­ten tat­säch­li­chen Auf­wand inklu­si­ve des Agi­os. Von der Ersatz­pflicht mit umfasst sind – beschränkt auf das nega­ti­ve Inter­es­se – auch die steu­er­li­chen Nach­tei­le, die mit­tel­bar oder unmit­tel­bar aus der Betei­li­gung resul­tier­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Juli 2014 – II ZB 1/​12

  1. BGH, Beschluss vom 10.06.2008 – XI ZB 26/​07, BGHZ 177, 88 Rn. 17, 27[]
  2. Kru­is in KK-Kap­MuG, § 1 Rn. 96; Ful­len­kamp in Vorwerk/​Wolf, Kap­MuG, § 4 Rn.19; Mai­er-Rei­mer/Wil­sing, ZGR 2006, 79, 98 f.; Reusch­le, WM 2004, 2334, 2335[]