Kap­MuG-Ver­fah­ren – und der Vorlagebeschluss

Der Vor­la­ge­be­schluss (§ 6 Abs. 1 Kap­MuG) und der Erwei­te­rungs­be­schluss (§ 15 Abs. 1 Kap­MuG) tre­ten im Mus­ter­ver­fah­ren an die Stel­le einer ver­fah­rens­ein­lei­ten­den Kla­ge­schrift und müs­sen die vom Ober­lan­des­ge­richt zu tref­fen­den Fest­stel­lun­gen nach § 11 Abs. 1 Satz 1 Kap­MuG i.V.m. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO bestimmt bezeich­nen1.

Kap­MuG-Ver­fah­ren – und der Vorlagebeschluss

Ein auf die Fest­stel­lung eines Pro­spekt­feh­lers gerich­te­tes Fest­stel­lungs­ziel ist nur dann hin­rei­chend bestimmt for­mu­liert, wenn es die bean­stan­de­te Aus­sa­ge oder Aus­las­sung der Kapi­tal­markt­in­for­ma­ti­on selbst wie­der­gibt2.

Nach die­sen Maß­ga­ben ist ein Fest­stel­lungs­ziel, mit dem unzu­rei­chen­de Hin­wei­se auf die Risi­ken der Inan­spruch­nah­me der Ein­schiff­ge­sell­schaf­ten durch die Gläu­bi­ger der Char­te­rer der Schif­fe gerügt wer­den, hin­rei­chend bestimmt. Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts fin­den sich in dem Pro­spekt kei­ne Aus­füh­run­gen zu etwai­gen Schiffs­gläu­bi­ger­rech­ten und deren Aus­wir­kun­gen. Das Fest­stel­lungs­ziel bean­stan­det somit, dass der Pro­spekt bei der Dar­stel­lung der Risi­ken der Betei­li­gung auf die­ses The­ma über­haupt nicht ein­geht. Damit ist hin­rei­chend umschrie­ben, wel­cher Feh­ler gemeint ist.

Auch das Fest­stel­lungs­ziel, dass der Pro­spekt kei­ne hin­rei­chen­den Hin­wei­se dar­auf ent­hal­te, dass die im Pro­spekt benann­ten „Schiffs­gut­ach­ten eines amt­lich bestell­ten und ver­ei­dig­ten Gut­ach­ters nicht unter Anwen­dung der Sorg­falt eines amt­lich bestell­ten und ver­ei­dig­ten Gut­ach­ters erstellt wur­den und es ins­be­son­de­re an der sorg­fäl­ti­gen Ermitt­lung der tat­säch­li­chen Grund­la­gen und der Nach­voll­zieh­bar­keit man­gelt“, ist im Sin­ne von § 11 Abs. 1 Satz 1 Kap­MuG i.V.m. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO hin­rei­chend bestimmt. Das Fest­stel­lungs­ziel bean­stan­det, dass im Pro­spekt die Aus­füh­run­gen zu den Schiffs­gut­ach­ten nicht mit dem Warn­hin­weis ver­se­hen sei­en, dass die Gut­ach­ten nicht mit der erfor­der­li­chen Sorg­falt erstellt wor­den seien.

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Bankenhaftung wegen fehlender Baugenehmigung

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Mai 2021 – XI ZB 19/​18

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 19.09.2017 – XI ZB 17/​15, BGHZ 216, 37 Rn. 64; BGH, Beschluss vom 21.07.2020 – II ZB 19/​19, WM 2020, 1774 Rn. 26[]
  2. BGH, Beschluss vom 19.09.2017 aaO Rn. 65; BGH, Beschluss vom 10.07.2018 – II ZB 24/​14, WM 2018, 2225 Rn. 33; vgl. BGH, Beschluss vom 17.12.2020 – II ZB 31/​14, WM 2021, 285 Rn. 66[]